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9 (1873) Spanien - Vives
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Tanzen.

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seine Bajaderen oder Tempcltänzcrinncn. Aus Vordcrasicn kamen solche Tempel-Tän-zerinnen, die in den üppigsten Verschlingungen und Gcbcrdcn Tänze aufführtcn, nachGriechenland. Doch waren da schon zu Homers Zeit Tänze und mimische Darstellungennach Gastmählcrn gewöhnlich, wie denn vornehme Jünglinge bei den Phäaken vorOdysseus Tänze aufführtcn. Bei roheren Völkern spiegelt sich auch ihre Weise inihren Tänzen ab. Da sind die Waffentänzc unserer germanischen Jünglinge, die Thier-tänze (die Makak-, Tukan-, Tapir-, Büffel-, Bären-, Ententänze) der nordamerikanischcnIndianer bis zu den wilden Kriegstänzen der Neuseeländer und den wildsinnlichcnTänzen, mit denen die Neger oft ganze Nächte durchleben.

Auch in der christlichen Kirche fand der Tanz Eingang, zuerst an den Gcdächtnis-tagen der Märtyrer, später auch sonstiger Heiligen und bei kirchlichen Freudenfesten.Die mit Tänzen verbundenen Maskeraden an Fastnacht, am Frohnleichnams- und Vitns-fcfte (woher der Name Veitstanz) in der römisch-katholischen Kirche sind heute nochZeugen, wie tief der Tanz sich in das gottesdienstliche Leben der alten Kirche verschlungenhatte. In der Gegend von Aachen ist bis in die neuste Zeit herein noch ein kirchlicherTanz üblich gewesen. In allen christlichen Kirchen unseres deutschen Vaterlandes warin den früheren Zeiten (nach Schuegraf über das Tanzen der Deutschen) ein erhabenerOrt, dem man den Namen des Chors (xoyo's, Tanz, auch Tanzplatz) gab; er war vonden übrigen Thcilen der Kirche abgesondert und fast wie ein Theater gebaut. Die Priestertanzten auf demselben am Sonntag und an jedem hohen Festtage. Jedes kirchliche Ge-heimnis, jedes Fest hatte, wie seine besonderen Hymnen, so seine besonderen Tänze.Die eifrigsten und tugendhaftesten Christen versammelten sich daher des Nachts vor denKirchthüren in den Vigilien hoher Feste, sangen Lieder und tanzten. Doch dürfenwir dabei nicht an unsere hüpfenden, wirbelnden Tänze denken. Jene kirchlichen Tänzewaren mehr mimischer Art, eine Vorstellung geistlicher Begebenheiten, sowohl tragischerals freudiger, z. B. der Geschichte von der Hcrodias und dem Täufer Johannes, derLeiden des armen Lazarus, der klugen Jungfrauen re. Im 14. und 15. Jahrhundertentwickelte sich aus dem Geißlcrwcscn in einigen Städten am Rhein ein Neigen, vonTänzern aufgeführt, (oüorlsnntss, äunsntorss), der nach und nach wie eine Epidemieum sich griff und gegen die man in Straßburgsden heiligen Vitus (Veit) anrief.Amerika hat noch Secten, die den Tanz in ihren Gottesdienst cinflechten, z. B. die ausWürttemberg eingewanderte Rappische Gesellschaft Economy. Namentlich wurden in denalten Zeiten die Kirchweihtage unter andern Lustbarkeiten auch mit Tänzen gefeiert.Doch arteten namentlich diese mehr und mehr in wilde Bacchanalien ans und wurdenschon unter Bonifacius aus den Kirchen entfernt, um bald neben den Kirchen sichaufzuthun. Wie tief aber diese Dinge im Fleisch der Kirche saßen, bezeugen die heutenoch vielfach in Deutschland bestehenden Kirchweihtänze, die sich in manchen Gegenden,z. B. im bayrischen Untcrfrankcn, unter manchen nicht unlieblichcn Formen am Kirch-weihsonntag fast an den Festgottcsdienst anzuschließcn pflegen.

Im ganzen zeigt sich auch bei dieser Kunst, in welcher der Mensch seinen eigenenLeib zum Stoff einer mehr oder weniger künstlerischen Darstellung hergiebt, derselbeGang, wie er bei den übrigen Künsten gewesen: sie war anfangs im Dienst der Religionund Kirche, hat sich aber mehr und mehr davon cmancipirt und verweltlicht. Bis gegendas 15. Jahrhundert waren die Tänze in wilde, wüste Lustbarkeiten ausgeartet. Vonda an hoben sie sich wieder, besonders gepflegt an den Höfen der Fürsten und in denfreien Reichsstädten, die auch sonst Sitze der Künste und Wissenschaften waren. DieTänze blieben zwar da von der Kirche abgclöst, trugen aber den Charakter der Ehrbarkeitund standen unter genauer Aufsicht der Obrigkeit. Die Tänzer erschienen dabei imMantel, die Tänzerinnen in langen, die ganze Gestalt verhüllenden Gewändern.Tanzohne Mantel mit Verdrehen" war noch im Jahr 1625 in Regcnsbnrg ein strafbaresVergehen und noch 1709 hat daselbstEin Wohl Edler, Hoch- und Wohlweiser HerrStadt-Cammerer und Rath mit sonderbarem Mißfallen vernehmen müßen: was maßen