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9 (1873) Spanien - Vives
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Ungerathene Kinder.

Augen liegt, ist so viel, daß man eigentlich ein noch viel schlimmeres Ergebnis erwartensollte, wiewohl das zu Tag liegende, das Hinleben ganzer Massen unseres Volkes ohneGott, ohne Glauben, ohne Heiland, in bloßem Trachten nach Brod und Geld undSinnengenuß, wenn sie auch noch im allgemeinen in den Schranken äußerer Ordnungbleiben, schon schlimm genug ist.

Aber selbst da, wo alle Gerechtigkeit der Erziehung erfüllt wird, wo Haus undSchule wirklich das Ihre thun, ist man nicht immer des Erfolgs ganz gewiß. Dieredliche Erzieherarbeit hat ihren Lohn; aber es giebt doch Fälle, wo Kinder trotz der-selben „vergerathen." Wir werden bei dieser Erscheinung erinnert, wie im Herzen desin Sünden empfangenen und gebornen Menschenkindes unberechenbare Tiefen seinkönnen, die sich allen Einwirkungen der wohlmeinenden menschlichen Thätigkeit entziehen,natürliche Härten des Herzens, die sich in dem Maße, als der Sonnenschein der Liebeauf sie fällt, nur noch weiter verhärten. Eben diese Erscheinung aber weist uns umso mehr hin auf den andern Hauptfactor in der Erziehung: die göttliche Mitbe-thätigung.

So hoch wir auch die menschliche Erziehungsarbeit anschlagcn, wir können doch vonden dazu nöthigen Einflüssen von oben nicht hoch genug denken. Nicht Kunst und Fleißdes Ackermanns oder Weingärtners bedingt das gute Ernte- und Weinjahr, sondernSonnenschein und Regen. „An Gottes Segen ist alles gelegen." Wir wüßten nicht,warum dieses alte Wort in der Kindcrzucht weniger gelten sollte, als etwa in der Baum-und Blumenzucht. „Ich habe gcpflanzet, Apollo hat begossen, aber Gott hat das Ge-deihen gegeben" (I. Kor. 3, 6), das ist auch die Ordnung im Felde der Erziehung.

Schon die ganze Naturanlagc des Kindes nach Leib und Seele ist in derHauptsache nicht unbedingt abhängig von dem „Willen des Fleisches, noch von dem Willeneines Mannes" (Joh. l, 13); unsere Kinder sind etwas nach dem Wohlgefallen desSchöpfers so oder so gegebenes, „Gabe des Herrn, Geschenk" (Ps. 127, 3). Wohlbesteht in der Folge der Geschlechter eine gewiße Ordnung. Adam zeugt Kinder „nachseinem Bilde." Es giebt Familienzüge, wie in Gestalt, Gesicht, Stimme, Gang, Haltung,so in Grundeigenschaften des seelischen Lebens. „Art läßt nicht von Art." Aber trotzdemgiebt cs auch Kinder, die „aus der Art schlagen," die, wie leiblich, so seelisch ihren cigen-thümlichcn Gang gehen und so zu sagen Vater und Mutter verläugnen. Wer möchteauch die Wirkung des sich immer wieder neu mischenden Blutes zusammengenommenmit dem Seelenleben der Eltern selbst bemessen und berechnen?

Einen weiteren Factor höheren Einflusses bilden die gottgeordneten Verhält-nisse der Eltern, ihr Vermögens- oder Bildungsstand, ihre Führungen und Erlebnissebis auf die Zeitereignisse hinaus, die oft mächtig in Herz und Sinn der Jugend cin-greifen. Man denke nur z. B. an die französische Revolution, an die ErniedrigungDeutschlands unter der Franzoscnherrschaft und seine Wiedercrhebung in den Freiheits-kriegen, an den neuesten Siegeszug desselben gegen den bösen Nachbar mit seinen gewal-tigen, auch das innerste Leben berührenden Erscheinungen, an das Fortschrcitcn der Gott-losigkeit in Grundsätzen nnd im praktischen Leben, an den „Schwindelhabcr, Dippelhabcr,"den der Teufel überall in die geistige Nahrung des Volkes mengt und der seinen dämo-nisch betäubenden Einfluß auch schon auf die Jugend ausübt. Damit steht in Zusam-menhang der Einfluß, den die gesellige Berührung mit Altersgenossen inSchulen und im freien Umgang bewirkt. Wer, und wäre er der sorgfältigste Vater oderErzieher, kann das alles bemessen und beherrschen? Man lernt den Mächten gegenüber,die auf Sinn und Leben der Kinder schon im früheren und mehr noch im späterenJugendaltcr einwirkcn, mit zunehmender Erfahrung von der Allmacht der Erziehungimmer bescheidener denken. Je gewaltiger aber die angedeutetcn Mächte sind, die unsereKinder beeinflussen, und je ohnmächtiger Eltern und Erzieher vielfach denselben gcgen-überstehcn, desto richtiger ist es, die Macht der Mächte, die Macht des lebendigen Gottesin eine gnädige Mitwirkung an unserer Arbeit zu ziehen. Wir denken dabei an das