Sturm.
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Ucbcrsiedlung nach Paris, einige der dortigen Humanisten, insbesondere Martin Bncerund Caspar Hedion, in ihren Schulen kennen gelernt hatte, stndirtc in Paris ans Empfehlungeines beiderseitigen Freundes, des Ludwig Carinus, die reformatorischcn Schriften Bucersund wurde jetzt der Kirchenreform selbst aus innerster Uebcrzeugung und so von Herzenzugethan, daß er kein Opfer an Zeit und Geld für dieselbe zu bringen scheute und denmehrmals hart bedrängten Anhängern der Reformation durch seinen Einfluß und seinAnsehen die besten Dienste leistete. Im I. 1533 trat er mit Bncer über diese Ange-legenheit in eine Korrespondenz, aus der uns Strobel (S. 106 ffg.) einige Briefe mit-theilt, die zur Würdigung von Sturms eifrigem Bemühen für die Sache der Kirchen-reform dienen und die Reinheit seiner Gesinnung im besten Licht erscheinen lassen (vgl-S. 115: Itingns testis ost miiiivaus uostor, nilüt nliuci nw spsoturo gnnm blvnng-oliixroArössns). Große Hoffnung setzte dabei Sturm, zumal da im I. 1534 der Königselbst Verbesserungen nicht abgeneigt schien, aus eine Unterredung, die zwischen den deutschenReformatoren Mclanchthon, Bncer, Hedion einerseits und dem Könige andererseits inParis stattfinden sollte. Im Aufträge des Bischofs und des Königs selbst wandte er sichmit den dringendsten Bitten an die Genannten; jedoch umsonst: theils Mistraucn in dieAbsichten des Königs, theils Beharrlichkeit bis zum Eigensinne bei verschiedener Auf-fassung gewißer Dogmen ließen das Einigungswerk nicht zu Stande kommen, für dasSturm, Cardinal Bellay u. a. sich begeistert hatten und sogar den König schon gewonnenglaubten. Durch maßloses Vorgehen und eine von Sturm am wenigsten gebilligte Ucber-stürzung der Protestanten in Paris wurde der König wieder umgestimmt, die Sorbonneließ es nicht fehlen das Ihrige zu thnn und die grausamsten Verfolgungen, die man1533 hatte einstcllen müßen, begannen von neuem. Auch Sturm, der durchaus nichtzu den Zeloten gehörte, aber als einflußreicher und gcsinnungstüchtiger Mann sowie alsgeschickter Vermittler und Unterhändler gefürchtet wurde, befand sich mehrmals in dergrößten Gefahr (s. die bei Strobel abgedruckten Briefe Sturms 106—116). Da erhielter (1536) durch seinen Freund Bncer aus Straßburg die Nachricht von seiner Ernennungzum Dirigenten einer daselbst neu zu organisirenden Gelehrtenschule. Er nahm die Be-rufung an und begab sich in der ersten Woche des folgenden Jahres an den Ort seiner' nachhaltigsten Wirksamkeit.
Das Schul- und Unterrichtswescn, wie es unmittelbar vor und bei Sturms Ankunftin Straßburg bestand, auch die kirchlichen und sittlichen Zustände der Stadt waren nachden Angaben bei Melch. Junius, Boecler, Sebitz und den Schilderungen von StrobelS. 1 ff., v. Raumer I. 258 ff. und Schmidt (in via äs Ltnrm S. 18—31) für einentüchtigen Reformator der Schule nichts weniger als ungünstig, der Boden war fürdie Saat wohlvorbereitet und dankbar. Schon gegen Ende des 15. Jahrh. waren dieStrahlen der neubelebten Wissenschaft auch nach Straßbnrg gedrungen, mittelalterlicherObscurantismus und scholastischer Aberwitz mit seinen barbarischen Formen genügten nichtmehr; und mag auch gerade damals die „sittlich-religiöse Verwilderung" in dieser Stadteinen hohen Grad erreicht haben, so ist doch nicht zu leugnen, daß die Straßburgersich einen recht gesunden Sinn und Verstand bewahrt hatten, als sie im folgenden Jahr-hundert die Reform des Dogma's und des Cultus mit so maßhaltcnder Ruhe und einerSicherheit vollzogen, wie dies kaum anderswo der Fall war, wo doch nicht, wie inStraßburg, die verschiedensten Einflüsse^von drei Ländern her sich geltend machten. Mitdieser Reform der Kirche hielt aber die der Schule beinahe gleichen Schritt. Nachdemdie Ausführung eines Vorschlags und Planes zu einer höheren Schule, den der gelehrteWimpheling auf Geiler's Betreiben bereits 1501 den: Magistrat vorgelegt hatte, ausMangel an den nöthigen Geldmitteln gescheitert war, verlangten im I. 1524 die Pre-diger, daß wenigstens Elementarschulen in den leerstehenden Klostergebändcn sofort er-richtet und die Lehrer aus dem Kirchenvermögen bezahlt würden. Als auch diesemVerlangen nicht sogleich entsprochen werden konnte, sah man bald — so dringend wardas Bedürfnis in der Stadt — eine große Zahl von einzelnen Privaten, die nur irgend