Druckschrift 
3 (1862) Göthe - Kindsmädchen
Entstehung
Seite
862
Einzelbild herunterladen
 

862

ftant.

brüten in bie ©efeßigfeit; namentlicg gält er bie SBagrgaftigfeit für baS atlermefent»lidjfte ©tücf ber ©ittlid;feit unb ertlärt eg für eine ber midjtigften unb notgmenbigftenSlnfgaben ber ©rgietjer, bie Sinber an SBagrgaftigfeit ju gemögnen.

®a &. ben legten 3 mec f ber Srgieljung in bie SDteralifirung beg üDtenfdjen fegt,fo füllte man erwarten, baff er bie ©igciplinirung, bie Sultioirung unb Kioilifiruugunb felbft bie pggfifdje Kultur alg SOiittel gur SDloralifirung betradjten unb in ben®ienft berfelben ftellen mürbe, meil nur auf biefe Sßeife feine ißäbagogif 5 U einem ein»geitlidjen ©pfteme fid; ergeben mürbe; aber mir finben biefe Kingeit in ben 3$orlefttn=gen über ipäbagogif feinegmegS erreidjt, ja nid)t einmal erftrebt, bielmegr bie. non fi.angegebenen ®geite ber Krgiegung megr äußerlid; neben einanber gefteKt, oljne baß igregegenfeitige 333ed;felmirfuug beftimmt gerüorgegoben märe. Unb ba Ä. bie etgifdjenÜßirfungen namentlid; ber ®igcipliu unb beS Unterridjtg nidjt beutlid; erfannt fiat, foentfielet ber meitere 3Jfangel, baß bie SJiittel, bie er gurn 3^ede ber fittlidjen 33ilbungbeg Sftenfdjen anfügrt, nur fegr bürftig unb unüoUftänbig erfdjeinen tonnen. 3Bag 3 merft bie ®igciplin betrifft, fo oermagrt fid; Ä. auSbrüdlid) bagegen, baß man fid; igrer3 u bebienen gäbe, um SRoralüät 31 t begrünben. ®ie moralifege Kultur, fagt er IX.<S. 415, muß fid; auf äJiayimen grünben, nid;t auf ®igciplin. ®ie ®igdplin oergin»bert bie Unarten, jene bitbet bie ®enfunggart. ®urd; ®igciplin bleibe nur eine Singe»mogngeit übrig, bie boog aueg mit ben Sagren oerlöfd;e. SBenn man ÜDtoralität grün»ben moße (ogi. IX., 416), fo müße man nidjt ftrafen. SRoralitüt fei etmaS fo geiügeöunb ergabeneS, baß man fie nid;t fo megmerfen unb mit ®igciplin in einen ütangfegen bürfe. ©emiß mirb man nid;t laugnen fönnen, baß biefe SSegauptungen etmaSeinfeüigeS gaben itnb ben pofitiöeu 3df, ben bie richtige ®igciplin gu oerfolgen gat,oerfennen. ®cnn menn bie ®igciplin im galten and; in ber ®gat ein negatioeS @e»präge gat unb auf tßegägmnng unb 33efd;ränfuttg beg ^öglingS ginauSläuft, fo ber»folgt fie babei bod; allein ben burd) 33efcgränfung beg äußeren ÜDtenfcgen ben

inneren ÜKenfdgen frei 31 t madjeu, alfo burd; 33 e 3 ägniung ber ©imtlidjfeit, ber 2BiH=für unb ©elbftfucgt beS äußeren SDtenfdjen bem inneren äJtenfdjen 9?aum 31 t oerfd;affen,feine moralifege greigeit 3 U entmideln, alfo ben 3Jienfd;en gleidjfam gegen fid; felbft3 U fd;ügen. 3Bie man einem Unmiinbigen einen 33ormnnb beftellt, ber bag Sßermogenbegfelben nad; beftem SSiffen unb ©emiffen oermaltet, meil ber Unmiinbige nod; nidjtbie Kinfidjt unb gägiqfeit befigt, um eg felbft tguu 3 U tonnen, fo gattbeit ber Krgieger,ber bie ®iSdplin augübt unb in biefer gunction ftraft unb 3 Üd;tigt, im ©inne unbSntereffe ber moralifd;en greigeit beg 3 ög 6 ng 8 , toeil biefer bie moralifege greigeit noegnidjt felbft in gintäugliegem SRaße oerftegt unb augüben fann. ®er 3 wan 8 if* a ^"°in ber ®igciplin nur fd;eiubar; oietmegr ift bie magre ®igciplin eine ^nnmegräumungbeg 3'mngg, meldjer ber moralifdjeit greigeit beg 3öglingg bureg ©innlicgfeit unb 3Biß=für angetgan mirb, unb bager ein mefentlidjeg unb unentbegrlid;eg SDiittel ber SJJorali»firung. Dbgieicg nun aber biefer lebenbige 3 u f ammen fy an 8 3 boifcljen ®igciplin ititb©ittlid;feü in JtantS päbagogifcgen Sorlefuugen niegt geroorgegoben ift, fo tonnen mirborg ben bigciplinarifdjen 33orfcgriften, bie gegeben merbeu, meiftentgeilg unfere oottfte33ißigung nidjt oerfagen. oerlaugt mit 9iedgt, baß bie Äinber Oon 3ugenb auf einerftrengen ®iSciplin untermorfen merben; bie 33erabfäumung ber ©igciplin fei, fagt er,ein meit größereg Uebel, alg bie 33erabfäumung ber Kultur, benn biefe törnte manfpäter nadjgolen, bagegen laffe fid; Sßilbgeit, menn biefe einmal burd; eine fdjlaffe ®igciplin fid; eingemurselt gäbe, niemals mieber megbringen. ®ie ©iSciplin beftegt barin,baß man ben unoernünftigen Söißen ber Sinber befegränft. ©efegiegt bag nidjt unb3 ioar oon ber frügeften Sugenb an, fo merben fie oersogen. SSerftänbigen SBünfdjenbeS jtinbeS fott man miüfagren, unoerftänbigen mit geftigfeit unb Konfeqnens entgegen»treten, ©emöljnlid; oerfäumen bie Srsieger unb befonberg bie SDiütter in biefer Se=giegung igre Sßflidjt bei ber erften Krgiegung. ® man 3 . 33 . bem Äinbe, menn egfegreit, gleid; 3 U $ülfe foiumt, bag ift fegr f^äblicg (IX, 391) unb gemögnlid) bag erfte