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9 (1873) Spanien - Vives
Entstehung
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Taubstummenbildung.

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von dem Taubstummen in Anspruch genommen werden, gestalten fick in ihm zu blei-benden Eigenschaften; er gelangt auch durch die Lautsprache am sichersten zum Gebrauchder Schriftsprache und zur Fähigkeit des Lesens. Soll aber die Lautsprache im Taub-stummenunterricht gelernt werden, so kann das nur geschehen, wenn dieselbe ausschließlichoder vorwiegend als Lebrform angewendet wird. Künstliche Geberdcnsprache und Laut-sprache können neben einander als Lehrform bei denselben Individuen nicht bestehen.In dieser Hinsicht ist ein Elekticismus aus beiden Schulen nicht möglich. Wohl aberhat die französische Schule nicht mehr die Lantsprache als Ziel des Unterrichts ganzverworfen. Uobiun munnol ck'onsei^nomont prntigus äss souräs muots (Paris 1827)theilt sogar eine von de l'Epoe selbst entworfene Anleitung zur Erlernung derselben mitund Houdin in Paris hat seit 1855 laut Berichten der französischen Akademie seineSchüler befähigt, vom Munde abzulesen und verständlich zu sprechen. Bei der Reor-ganisation des pariser Instituts 1859 ist die Articnlation und das Absehen desWorts vom Munde ausdrücklich in das Programm ausgenommen worden mit denWorten: tous los ölovos äoues cko I'aptituäo nooossniro npxronnont I'nrtioulntion ot lnleotnro äe ln pnrolo snr los lovros. Un soin tont spöolnl ost äonno ü. oot onsoig'iiviuont,gut äoit lour tournir un mo^on ooinmocko ä'ontrsr on rolntions nvoo los pnrlnnts.Ebenso wenig verwirft das wiener Institut die Articnlation, setzt sie nur nicht alsZiel für alle Zöglinge und bedient sich derselben auch nicht als einziger Lehrform.Natürliche Geberde, Articnlation, Schriftsprache vereint bilden ihm den Weg zumgeistigen Leben der Taubstummen.

So lange die natürliche Geberdcnsprache sich in der Sphäre des sinnlich Warnehmbarenhält, wird sie von der deutschen Schule nicht mehr verworfen. Ist sie doch anfangs daseinzige Mittel der Verständigung zwischen Lehrer und Schüler. Die Natur führt denTaubstummen zum Gebrauche sichtbarer Zeichen als Verständigungsmittel; ihm wirddie Geberdcnsprache, ohnehin für jeden Menschen auf seinen: Lebenswege das erste undletzte Mittel der Verständigung mit seiner Umgebung, zur Muttersprache und er läßtvon ihr in seinem ganzen Leben nicht; welche Strafen man auch in den Schulen aufden Gebrauch derselben setzen mag, wo er sich unbemerkt sieht, flieht er zu der gewohn-ten Ausdrucksweise; hat er auch sprechen gelernt, es dürfte die Zahl der Taubstummensehr gering sein, die darauf ganz verzichteten, ihre Gedanken, Absichten und Wünschedurch die Geberde anszudrückcn. Er kommt auch in der Regel damit viel leichter zumZiel, weil die wenigsten Menschen Zeit, Geduld und Fähigkeit besitzen, zu ihm mit un-verwandt zugekehrtem Antlitz langsam, scharf markirt, mit genauer Ausprägung der jedenLaut begleitenden Mnndstellnngen zu sprechen, abgesehen davon, daß die im Unterrichtgelernte Sprache so oft nicht diejenige der Volkskreise ist, denen er von Geburt angehörtund mit welchen er nach Erreichung seiner bürgerlichen Brauchbarkeit in Berührungkommt. Darum nimmt die deutsche Schule die natürliche Mimik in ihren Dienst undnicht allein als den ersten Beriihrungs- und Anknüpfuugspunct zur Unterweisung, sondernals stete Beihülfe. Es giebt Begriffe, die schlechterdings ohne Hülfe mimischer Bezeich-nung dem Taubstummen nicht bcizubringen sind. Namentlich im Religionsunterrichteund überall, wo cs neben dem Erkennen auch auf Gemüths- und Wiüenscrregungabgesehen wird, ist sic unentbehrlich (vgl. Hill S. 93). Die von Wenzl Frost in Prag1865) gegründete Schule bedient sich sogar beim Religionsunterricht ausschließlichder Geberdcnsprache, während sie für den übrige» Unterricht die Anwendung der Wort-sprache verlangt (vgl. Hill S. 114). Die methodische Consequenz, die Geberdcnspracheunter allen Umständen fallen zu lassen und auch nicht bei dem Schüler zu dulden, istdemnach als eine pädagogische Verirrung aufgegeben, zumal bei der Erfahrung, daßdieselbe so oft ein leichtes und unschädliches Mittel ist, dem Taubstummen das Unterrichts-material reichlich und schnell zuzuführen und den Kreis seiner Vorstellungen und Gedankenzu erweitern. Das Element der natürlichen Mimik liegt im Auge, im Ausdruck derMienen, in der lebendigen Bewegung der Hände. Der auffallendste Zug au einem Gegen-