936 Französische Sprache.
ri cht. Die vorhergegangenen Untersuchungen haben den Beweis für folgende Sätze be-reits geliefert:
1) Eine wissenschaftliche Behandlung des franz. Schulunterrichts ist nicht bloßmöglich, sondern auch unumgänglich nothwendig, denn ein großer Tbeil der Sprachstoffewird erst ans wissenschaftlichem Wege geistesbildend und dem vollständigen Begreifenzugänglich.
2) Der wissenschaftliche französische Unterricht basirt ans dem Lateinischen. Dasanalytische Wesen der wissenschaftlichen Bildungsstoffe des Französischen erfordert für dieSchule ein sehr behutsames eklektisches Verfahren: für die untern und Mittlern Classeneignet sich hauptsächlich das Onomatische; wissenschaftliche Syntax ist nur mit einerAuswahl in den obern Classen zu lehren.
3) Bei dem Parallelismns des Lateinischen und Französischen an unfern Schulenmuß der Grundsatz des snccessiven Erlernens fremder Sprachen festgehalten werden: dieformalen und syntaktischen Schwierigkeiten des Französischen sind erst dann vorznnehmen,wenn die entsprechenden des Lateinischen schon absolvirt sind.
Die Art und Weise, franz. Sprachstoffe ans der Onomatik und Syntax ans Grund-lage des Lateinischen wissenschaftlich zu behandeln, ist früher schon näher angegeben wor-den; es ist nicht nöthig darauf zurück zu kommen, wir haben hier zunächst noch zu un-tersuchen, ob und wie der wissenschaftliche Unterricht die Sprachgeschichte und dieSynonymik zu berücksichtigen hat.
Die successive Gestaltung der europäischen Cultnr ist in der Wortmasse der franz.Sprache deutlich ausgeprägt: jedes bedeutende historische Ereignis ist auch zugleich eineThatsache der Sprachgeschichte, wodurch eine Menge von Wörtern entweder neu ge-schaffen oder in ihrer Bedeutung verändert wurden. So haben denn manche fran-zösischen Wörter, Veteranen der Civilisation, eine mehr als zweitansendjährige Geschichte.Wie merkwürdig sind die Schicksale der lateinischen Wörter gewesen! Man vergleicheeinmal die Bedeutungen von: loAutus, IsAut — nnntius popnli romarn, nonos — ro-rum soripkor, soriptsur — inkans, kantassin, inlantoris — villa, viils — xmAanns,xa^vn — oollors, oonr — inAeninrn, onZin. Die Italiener verlernten selbst dieursprüngliche Bedeutung von soror und krator (snora, Klosterschwestcr, Nonne, krato,kra, Klosterbruder, Mönch) und griffen zu den Diminutivis sorolla, kratollo; ja ftomoder „Mensch" wurde im französischen Mittelalter zu Uonr der „Vassal":
Uerars cts Atoucllctisr ctsvant Karts sst venur,
-t. ses pieir s'a^euoitls, ses Iioiu SSt cieveuuL;
I-'aiupsrerss Is tiatss et Is rsteva sus;
?ar uns blauetis anssi^ns ti tu ses lisic rancturi.
Otianson des Laxans I. 85.
in der franz. Sprache auf Gymnasien. Wesel t838. — I>r. von Daten, Ziel der Realschuleund Lcctionsplan. Erfurt. 1849. — 6. Aouuarct, 8ur t'stncis cts ta Ian§us Ir. ctans Issinstit. plldt. cts ta t?rnsss rtien. in Herrigs Archiv. 1850 S. 247 ft. — Lnber, lieber das Stu-dium der modernen Sprachen, insbes. ver franz. Spr. Landshnt. 1850. — I)r. Mayer, Derfranz. Unterricht an den Hähern Schnlanstalten. Progr. Oldenburg. 1851. — lieber die calcn-lirende Methode: vr. Hanschild, Welche Erfolge darf sich der deutsche Unterricht von der cal-cul. Methode versprechen? Progr. Leipzig 1853 und die Vorrede zu dessen franz. Elemcntarbnche.II. Cnrsns. — 6. cis ta Harpe, Os I'enssi^nsniont ciss tan^nss vlvantss. Progr. Berlin1853. — Ur. Gntbier, Ideen über den Unterricht in den modernen Sprachen. Angsb. 1854.— vr. Weigand, lieber das Französisch-Sprechen auf Schulen. Herrigs Archiv. 1858 S.25S ft. — Prof. Zandl, lieber die Aufgabe und Stellung des franz. Sprachunterrichts inGelchrtenschnlen. Karlsruhe 1856. — F. Zipp, Ansichten über den Unterricht in der franz.Sprache. 2. Ausl. Freibnrg 1859. — Reiche Belehrung bieten außerdem die Schriften von Schei-bert („Das Weion und die Stellung der Hähern Bürgerschule." Verl. 1848), die von Mager(„Die modernen Hnmanitätsstndien" 3 Hefte. Stuttgart u. Zürich 1810 — 46) und die Päd.Revue von Mager imd Langbein.