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3 (1862) Göthe - Kindsmädchen
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2öir haben ß. eine päbagogifdje ;)3erfönlid)feit genannt unb fabelt il)nnun- fd)Iießlid) nod) als eine foldje 311 betrachten. gilt aber oon iljm biefe 93egeic^=nung nid)t b!o§ in jenem allgemeinen Sinne, in weldjem man am Enbe jeben bebeuten=ben SMenfchen eine päbagogifdje Sßerfönlidjfeit nennen tonnte, infofern näinlid), als bieSlrt, toie baS 3 u f ammeutt, ' r ^ cn feiner 2lnlage nnb feiner SSerljältniffe, feines 2BoIlenSunb ®h unS unb feiner Sd)idfale itm 3U bem gemacht I)at, was er ift, and) jjebergeitreich fein wirb an päbagogifdjer ^Belehrung; fonbern ß. ift eine faäbagogifdje < tperfönlid>=feit im ooHften, im actiöen Sinne beS SJBorteS, infofern er unS, wie bereits betnerft,ein oollenbeteS SÜJufter ber Selbftergie^ung barftellt unb bei aller SDfannigfaltigfeitunb Energie feiner nad) außen gerid)teten bod) feine eigentlidje 2cbenSauf=

gäbe ftetS in ber 33ilbung feiner felbft fanb. ^Derjenige, weldjer in biefer 33egiel)ungmit bem größten fftedjte neben ß. genannt werben fann, Sd)leiermad)er, begeidjnet tref=fenb bie beiben bpote, gwifdjen Weldjen ade Ergiehung fid) bewegt, wenn er juerft fagt:®aS Enbe ber Ergiehung ift bie ®arftedung einer perfönlidjen Eigentl)ümlidjfeit beSCingelnen" unb bann;®ie Ergiel)ung fod ben Eingelneit auSbilben in ber 3leljnlid)feitmit bem größeren moralifchen ©angen, bem er angehört." ®ie gleichen äRapimen ß.Sfinb oben bereits heroorgel)oben Worben, unb eS hat fid) babei gugleidj gegeigt, baS ß.,toie eS and) bie fRatnr ber Sadje forbert, bodj ben eigentlidjen Sd)Werpunct bet Ergie=hung ftetS in bem erften ber genannten ÜRomente, in ber inneren Entfaltung ber inbi=»ibuellen Eigentl)ümlid)feit unb in ihrer ßeranbilbung gur oodenbeten perfönlidjeu Selb=ftänbigfeit fanb. ®er ®ienft, welchen ber Eingetne bem ©angen leiftet, barf ihn nie(oSreißen bon ben nur bort wadjfenbenftarfen SBurgeln feiner Äraft," bie mcnfchliche$cr[önlid)feit ift Selbftgtoecf unb bie ©runboerfehrtheit ber Ergiehung bcftei»t gerabebarin, baß man fie gu einem SRittel für Erreichung äußerer ßwetfe erniebrigt, unb alleEinwirfungen ber Außenwelt foH ber dRenfd) bielmehr als tOcittel gu feiner eignen 33il=bung oerwenben unb }o gu feinem oödigen Eigentl)um machen; trachtet er nur oor allemnad) biefeni haften wahrer Selbftbilbung, fo wirb djin and) baS anbere, bielebenbige unb fräftige Einwirfung auf baS ©ange, gufallen. ®enu anbrerfeitS ift bieinbiüituelle Eigenthümlichfeit außer 93egiel)ung gu bem ©angen, weldjem fie angehört,gar nid)t benfbar. fRur baburd), baß fie als organifcheS ©lieb biefeS ©angen aufgefaßtwirb, tritt ihre gottgewollte eigentljümlidje Stellung unb gunction, in wetd)er fie bem©angen bienen foH, unb für Weld)e fie mit eigenthümlichen Slnlagen auSgerüftet ift, ge=hörig in baS Sidjt. fflenn ß. fid) ein großes SSerbienft um bie richtige Sluffaffung ber

Aufgabe ber Ergiehung eben baburd) erworben I)at, baß er im ©egenfafw gu Dem herr»

fdjenben hh^anthrofifchen Utilitarismus baS fRed)t ber Snbioibualität auf oorgitgSWeife33erücffid)tigung geltend macht; fo l)at er auf ber anberen Seite baburd), baß er, feineräfthetifdjen @runbanfd)auuug gemäß, nicht baS abStracte Iogifd)e Subject bem Dbjectgegenüberftedte, fonbern beibe in lebenbigfter IBerbinbung auffaßte, oon einem lebenbigenSneinanber beS 3nbiöibueden unb beS ©angen auSgieng, äljntid), wie Sd)ider, namentlichin feinen äftfjetifdjen ^Briefen, unläugbar gur Sßeiterfüljruug beS 5lantifd)en StanbfntncteSbeigetragen.

Soll nun bie Ergiehung bie 3öglinge nicht als oodfommen gleiche Ejemplare ber=felben ©attung, fonbern als eigentljümlid) begabte Eingelwefen behanbeln, fo ift ooradern erforderlich, baß biefe Eigenthümlichfeit erfannt werbe. Um biefe ErfenntniS hatfid) ß. oont Anfänge feiner Wiffenfchaftlid)en SSbjätigfeit an auf baS eifrigfte bemüht.CS liegt im ^Begriffe ber Snbiöibualität, baß eine inS Eingelne gehenbe Elaffificirung

ber öerfd)iebenen 3nbioibuen nieft möglid) ift. 2luf eine eben fo übergeugenbe, als geift»

boHe unb fiharffinnige Sffieife aber hat fie ß. in feinen beiben AbhandlungenUeberben ©efd)led)tSunterfchieb" nnbUeber männlidje unb weiblidje gorrn" i n a' re * 8 rc eClaffeit eingetheilt, nad) bem im Unterfdjiebe beS männlichen unb weiblichen @efd)led)teSauf natürliche Sßeife repräfentirten großen ©egenfalje gwifchen üorherrfd)enber Selbft=thätigfeit unb oorI)errfd)enber Smpfänglid)feit. Aud) bie biefer @runboerfd)iebeuheit ber