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2 (1860) Director - Globus
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Frömmigkeit.

Frohsinn, Heiterkeit.

der besonnenen Thätigkeit gepflegt wird. Umgekehrt wird die einseitige Pflege der Got-teserkenntnis bei Vernachläßigung der persönlichen Lebendigkeit zur todten Ortho-doxie. Wird der Gegensatz zu anderen, wirklich oder vermeintlich unvollkommenerenWeisen der Frömmigkeit übertrieben und der objective Werth einzelner specifischer (un-terscheidender) frommer Handlungen überschätzt, so entsteht Bigotterie; zum Fana-tismus aber wird die Frömmigkeit, wenn sie in ihrer individuell Persönlichen, natio-nalen oder religionsgemeinschaftlichen Form den Anspruch und Versuch macht, jedeandere Art der Frömmigkeit neben sich zu vernichten. Heuchelei, Pharisäismusu. dgl. endlich entstehen aus ihr, wenn die Aenßerungen der Frömmigkeit ohne die ent-sprechende Gesinnung angestrebt werden.

Der Erzieher hat bei seiner Einwirkung auf das Kind alle diese Abweichungen be-ständig vor Augen zu behalten unv unter Hinweisung auf biblische Beispiele davor zuwarnen, vor allen Dingen aber sich selbst zu hüten, daß er nicht durch sein Beispieldas Kind auf einen dieser Abwege verleite. vr. Lechler.

Frohsinn. Heiterkeit. Die Jugend ist von Natur schon aufgelegt zur Freude;die Welt liegt vor ihr noch mit allem Glanz und aller Frische eines Frühlingsmorgens,weil sie ihr das offene Herz und den frischen Sinn entgegenbringt, dem schon dasbloße Hören und Sehen eine Lust ist. Ein gesundes, unverdorbenes Kind wird stets auchein fröhliches Kind sein; durch längeres Unwohlsein oder durch falsche Behandlungkann es mürrisch und verdrießlich werden, aber die Trauer im eigentlichen Sinne kenntes nicht. Diesen natürlichen Frohsinn der Jugend zu erhalten und für die höherenZwecke des geistigsittlichen Lebens der Art zu befestigen, daß er als Heiterkeit desGemüths eine bleibende Eigenschaft der Seele werde, ist Aufgabe und Pflicht derErziehung. Diese hat folgende Puncte wohl im Auge zu behalten:

1) Alles, was die Gesundheit fördert und das leibliche Leben frisch erhält, beför-dert auch die Heiterkeit des Gemüths. Reinlichkeit, regelmäßiges Luft- und Wasserbad,leichte nahrhafte Kost, Bewegung und angemessene Muskelthätigkeit sind auch Mittel zurErhaltung des Frohsinns. Dem von Kindheit auf an Mäßigkeit, Ordnung und Rein-lichkeit gewöhnten Menschen wird die ganze Welt viel heiterer erscheinen als dem indieser Hinsicht verwahrlosten; er wird aber auch geneigt sein, seine kleine Welt, seineWohnung und Umgebung sich möglichst heiter und freundlich zu gestalten.

2) Der Frohsinn wird zwar von sinnlicher Seite her gefördert, entsteht jedoch nur,wo Reizfrische mit Thätigkeitsfrische sich paart, wird daher durch alles gestört und ver-dorben, was nur den Sinn reizt oder gar überreizt, was bloß auf Genuß abzielt,ohne die innere Selbstthätigkeit anzuregen. Durch Leckerbissen, prächtige Kleider undSpielsachen, durch Kinderbälle u. dgl. wird nur momentane Lust, aber kein Frohsinnerweckt. Ebenso wird die Unbefangenheit und Harmlosigkeit des Gemüths, die zurrechten Kinderfreude gehört, durch Verfrühung geistiger und ästhetischer Genüssez. B.durch Nomanlectüre vernichtet. Hingegen sind Tanz als körperliche Uebung und Ge-sang, an welchem das Kind selber sich betheiligen kann, sinnige Fabeln und Märchen,die von der Jugend selbstthätig reproducirt werden, und lehrreiche ernste und heitereGeschichten, die ihnen die Alten erzählen Kinder- und Schulfeste, Turnfahrten undkleine Reisen, welche die ganze Seele erfüllen und zur Freithätigkeit Wecken, sehr wirk-same Mittel zur Erheiterung des jugendlichen Lebens.

3) Der Turnerspruch: Frisch, frei, fröhlich, fromm! ist das rechte Motto auch zumCapitel über den Frohsinn. Bei der lebhaften Jugend steigert sich wohl mitunter dieFröhlichkeit zu geräuschvoller Lustigkeit; ist aber die Zucht rechter Art, so wird eineUeberschreitung des Maßes selten und die Ordnung leicht wieder hergestellt sein, dennder Gehorsam, gegründet auf Ehrfurcht und Liebe zu den Erziehenden, wird als unsicht-bares Band das Kind auch da halten, wo es sich selbst überlassen ist, und in derFreudigkeit des Gehorsams, die auch dann noch sich bewährt, wenn mitten imSpiel der Ruf zu ernster Beschäftigung erschallt, soll es ganz besonders seine Fröm-