Druckschrift 
3 (1862) Göthe - Kindsmädchen
Entstehung
Seite
616
Einzelbild herunterladen
 

616

•fntmantßtmtß unb Stealtßmuß.

'Dienfte 311 oermenben miffen foEte, imb bann ber anbcrn, baß nämlid) äße« Gtrfeunennon ben ©innen außgehe nnb bie ©emiß^eit unb SEBahrljeit ber Grfenntniß baoon ab=gängig fei, baß bie Ginbrüde ber ©inne ber ©eele eingeprägt Serben. 2)ie natürlidje(5.onfequen3 ber erften ift, nidjt fJSoltjhiftorie, fonbern um mit Gomeuiuß felbft 3U reben,fßannuatljie, bie Aufgabe alleß 31t lernen; bie jraeite forbert notljmenbig Slnfdjauungunb 33 etradjtung ber mirflidjen 2 )inge, 2 luffaffung unb Grfennen berfelben oermittelftber 3 Jfutterfpradje, überhaupt Grienten ber ßlealien oor ben frembeit ©pradjen.2 )abei ift fefouhalten, baß bie ©runbanfdjauung beß fDtenfdjen alß beß göttlichen Gben»bilbeß bie gmrberung in fid) fddießt, baß ber IDfenfd) bieö Gbenbilb mtrflid) barfteßenfeile, mornit ber retigiöfen Silbuug hinlänglich iljr 9 tedjt gemährt ift.

Unleugbar ift oou Gomeniuß, neben bem 91 atid)iuß menig in SBetradjt fommenfann, ber moberne 9 fealißmuß für bie folgenbe 3 e ü oöflig begrünbet. ,fpat er feineSDletljebe audj faft nur für ben Unterridjt in ben ©pradjen, namentlich in ber lateini»fdjcn, ausführlich bargelegt unb für bie ßiealien felbft verhältnismäßig menig getljanunb in feiner 3 e it tljun fönnen, fo Ijnt er bodj baß Slerbienft, baß ©tubium berfelben

in ben Sireiß beß 3 ugenbuuterridjtß eingefüljrt unb Anregung für baßfelbe gegeben 3«

haben, greilidj barf biefeß SSerbienft nicht 3U l)od) angefdjlagen merben. Slbgefeljenbaoon, baß er bie Anregung 3U feinen SScftrcbuugen feinem Seljrer Slltftebt oerbanfte(f. b. 2 lrt. Gomeuiuß Xi). 1, ©. 821 ), folgte er, mie eben bargelegt, bem 3 U 3 C beßbeutfd)en ©eifteß; uttb l;at ber ßiealißmuß in ber folgenben 3 e 't an feine Arbeitenangefnüpft, fo lag ba3it febeßmal ber nad)ftc 2 lntrieb in ben tBerljättniffen unb gor»berungen ber ©egenmart. Uebrigettß finb feine SBeftrebungen and; für ben §umanißmußBon heitfameu folgen gemefen. 3 un ä ( fyf t t»urbe berfelbe oeranlaßt, bie formale Gin»feitigfeit, in bie er vielfach geriet!), auf3ugeben unb burd) Slufnaljtne neuer Glementeftd) 3U nerjüngeu unb 3U erfvifcheu; baneben mürbe ihm bann aud) bie DJotljmenbigfeit

nahe gelegt, auf bie üöfetljobe beß Unterrid)tß unb ber Gi^ieljung feine ©ebanfen 3U

riditeu, um auß jeber Verirrung, in bie er gerathen, in bie Bon 9 Jie(aud)tljon eröffneteunb gemiefene 23 alpt mieber einsulenten.

ß)ian fiel)t nun freilich nicht, baß Gomeuiuß’ äftetljobe fdjneß Gingang gefunben,tro(3bem baß feine ©driften fehr halb meit oerbreitet maren unb h°h e ^ßrotectoren ihm3ur ©eite ftanben. Offenbar mar fie 3U oermidelt in ihren ©etaitß unb in ihrer baß9 ?ötljige unb S^ü^Iiche beredjuenben Haltung 311 niedjanifdj, um fid) febem 3U empfehlen.Sabei lag etmaß in ihr, baß 3uriidftoßen fonitte. Sieß mar einmal baß Vielerlei, baßben Sehranftalteu aufgebrungen mürbe, fie maren 3umal bei bem SOlangel an Ijinlang»lid)er ^Bearbeitung ber ©ißciplinen, ber fog. ßiealien, unb bem Sßangel an Seljvbüdjerneiner foldjen Aufgabe nidjt gemadjfen. 2lußerbem mürbe bie im Äreife ber ©dutle h er r=fdjenbe 33 ilbuug burd) baß 3 urüdbrängeit ber alten ©djriftfteüer unb bie bamit in 3 lt=fammenhang ftehenbe 33 eruadjtäßigung beß ©tilß unangenehm berührt. Unb non biefer©eite fdjeint am meiften baß SBiberftreben gegen bie neue 9 fid)tung gefommen ju fein,cfreilid) mar bie 3 c ü» in ber fie fid) Sßaljn 3U bredjen fud)te, nicht ba3u angetl)an, mitber geber ffrieg bagegen 3U führen; baran heberte ber mit blutigem ©djmerte geführteÄrieg unb baß Glenb, baß berfelbe über bie Sänber brad)te. 3 m ganjen oerl)arrtenbemnad) bie lateinifd)eu Sdjulen unb ©tjmnafien, mie eine fpecieße @efd)id)te ber ein=3elnen ißnftalteu 3eigen müßte, in ber non SJielandjtljcu außgegangenen Sfidjtung; nurbaß eine unb baß anbere nahmen fie nad) unb nad) Bon ben SJfetljobifern an, na=mentlicf) bie Seljrbüdjer für bie lateinifdje ©pradje. ®abei ift jeboch nidjt 3U nerfeuuen,baß fie Ijin unb mieber 3U bem bißljer oerfolgten, alß bem fid) gleidjfam Bon felbft oer=fteljenben 2Bege bie 3 u t>erfid)t oerlieren unb in ©djmanten gerathen.

3 )aß 3meite ©tabiunt beß niobernen Mfealißmnß !enn3eid)net fidj 3unädjft ta=burd), baß eß 31t ißerfudjen oon Grridjtung ber fRealfd)ulen führt. SQtan fann barinnur einen natürlichen 5°rtfd)ritt beßfelben fehen. ,f)at ber ÜKenfd) atleß ©eienbe 31t er»fennen unb für feine 3*rctfe ju oermenben, fo ift eß eine natürliche gorberung, baß