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9 (1873) Spanien - Vives
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Taubstummcnbildung.

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(S. 28) fand von 177 noch lebenden früheren Schülern des Eamberger Instituts nurnoch 56, die sich der Lautsprachc gut oder ziemlich gut bedienten, und der CobleuzerBericht führt 12 von 69 früheren Zöglingen der Taubstummenschule in Kempen und 6von 37 derer zu Mors auf als solche, welche fick ausschließlich oder fast ausschließlichund 23 resp. 9, welche sich vorwiegend der Lautsprache im späteren Leben »och bedienten,Hill S, 132 und 145 wie Rößler S, 12 müßen cingestehen, daß allerdings die Leistungender meisten norddeutschen Anstalten wie im allgemeinen für's Leben unzureichend, so imVerständnis und Gebrauch der Lautsprache meist ungenügend sind.

Wenn nun selbst Hill S. 15 und 42 erklären muß, daß die Befähigung des Taubstummenzum mündlichen Ausdruck, zum schnellen und sicheren Verkehre mit andern stets eine sehr-beschränkte sei und daß die Lautsprache des Taubstummen immer unvollkommen bleibe,so dürfte doch wohl die Frage zulässig sein, ob das Hicl des Taubstummenunterrichts,welches die deutsche Schule in den selbständigen Gebrauch der Lautsprachc im Verkehrmit andern setzt, als ein generelles beizubehalten und nicht vielmehr auf die dazu kör-perlich und geistig gnalificirten zu beschränken sei. Denn rücksichtlich der geistigen An-lagen giebt cs bei den Taubstummen mindestens eben so große Verschiedenheiten wie beiden Vollsinnigen. Kuh weiß bei Hill S. 212 das „ungemein häufige Vorkommen ver-kümmerter intellectueller Kräfte bei Taubstummen" auf seine natürlichen Gründe zurück-znführen; Meckel ermittelte unter 381 in der Camberger Anstalt gebildeten Taubstummennur 25 sehr gut und 151 gut beanlagte. Die Verschiedenheit der körperlichen Anlagenaber zeigt sich theils in der dem Taubstummen zur Ausbildung absolut erforderlichen Sehkraft— Meckel fand nicht wenige kurzsichtig oder sonst augcnleidend; der Fall vereinter Blind-heit und Taubstummheit ist gottlob! nur äußerst selten (freimüthige Jahrbücher IX, S. 257),schließt aber an sich die Ausbildung nicht aus (vgl. Burdach, Blicke in's Leben III.S. 12—97) — theils in der Stimme, die selten Wehlklang hat, viel häufiger klang-los und unverständlich, kreischend und geradezu widerlich anzuhören ist, und nicht etwabloß in der Zeit der Mutation, (welche sich bei dem Taubstummen überhaupt nicht soleicht wie bei dem Hörenden macht —), theils und hauptsächlich in dem verschiedenenGrade der Taubheit, von welcher die größere oder geringere Befähigung zur Lautsprachebedingt wird. Es giebt Taubstumme, welche die Vocale oder einzelne ihnen laut vor-gesprochene Wörter hören, bei heiterem Wetter und trockener reiner Luft am besten; anderevernehmen noch einen mit großer Kraft hervorgebrachten starken Schall. Meckel fandvon den ersteren nur 75, von den zweiten nur 70 unter 381 taubstummen Schülern,die übrigen 236 ermangelten jeder Spur von Gehörfähigkeit. Ein Taubstummer mitSchallgehör oder mit Vocalgehör ist für die Lautsprache viel bildungsfähiger. Auch dcrKlang seiner Stimme wird wie bei denen, die ihr Gehör erst verloren, nachdem sie schonzusammenhängend gesprochen, angenehmer sein. Dazu kommt, daß als Taubstumme inden meisten Anstalten auch alle diejenigen ausgenommen werden, welche bloß wegengroßer Schwerhörigkeit die Sprache nicht auf dem gewöhnlichen Wege erlernen können,derjenigen nicht zu gedenken, welche wegen Misbildung der Sprachwerkzeuge nickt odernur unvollkommen sprechen.

Allen diesen für den Gebrauch der Lautsprachc so verschieden beanlagtcn Taubstummensollte unseres Erachtens die Erwerbung derselben zum selbständigen Gebrauche nichtals Ziel des Unterrichts gleichmäßig hingestcllt werden, sondern nur einer Auswahl vongut beanlagtcn, geistig regsamen, mit gesunden Sprachorganen, wohllautender Stimme,mit gesundem Auge und Gefühl ausgerüsteten Schülern, besonders auch von solchen,die durch ihre Lebensstellung in den Stand gesetzt werden, das erreichte Ziel wirtlichzu verwcrthen und weiter zu verfolgen. Auch Houdin (s. oben) kann die Functionund die Fähigkeit des articulirten Worts und die Kunst, von den Lippen der Sprechen-den zu lesen, nur solchen Taubstummen versprechen, die eine ungetrübte Intelligenz, richtigeSehkraft, gesunde sensitive Nerven und richtig geformten Stimmapparat besitzen, wie stark-gradig, alt und incurabel auch ihre Taubheit sein möge. Wenn Stoy (Encyklopädie der Pa-