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3 (1862) Göthe - Kindsmädchen
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Äinbcrgtaube.

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Se&enSgeBiete bie Siegel in ©eltung, baß rtidfjt'S öerfrü^t, nidjtd forcirt werben barf,fonbern aud) jene SBedung bed nod) fdjtummernben 33ebürfniffcS mit ber natiirlidjen(Entfaltung bed langfam aud ber Unntiinbigfeit fid) ljeraudarbeitenben fiinbedgeifted inrichtiger tproßortion fteljen muß. Sßel;altcn Wir biefed 3wicfac6e feft im 2tuge, fo wirbgotgenbed bem wirftidjen ©adjoerfyatt entsprechen. Sad religiöfe SebürfniS in feinemSofien Umfange, wie ed namenttid) im ßufammenljange mit einer Boflftänbig entwidelten®ewiffcndtt)ätigfeit, atfo mit einer tieferen ©ünbenerlenntnid fid; geftaltet unb auf bie=fern 333ege atd 33ebürfniS göttlicher Vergebung, genauer atd SSebürfnid eined gottmenfd)=Iid)en (Erlöferd unb fomit einer Wettgefdjidjttidjen |jeitdoffenbarung fühlbar Wirb, ift imEtinbedatter factifd) nod) uitfjt oorljanben; bie ©ünbeuangft, bad ©freien um ©nabe,bad ber ÜDletfycbidmud bei Änöblein unb SDlägblein juwege bringt, ift gerabe ein 35e=Weid gegen bad Wirflid)e tBortjanbenfein Solcher ®efül)le. Safyer fann beim aud), wennman ftreng beobachtet unb unterfdjeibet, uicfjt mitgng gefagt werben, bie ,jpeildgefd)id)teunb bad hierauf gebaute Sogma entfpredje unmittelbar einem im Äinbe fd)en Borljan»benen, fpecififd) religiöfen SSebürfniffe, unb bed Äinbed ©taube fei eben bie SBirfungbiefed Sntfpredjend, bad jmifdjen ber bibtifdjen unb tird)lidjcn Sehre einerfeitd unb jenemreligiöfen Söebürfnid anbverfeitd ftattfinbe. 5Bielmel)r, Wad itjm gefagt wirb Bonber 23ibet atd ©otted 393ort, Bon bem SSert'etjr ©otted mit ben biblifdjen -ßerfonen, Bonber jjmljrung bed SSotted Sdraet unb ben wunberbareu Singen, bie fid) baran Inüpfen;Wad iljm gefagt Wirb Born |)eitanbe, Bon feiner ©eburt, feinen SBunbern, feinem Sobunb feiner 3tuferftet)ung ec., bad nimmt bad Slinb auf Sreit unb ©tauben, atfo aufütucto*ritat uorerft unbebeuttid) f)in; Weit ed fielet, baff Wir (ErWad)fene baran glauben, baß Wirunfern Sr oft unb ^rieben barin finben, fo nimmt ed auf unfer 393ort unb 3 eu 3 n '8 l)iubiefetben feieren als 333ahrf;eit an, wie ed audj bieStudfage Bon einer allgemeinen ©iinb*haftigleit unb tiefen ÜSerborbenljeit ber menfdjlidjen Statur, wenn ed aud) in einjetneuMomenten eine perfönliclje (Empfinbung oon ber 2S'at)rf)eit berfetben gewinnt, bod) imafigemeineit ebenfaßd atd watyr hinnimmt, weit (Ettern unb Seljrer ed fagen. (Ed iftatfo äunädjft ber ©taube an unfern ©tauben, auf bem für bad Äiitb ber religiöfe©taube in obiger SSejie^ung rut)t. Sad aber ift ein ganj naturgemäßed 33ert)ättnid;muß bod) jebed Äiub eine SÜlenge Singe, aud) and beut Greife bed aßtägtidjen Sehend,ganj ebenfo aufSreu unb ©tauben l)innet)meu, et)e cd fie ßerföntid) tennen lernen fann;aber man ttjeitt fie it)in Borger fdjon nad) SJlaßgabe feiner gaffungdfraft unb feined Sntereffedmit, bamit ed ju feiner 3^1 um fdjueßer unb Sicherer fid) in biefetbc finbe. Unbfetbft mit ber fitt!id)en (Erfenntnid Bertjält ed fid) nicht anberd; Bon fetjr sietem glaubtbad Äinb nur barum, baß ed gut, baß ed böfe ift, weit ber (Erjietjer ed it)m atd fot=d)ed prabicirt, WieWotjt atterbingd ber abfotute ©egenfafj Bon gut unb böfe reinformeß, atfo abgefeljen uon ber grage: wetd)e Singe gut, Wetd)e böfe feien im©eifte bed Siubed fetber Biet früher fid) gettenb madjt, atd ein fpecififch retigiöfer Srieb. Snbeffen t)at jener objectiBe 3nt)att ber Sletigion, bie £)ffeubarungdgefd)id)te unb biean fie fid) tniipfenbeu retigiöfen ÜSorfteßungen nod) eine befonbere ©eite, burdj Wetdjefie bem geiftigen Sebeu bed Äinbed fid) atd Siafyrung barbicten unb eine nid)t geringe2lnjiel)ungd!raft auf baSfetbe audiiben. Sad Srandcenbente unb SSunberbare, badfeiner Slatur nad) BerWanbt ift mit bem fßoetifdjen, faßt bad $inb an feiner (Sinbit=bungdfraft an; biefe erfreut fich baran, fie finbet ed fo fdjön, baß ber fpeilanb miteinem einigen SCBorte Sranfe gel;eilt, Sobte aufertoeeft, Witte SReeredwogen geglättetfiat, unb baß berfelbe ©ottedfotju bie Äinbtein tjerjete unb fegnete. 3n biefem 2Bot)t=gefallen an bem Ueberirbifdjen unb SEßunberbareu ift fidjertid) einer ber widjtigften 3tn=tnüpfungdpuncte für ben d)rifttid)=retigiöfen ©tauben gegeben; 3)lenfd)en, benen bieferpoetifd)e 3ug frenib ift, werben fdjwertid) ju einer tebenbigen Steligiofität gefangen.3tber ebenfo wenig bürfen Wir und bariiber tauften, baß fid) oud) barin nod) teinfpecififd)=religiöfed SBebürfnid funb giebt unb baß bie SSißigteit, biefe Singe jweifettodtjinjuneljmen, nod) ftammBerwanbt ift mit jenen poetifdien tinberwünfdien, bie auc^ bad