Druckschrift 
3 (1862) Göthe - Kindsmädchen
Entstehung
Seite
872
Einzelbild herunterladen
 

872

.Sari bet ©roßc.

religiöfen 33oIfShiIbung ftd> erflärten, *) mie bemt aud) aus biefer ober bet 3unäd)jtfolgenben geit er f te fogeitannte Satedjefe in beutfcijer (Sprache ftatnmt, bie gehn©ebote, baS apoftolifdje unb athanafianifdje SBefenntniS, baS iBaterunfer mit (Srflarung,bie fEobfünben unb eine Abfagung beS Seufets enthaltend 2Bar bie eingeleitete 33e=nujsung bet ?anbeSfprad)en aud) nod) eine feljr befdjräntte — nad) ben Skfd)tüffen »onfftheimS bad)te man junäd)ft nur an bie Belehrung über ben fattjolifdien ©tauben, überAuferftehung unb jiingfteS ©eridjt, über bie einige ©eligteit ber ©Uten unb bie einige33erbammniS ber SBBfen —, fo mar bodt> ein fßrincip anerfannt, baS bie mol)ltbätigftenGonfequenjen haben tonnte, unb fidjer hat aud) fyierju ber Saifer bie Anregung gegeben;er tonnte nidjt mürbiger fein großes 233erf frönen.

Snbem er aber fo bie 3Jtaffen beS SoIfS im Auge hatte, tag eS ihm bod) ftetSmieber am bergen, im engeren Greife gelehrte S3ilbung aud) burd) claffifdje ©tubienju begrünben. 3m ©egenfafce ju bem, maS ©regor ber ©roße auSgefprod)ett batte,baß bie geoffenbarle 2Bal)rheit nid)t an bie Regeln »DonatS gebunben merbeit bürfe, er»ftrebte Sari eine ffteftauration ber ctaffifd^en Satinitat unb, befonberS mit 9tüdfid)t aufbie ©eminnung eines richtigen ©djriftöerftänbniffeS, Qcinrid)tung au<b gried)ifd)er ©tu»bien, unb mit fo lebenbiger perfönlidjer S©b>ethtabmte f baß mol)lthätige Gcinmirfungen auffeine Umgebungen nid)t auSbteiben tonnten. ®S mar in ibrn überhaupt ein feiner ©innfür fd)öne gönn, ber il)u auch ju offener Anerfennung ber auS bem Alterthum erbat»tenen jftefte ber bitbenben Sunft anteitete (cgi. Sintel, ©efdfidjte ber bilbenben Sünftebei ben djriftlidjen 33ölfern, 156 f., 233 f.).

®a legt eS fid) nal)e, im allgemeinen ju betrad)ten, mie Sari mirfte. §ier iftnun bor altem feiner ^Bemühungen 3 U gebenfen, bon allen ©eiten tüdjtige ÜJtänner umfid) 3 U berfammeln. Dganaitt bat nid)t unrecht, menn er fagt: Toutes les provincesde l’Occident coneoururent au grand ouvrage des ecoles carlovingiennes.

®ie erften ©ebülfen für fein SBerf gab ihm Stalien, mo fort unb fort ötefte an»titer SBiffenfdjaft fid) erhalten batten, unb felbft gried)ifd)e ©pradje unb Literatur(namentlich burdj bie bor ben Sfonoflaften geftüdb»teten bpjantinifdjen äJiöndje) befanntgeblieben maren. 9fom batte feine ©djulen, unb als Sart 774 jum erften fötale inbie ©tabt ber Säfaren unb ber fßäpfte eingog, brängten fid) aud) jafdreidje ©d)üler infeine ^Begleitung. ©0 oft er feitbem ötom befud)te, nahm er Seljrmeifter bon bort fürfeine SJöIfer mit.**) Aus fJ3at>ia batte er, gemißermaßen als einen SSeftanbtbeil bertongobarbifdjen SSeute, fßetruS bon fßifa unb fßauluS SiaconuS erhalten. Sener, fd^ortbejahrt, lehrte im föniglidjen fflalafte ©rammatif (mit Srtläruitg lateinifdjer 5Did)ter),biefer mar mit bem ©riedjifdien befannt unb untermies in biefer ©pradje felbft SarlS£od)ter, 9iotrnbiS, meld)e ®emal)lin beS bt) 3 antinifd)en AutofratorS merben foUte. ***)AuS ©panien, roo bie ©cbulen ber d)riftlid)en tBebölferung aud) unter maurifdjer §err=fdf)aft fid) erhielten, tarnen menigftenS mächtige Anregungen burd) ben bort erhobenenaboptianifdjen ©treit, ber ben um Sari berfammelten ©eiehrten ©elegenheit ju fdjarf»finnigen Gcrörterungen gab; aber bieHeidjt ftammte auch ber tBifdjof Sh^ulf non £)r»

*) Fauriel Hist, de la poesie provenqale (Paris 1846) T. I. 234 ff., loo nod) befon»berd bevtiorgeboben mirb, baß tu Abeimd entfdfiebener als felbft in SDiahtj bie Stntoenbung berSanbedfpradfe berlangt toorbeit, in ber Söeife, baß ebenfomobt für bie 23ebitrfniffe ber granfenals ber bie lingua Roraana rustica SRebenben geforgt loorbett fei. 95gt. Barbazan Fabliauxet contes des pobtes franifais des XI, XII, XIII, XIV, et XVe siecles (N. ed. par Meon,Par. 1808) T. I. 6 f.

**) Cliron. Engolismense a. 787: Et dominus rex Carolus iterum a Roma artis

grammaticae et computatoriae magistros secum adduxit in Franciam et ubique Studiumliterarum expandere jussit. SSgl. ©regorobius, ©efcb- ber @tabt SRom II.

***) lieber fßautuS SiacomtS bgt. Giesebrecht, de literarum studiis apud Italosprimis medii aevi saeculis 8—10, 25 — 27 unb Cramer, de Graecis medii aevi studiisI. 28 f., II. 19 f. ©. and) SB ei jf ä dt er in §erjog« 9t@, XI. 222 ff.