Druckschrift 
3 (1862) Göthe - Kindsmädchen
Entstehung
Seite
876
Einzelbild herunterladen
 

876

.ftarl bcr ©roßc.

&arl, wie fd;on fein Sater, auf guten Stirdtengefang mit großem 6 ifer t)ieit, Warenbefonbere ©ingfdjuten in SWejg unb ©oiffong eingerid)tet (f. bef. 3 bei er I. 236 ff.,II. Seil. 9fr. LXXV—LXXYII; ogl. and) ben Slrt. ©efang Sb. II. 763 f.). ®a 8für Karl auf Seranftaltung beg fßapfteg £abrian getriebene 2lntiphonar, eines berehrwürbigften ®enfntäler jener ßeit, befinbet fid; nodj in ber Sibliothef beg (Stifts©t. ©allen unb ift Bon bem Sefuiten Santbilotte unter beni ®itel: Antiphonairede St. Gregoire (Brux. 1851) mit reidjhaltigen 6 rläuterungen Ijeraitögegeben worben.

«Daß man auf bem beften SBege War, ein eigentlidjeS Solfgfdjulwefen gu begrün«ben, geigt bie berühmte Serorbnung beg SifdjofS ST^eobutf Bon DrleanS (f 821) anbie Pfarrer feiner SDiocefe, baß fie überall (per villas et vicos) ©djulen galten unbbie ihnen 3 ugefiihrteu mit Siebe aufnehmen unb unterweifen, aber feinen Sofm forbern,fonbern nur freiwillige ©aben ber ©anfbarfeit anne^men feilten (fpeppe 11 ). 68 iftangunehmen, baff aud; anbere Sifdjöfe in biefem ©eifte gefyanbett haben.

2Bie erfreulid) ber 2Iuffd)Wung War, ben bie claffifdjen ©tubien bnrd) Start ben©roßen erhielten, bie bann bnrd) baS gange neunte 3al;tunbert ihren 6 influß be=haupteten, brauet Ijier nur angebeutet gu werben (f. bef. Säl;r in bem oben angefitljr«ten Sßerfe). 68 lag in ber gangen bisherigen SilbuttgSWeife, baß bie lateinifdjenÜDidjter mit Sorliebe gelefen würben unb unter ihnen wieber Sirgil bie htfte Ser«efirung fid) gewibmet fal). Sltcuin War in feiner Sugenb ein leibenfdjaftlidjer SeWun«berer biefeS ®id)ter 8 gewefen unb fudjte bafur im 3liter Wölfl gar bie Sewunberunganberer 311 mäßigen; aber fein 3sgting ©igulf laS ben Älofterfdrittem Bon ®ourg bieSBerfe Sirgilg im oerborgenen. 3Bie aber auch bie Iateinifdjen Ißrofaifer bilbenb wirf«ten,' geigt 6 inf)arb 8 Vita Caroli, bie befanntlid) nach ©uetonS Sorbilbe gefdjrieben ift.«Dag ©tubium be 8 ©riedjifdjen war in ÄarlS ßeitalter fid)erlid) uöd) ein feljr befdjränf«te 8 ;*) aber 6 inharb unb fßaulud ÜDiaconuS waren mit biefer Sprache befannt, unbauch fonft ift nid;t gerabe SDfanget an ©puren, baß griedjifdie ©tubien in jener 3 «tWieber aufgenommen worben. 3Ba8 unter Äart bem Sfaf)Ien fid) enfwiefette, bagu f>attehoch Sfarl ber ©roße ben ©amen audgeftreut.

3Iuf ber anbern ©eite Werben wir aud) bad fperBortreten ber erften umfaffenbetenSBerfe unferer Literatur in gewiffer Segiepung auf Äarl ben ©roßen gurüefführen bürfen.«Die Bon ilpn Beranftaltete (Sammlung alter §elbenlieber ift leiber oerlorcn gegangen;aber ber ^elianb unb Dtfriebd ffirift ^än 3 cn bod) aud) mit ffarlS ©orge für feinegSolfeg ©prad)e unb feinem eifrigen Semühen um richtige Slufflärung unb Senufsungber hl. ©djrift int Unterridjte eng gufantmen. ®aß au 8 ben Sanbfdjaften, bie in einemfaft breißigjäljrigen Äriege ÄarlS §anb fo fdpoer empfunden, aber aud) gugleid) feineWunberbar organifirenbe Äraft erfahren hatten, ein ©ebidjt wie ber Ipelianb h eröor=treten fonnte, ift in jebem gälte ein fefw berebteS 3 ^ugni 8 für ben großen ,fperrfd)er;ba 8 ©elbftgefühl aber, in weldjem Dtfrieb gefd^rieben hat, ber ©folg beg djrifttidjengrauten gegenüber ben ©riechen unb Dfömern, hatte bod> aud) erft burd) ftarld unser«gleid)lid)e Saaten unb ©djöpfungen lebenbig werben fönuen. 3 nbem wir aber fo feinen6 inf(uß auf bie beutfdjen fiemftänmte mit £h e *tnahme betradjten, beruhigen wir undleidjter bei ber äBahrnehmung, baß feine 6 inwirfungen auf bie 9tomanen im ©übengraufreid)d nur fehr geringe gewefen finb (Eauriel I. 240 f.). 3)er ÜRorben granf«reid ;8 I;at fein ©ebäd»tniS oiel treuer bewahrt, unb wie eine fpätere 3 ^>t baSfelbe inftatttid;en 6 popöen erneuert hat, fo ift gerabe audj Ip^ bie 6 rinnerung an ba 8 groß«artige SBirfen ÄarlS für Silbung feiner Sölfer burch Sfetigion unb 2 öiffenfd;aft aufeigentfjiimlidje SBeife in ber 2lnnal;me gum Slugbrud gefommen, baß er ber ©tifter ber

*) 9Iu<b ber Katalog ber Sibtiotbef boit 3)orf in 3ItcuinS ©ebiiht de pontificibus et sanctisecclesiae Eboracensis (f. feeren, @ef<b. beg ©tubiumg ber griechifcheu unb rümifdhen Site«ratur I. 112) enthaft nirgenbd fitfier eine griechifdje ©chrift. Sgl. Sudan SWüffer tut Ißbtlo«logug XV. 3. 478.