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2 (1860) Director - Globus
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Fertigkeit, Fertigkeiten.

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Freiheit disponiren und davon für die Erfüllung jeder entgegentretenden LebensaufgabeGebrauch machen zu können. Insofern kann namentlich gegenüber von einem rasch hin-eilenden und zu hohe Ziele verfolgenden oder einem allzu theoretisirenren Unterricht imInteresse seines lohnenden Erfolges und der Förderung praktischer Berufsthätigkeit,welche vollends bei dem Volksleben besonders zu betonen ist, auf die Bildung zur Fer-tigkeit nicht genug Nachdruck gelegt werden. Es liegt darin zugleich auch die Probeeiner tüchtigen Willensanstrengung auf Seiten des Lehrers und Schülers. — Auf derandern Seite ist aber doch auch nicht außer Auge zu lassen, daß diese Bildung ihreGrenzen und ihr Maß hat. Zweierlei psychologische Erscheinungen und Gesetze kom-men dabei in Betracht. Es ist oben schon erwähnt worden, daß bei jener die Richtungvon innen nach außen gegenüber der rein innern oder von außen nach innen gehendenThätigkeit die vorherrschende sei. Daraus folgt von selbst, daß durch die auf das fertigeThun gerichtete Energie auf natürliche Weise die Energie der Auffassung und der geisti-gen Durchdringung der Gegenstände in den Hintergrund gedrängt werden kann. AlsBeispiel möge die Sprech- und memorirende Vortragsfertigkeit dienen. Je einseitiger(man denke namentlich auch an das Erlernen fremder Sprachen zum Behuf des Spre-chens) auf diese Werth gelegt wird, desto näher liegt die Gefahr, daß der geistige Ge-halt, der hinter den Worten liegt, nicht zu seinem Rechte kommt, so daß sich überhauptdarin zeigt, wie leicht unter der auf die leichte und gewandte Darstellung und Aeuße-rung gerichteten Thätigkeit der Kern des geistigen Lebens Noth leidet. Schon darummuß überall dafür gesorgt werden, daß der Entwicklung zur Fertigkeit nicht das gehö-rige geistige Gegengewicht mit der Richtung nach innen fehle und die sogenannte prak-tische Bildung nicht zu einer Aeußerlichkeit und einem leichten oberflächlichen Wesenwerde. — Dasselbe ergiebt sich aus dem zweiten Umstande. Die Bildung zur Fertig-keit führt es von selbst mit sich, ja fordert es sogar, daß die einzelnen Thätigkeiten,durch welche der ganze Proceß sich vermittelt, schon um der notwendigen Raschheit ihrerAeußerungen willen, selbst wenn sie ursprünglich mit Bewußtsein verknüpft waren, inden Zustand des Nichtbewußtseins übergehen, d. h. mehr oder minder mechanisch wer-den (s. d. Art. Gewöhnung). Man denke an die einzelnen Acte des Schreibens, Lesens,des Rechnens (nach abkürzenden Formen und Formeln) u. s. w. Eben daraus folgt,daß, wenn nicht nebenher immer von neuem für geistige Nahrung des bewußten innernLebens und Erregung eines freien selbständigen Nachdenkens gesorgt wird, die Bildungzur Fertigkeit ihre schweren Einseitigkeiten mit sich führen müßte, und daß auch im Le-ben des Volks, in welchem allerdings die praktische Fertigkeit neben dem Wissen ihrehervorstechende Bedeutung behält, alle Sorge dafür zu tragen ist, daß die Bildung nichtin einen Mechanismus ausarte.

Was die einzelnen Fertigkeiten betrifft, so wird je nach den verschiedenen Bildungs-zielen die Art derjenigen, auf welche die Erziehung ihr besonderes Absehen richtet, aucheine verschiedene sein. Es werden bei der gelehrten wie bei der realistischen, bei derphilosophischen, wie bei der mathematischen, bei der wissenschaftlichen wie bei der volks-thümlichen Bildung je andere Fertigkeiten in den Vordergrund treten. Zu einer derallgemeinsten Forderungen aber, welche mit der menschlichen Bildung als solcher Zusam-menhängen, gehört die Sprachfertigkeit, während im Kreise des Volkslebens die Fertig-keit im sinnlichen Auffassen und Anschauen, die Fertigkeit einfacher Zahlencombinationenund alle ins Leibliche übergehenden, auf äußere Bewegungen gerichteten Fertigkeiten vonbesonderer Bedeutung sind.

Eben diese äußeren Fertigkeiten aber v erdienen wegen ihres Wesens noch eine be-sondere pädagogische Betrachtung. Sie stehen theilweise entweder ursprünglich mit demgeistigen Leben nur in einer entfernteren Verbindung (wie z. B. alle Gliederbewegun-gen, gymnastische Uebungen) oder tragen zunächst und unmittelbar als solche nichts zneiner Entwicklung desselben bei, streben auch vorherrschend zu einem Mechanismus hin(wie z. B. das Lesen und Schreiben von seiner mechanisch-technischen Seite oder gar