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9 (1873) Spanien - Vives
Entstehung
Seite
637
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Vaterlandsliebe.

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inner» Wesen zu betrachten und zu würdigen, und ebenso undcntsch wie unevaugclischwürde eine Erziehung sein, welche die Jugend für gcwiße äußere Zwecke fanatisirte,welche durch das innerste Bedürfnis des Geistes nicht gefordert sind, und sic behufs derErreichung derselben zum Gebrauche von Mitteln anleitete, welche eine aufrichtig sittlicheGesinnung verwerfen muß. Auch ein engherziger und exclusiver Confcssicnalismus wirddurch die geforderte Verbindung der religiösen Erziehung mit der nationalen nicht be-günstigt, sonderm auf das rechte Maß zurückgeführt werden. Ein deutscher Erzieher evan-gelischen Bekenntnisses wird zwar seine Ueberzeugung nicht verleugnen können, daß dieReformation eine ebenso segensreiche als nothwendigc und natürliche Epoche in der Ent-wicklung des deutschen Geistes und des religiösen LebcnS unseres Volkes bildet, und daßnur ausländische Einwirkungen politischer und kirchlicher Art die Einigung des ganzendeutschen Volkes auf dem Grunde des neu erwachten evangelischen Glaubens haben ver-hindern können. Aber wie er, an dem großen Grundgedanken der Reformation festhal-tend, das durch diese geknüpfte Band wesentlicher Einheit, welches Lutheraner und Ne-formirte verbindet, nicht lockern und zerreißen wird, so wird er auch bei deutschen Brü-dern, welche der römischen Kirche angchören, in dem deutschen Gemüthe dic auima imturu-litörevanssölioa nicht verkennen und trotz der friedestörenden Betriebsamkeit eines romanisiren-den Fanatismus das Vertrauen nicht wegwcrfen, daß es der Verbindung zwischen der deut-schen Volkstümlichkeit und dem Evangelium endlich doch noch gelingen werde, die, welchedesselben deutschen Stammes sind, auch in demselben Glauben zu vereinigen. Jedenfallskönnen viele der folgenreichsten Thaten und Schicksale der größten Männer, viele der bedeu-tendsten Werke unseres Volkes im Gebiete der Wissenschaft und der Kunst, insbesondereder Dichtkunst, nur aus seinem Verhältnis zum Christenthum und zur Reformationrecht verstanden und gewürdigt werden, und Gott wolle uns in Gnaden davor bewahren,daß nicht das vage Geschrei nach confessionslosen Schulen, abgesehen von anderen Schä-digungen der edelsten Güter, welche unsere Väter mit ihrem Blute uns erworben haben,am Ende auch dahin führt, daß der evangelische Lehrer vor evangelischen Schülern, umnicht ein paar Juden, die unter ihnen sitzen, zu verletzen, nicht mehr von dem Erschei-nen Jesu Christi als dem größten und segensreichsten Ereignisse der Weltgeschichte, undwegen einer verschwindenden Minorität von Schülern aus der römischen Kirche nichtmehr von der Reformation als der größten That des deutschen Geistes und von demSegen des wiedererwachtcn evangelischen Glaubens soll reden dürfen. So lange die That-sache unwiderleglich feststeht, daß Erziehung und Schule, von der Volksschule an bis hin-auf zu den Hochschulen der Wissenschaft, genau so weit eines gesunden, kräftigen undlebendigen Gedeihens sich erfreut, als die evangelische Kirche sich ausgebrcitet hat, solange haben wir ein Recht, nicht im Namen confcssionellen Zwanges, sondern im Namenevangelischer und protestantischer Freiheit und wahrhaft freier Volksbildung zu fordern,daß der evangelischen Jugend und dem evangelischen Volke Deutschlands nicht sein köst-lichstes Kleinod in den Schulen vorcnthalten oder verkümmert werde. Allerdings ist die„Freiheit, die ich meine," nicht jene schlechte Freiheit, welche nur in der möglichsten Be-seitigung aller Hemmungen für das willkürliche Gelüsten des isolirten Subjectes besteht,noch jene leer abstracte Freiheit, welche das Heil in der Jgnorirung aller eigenthümlichenLebensbildungcn sucht, sondern die wahre Freiheit, welche in der positiven Möglichkeitberuht, daß der Einzelne seiner Individualität gemäß unter der Herrschaft der ewigengöttlichen Gesetze den ganzen Rcichthum des eigenthümlichen Lebens entfalte, zu welchemer angelegt ist, und welches wiederum insbesondere in dem eigenthümlichen, durch be-stimmte geschichtliche Factoren entwickelten Leben des Volkes, dem er angehört, die star-ken Wurzeln seiner Kraft hat. (Das Zusammenwirken des deutschen und christlichenGeistes, wie es insbesondere in der Zeit der Befreiungskriege sich mächtig erwiesen hat,ist dargestellt in W. B aur's Gcschichts-und Lebensbildern. 3. Ausl. Hamburg 187l.)

Als ein Unterr i chtsgc g en sta nd, durch dessen zweckmäßige Behandlung dieVaterlandsliebe der Schüler befördert werden kann, bietet dann vor allem die Mutter-