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Taubstummenbildung.
dagogik I, S. 294) eine weit größere Mannigfaltigkeit von Anstalten zur Bildungvon Taubstummen fordert, als solche bisher gefunden wird, verschieden nach denLebensaltern, den Anlagen, den Lebens- und Berufskreisen, so hat er darin vollständigRecht. Jencke ist mit einer Anstalt für besonders schwach beanlagte Taubstumme, dieer von dem Dresdener Institut abgezweigt und nach dem nahegelegenen Dorfe Plauengelegt hat, vorgegangen (s. Hill S. 211). Besondere Anstalten für Taubstumme höhererLebcuskreisc sollten sich doch Wohl reutiren. Indes bei dem jetzigen Zustande des Tanb-stummcnbildungswesens, welchem Hill einen lehrreichen Spiegel vorhält, ist zunächst an solcheScheidungen in größerem Maßstabe schwerlich zu denken, weshalb wir diese Verschieden-heiten bereits innerhalb der bestehenden Anstalten mehr berücksichtigt sehen möchten. Sohat Sägcrt (S. 41) eine Selecta mit höherem Ziele in seiner Anstalt. Es gicbt einengewißen Grad der Bildung, dessen Erreichung allen taubstummen Schülern zugestchertwerden kann, vorausgesetzt, daß bei der Aufnahme in die Anstalt alle blödsinnigen, dienicht allein bei dem Mangel von Jdiotcnanstalten, sondern noch häufiger bei derIgnoranz der Zeugnis ausstellenden Aerzte so oft hieher gebracht werden, und alle vonvornchereiu als gänzlich unbildsam erkannten zurückgewiesen werden. Ich möchte denselbendahin bestimmen, daß der Taubstumme schreiben, rechnen, Gedrucktes und Geschriebeneslesen und Schriftstücke verfassen lernt, wie sic das gewöhnliche und speciell das ihnerwartende Leben fordert; daß er ferner die nothwendigsten Religionskenntnisse erhält,zu Gott beten und ihn fürchten lernt; daß ihm der Kreis von Anschauungen und Vor-stellungen zugcführt wird, die ihm das Leben in der Familie und in der engeren Heimatnothwendig macht, und daß er die nothwendigsten derselben ausdrückcn lernt, wenn nichtdurch Articulation, doch durch natürliche Geberde und Schrift. Ein so beschränkterGrad der Bildung dürfte in gut organisirten Anstalten binnen vier Jahren erreichtwerden können, wenigstens vermag binnen dieser Frist ein tüchtiger Taubstummeulehrerzur vollständigen Erkenntnis der Bildungsfähigkeit seiner Schüler zu gelangen. Daspariser Institut erreicht diesen Grad in einem Elementarcurs von vier Jahren undentläßt dann die minder fähigen und ärmeren zur Erlernung einer Profession untertüchtigen Meistern innerhalb der Anstalt — Lithographen, Buchbinder, Holzschneider,Tischler, Schuster — auf drei weitere Jahre, während deren sie der Disciplin der Anstalt nochferner unterstehen, an deren Religionsübungen sich bctheiligen und das von ihrem BernsErforderliche im schriftlichen Gedankenausdruck weiter üben. Wir würden eine solche Fürsorgefür diese Classe der Taubstummen, die auch in dem Institut zu Schleswig gefundenwird, der Fortsetzung eines systematischen Unterrichts vorzichen, der in Paris den be-fähigteren Schülern und denen aus höheren Lebenskreisen während der gleichen drei-jährigen Zeit zu Theil wird. Wenn irgendwo, so gilt bei der Taubstummenbildung derGrundsatz: non solwl-w sock vitus: der Spruch sollte mit riesengroßen Lettern in jedemLehrzimmcr ungeschrieben stehen und den Lehrer in jedem Augenblicke mahnen, sich rück-sichtlich des Stoffes auf das Nothwendigste zu beschränken und so direet wie möglichauf die Hauptsache loszugehen. Hill giebt S. 150 vortreffliche Nathschlägc. Diegewöhnlichen Einrichtungen der Volksschulen für die Vollfinnigen dürfen nicht maßgebendsein, vor allem nicht das Classcnsystem nach Lebensjahrgängen, welches auch in jenen sooft nur um der Raugstreitigkeit der Lehrer festgehalten wird und um der Eitelkeit, mitSchülern glänzen zu wollen. Während z. B. das s^stsms äo rotntion d. h. die Ueber-weisung von Schülerclassen an einen Lehrer auf mehrere Jahre in den Volksschulen vor-theilhaft zu wirken vermag, ist in Taubstummenschulen die Einführung desselben eintotaler Misgriff, weil damit alle Vortheile aufgegcbcn werden, welche hier gerade ansder Einwirkung vieler Lehrer auf jeden Schüler resultiren (vgl. Hill S. 163). Undsucht man für das vollsinnige Kind höherer Lebenskreise schon bei dem ersten Unterricht nichtohne Berechtigung eine andere Genossenschaft, als die gewöhnliche Volksschule bietet, sobedarf das vicrsinnige einer solchen Rücksichtnahme noch weit eher; das größte Unrechtaber geschieht ibm, wenn man es, das in seinem Unglücke von Jugend auf besonderer