Taufe.
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Tag erstarkt. Das ist wiederum Thatsache, ist reine und unumstößliche Erfahrung:gleichwohl kommt die empirische Psychologie auch auf diese nicht, weil sie grundsätzlichgerade von dem abstrahirt, was den Menschen zum Christen macht und was die Vor-aussetzung für solche Erfahrung ist: das persönliche Eingegangcnsein in jene Idealweltder christlichen Offenbarung, die sich eben nur in denen als Realität ausweist und zurRealität macht, die sich mit persönlicher Willigkeit ihr öffnen; wer dieses innerste Gebietdes geistigen Lebens, dieses Hciligthum nur von ferne, wie der Astronom mit dem Telcscop,oder nur von außen, wie der Anatom mit dem Mikroscop untersuchen will, ohne daßzuallererst in ihm selbst solch ein Leben aus Gott und in Gott begonnen hätte: demergeht es wie den hochwciscn Thoren, die, weil sie den ganzen Himmelsraum durch-forschen und keinen Gott finden, weil sie des Menschen Leichnam zergliedern und keineSeele entdecken, darauf hin die Existenz Gottes, die Existenz der Seele leugnen.
Und damit sind wir auf einem nur scheinbaren Umweg an unsrem Hauptgcgenstandwieder angelangt. Denn diese Ideen, deren die plumpe Faust nirgends habhaft wird,weil sie nicht wie Milz und Leber sich anfassen und herumzeigcn lassen, die vielmehrunsichtbar, aber dem Glauben gewiß und klar über dem Menschen schweben — sie ebensind cs, die in der christlichen Taufe, speciell in der Kindcrtaufe ihren aus des HerrnWort stammenden, symbolisch-schönen Ausdruck finden. Mit ihr bekennen wir es undder Herr als Stifter dieses Sacraments hat cs besiegelt: 1) Auch das Kind ist nichtgering geachtet in Gottes Augen, ist nicht ein bloßes Exemplar der Gattung Mensch,sondern seine Bestimmung ist das Himmelreich (Marc. 10, 14). 2) Aber so wie esgeboren ist, Fleisch vom Fleisch, wird es diese Bestimmung nicht erreichen; bliebe cs sichselbst überlassen oder würde nur menschliche ErzichungSkunst an ihm sich versuchen, sowürde die Macht der Sünde, wie wir erfahrungsmäßig als ein Erbthcil menschlicher Natur siekennen (s. d. Art. Erbsünde), jene Bestimmung vereiteln. 3) Gott aber thut auchdiesem Kinde seinen Gnadenschatz auf und läßt ihm aus Christi Fülle ein Leben zusließen,das als Kraft aus der Höhe, als heiliger Geist jene Sündenmacht zu überwindenvermag. Und deshalb bleiben wir nicht dabei stehen, in der Taufe nur die Geburt desKindes zu feiern — wir feiern seine Wiedergeburt (Tit. 3, 5), und der Taufname, derzum ererbten Familiennamen hiuzukommt, ist ihm lebenslänglich ein Zeuge dieses seineszweiten Lcbcnsanfangs. Wie nun zu diesem doch wesentlich inneren Vorgang der äußereAct des Laufens, und der sichtbare, handgreifliche Stoff, der dazu verwendet wird, dasTaufwasser, sich verhalte, darüber werden die Ansichten immer in denselben entgegen-gesetzten Richtungen auscinandergehen, wie in andern ähnlichen Fragen. Diejenigen,für deren Glauben cs Bedürfnis ist, im äußeren religiösen Act, weil er vom Herrngestiftet ist, ein durch die Kraft seines Stiftungswortcs geschehendes Wunder zu sehen,das eigentlich keiner menschlichen, psychologischen Vermittlung bedarf, knüpfen an denTaufact als solchen nicht nur die Wiedergeburt im Vollsiun des Wortes, sondern dasganze christliche Heil überhaupt, und es ist nur eine vom menschlichen Gefühl abgedrungeneJnconsequenz, wenn von diesem Standpunct aus dennoch den ungetanst gestorbenenKindern die Seligkeit nicht abgcsprochen wird. Es wird dann (s. z. B. die Ausführungvon Wangemann: Biblisches Hand- und Hülfsbuch zu Luthers kl. Kat., 4. Ausl. Berlin1870, S. 528, 537) von der Sacramentsgnade noch die Sacramentsgabe unterschieden;während crstcre in der Vergebung der Sünden, Wiedergeburt, Einsetzung in das Kindes-recht bei Gott besteht, besteht die Gabe eben in dem durchs Wort geheiligten — oder,wie Luther es einmal genannt hat, „durchgotteten" Wasser. > Die Aufgabe freilich, letztereBehauptung, ja überhaupt eine dogmatische Aussage über das Wasser, statt über dieHandlung, aus der Schrift zu beweisen, hat weder Luther noch sonst jemand gelöst,und wenn wir cs psychologisch immerhin erklärbar finden, daß Glaubcnsdrang undPietät auch solchem Stoff eine heilige Scheu, eine gcwiße Devotion zuwcnden, so darfdoch nicht übersehen werden, daß sich an diesem Puncte leicht und unmerklich auch derAberglaube an die Taufe ansetzt, dem dann eben nicht mehr die Handlung, sondern nur