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Ferien.
(am Schlüsse des Sommerhalbjahrs) eine Woche pausiren zu können. Auch sind Ferienvon 4 Wochen, wenn sie, wie in Deutschland sehr gewöhnlich, mitten in das Schuljahrfallen, namentlich für jüngere Schüler zu ausgedehnt, und wenn es das Verhältnis derMittelschulen zur Universität und den höhern Fachschulen zuließe, wäre doch vielleichtdas Zweckmäßigste, die längern Ferien an den Schluß des Schuljahrs zu verlegen,wie dies jetzt in Oesterreich geschieht, wo die in den Herbst fallenden Hauptferien, diefrüher vom 7. August bis zum 1. October reichten (Mützells Zeitschrift 1848S. 289), auf vier Wochen reducirt sind. Eine größere Ausdehnung, wie z. B. inEngland und vollends in Amerika (vgl. Bd. I. 101 f.) kann nicht ohne Nachtheile sein.„Es fehlt den Schülern noch die Willenskraft und das Verständnis, sich selbst währendeiner so langen Zeit zweckmäßig zu beschäftigen. Das Versäumnis dessen, was gelerntwerden sollte, das Vergessen des Erlernten, die Unterbrechung der so wichtigen Regel-mäßigkeit des Arbeitens, der Zwang zum Müßiggehen sind viel zu groß und gefährlichfür die Zwecke des Unterrichts und der Erziehung" (österr. Org. Entwurf von 1849).Jedenfalls ist die Vertheilung der jährlich zugelassenen (8—10) Ferienwochen inmehrere Ruhezeiten dem Bedürfnis der Jugend das Entsprechendste; es kommt dadurcheine Abwechselung in das Schulleben, welche die Kraft nie überspannen und doch auchden Faden nie verlieren läßt. Im ganzen macht sich die Vertheilung leicht; im beson-der« ist nur darauf zu sehn, daß die Sommerferien und die Michaelisferien einandernicht zu nahe kommen.
Wie man nun das Jahr durch solche Ruhezeiten unterbrochen hat, so ist frühzeitigauch die Woche so eingerichtet worden, daß sie zwei von Schulstunden freie Nachmittage(Dienstag und Donnerstag oder Mittwoch und Sonnabend) erhalten. Dabei kann aller-dings die Frage sein, ob es nicht zweckmäßiger wäre, nach dem Beispiele schottischer undenglischer Anstalten statt der zwei Nachmittage einen ganzen Tag (den Sonnabend) freizu geben. Für größere Schüler wenigstens, die dann zusammenhängendere Arbeitennach individuellem Bedürfnis vornehmen könnten, dürfte diese Einrichtung empfehlens-werth sein. Vgl. Schuster in Mützells Zeitschrift 1857 S. 822.
Die Benützung der Ferien wird nach Verschiedenheit der Schulen natürlich einesehr verschiedene sein. Ist nun der Hauptzweck Erholung für Lehrer und Schüler, somuß sicherlich jede Einrichtung vermieden werden, wodurch die Erreichung dieses Zweckesillusorisch würde. Wenn man also zuweilen, von der Ansicht geleitet, daß die Zöglingeder Volksschule bei der geringem Anspannung, die ihren Kräften zugemuthet wird,eigentlicher Ferien kaum sehr bedürfen, verlangt hat, daß diesen auch in den Ferienwochenein auf einzelne Stunden beschränkter Unterricht ertheilt, oder falls man die großemKinder zu Erntearbeiten entlasten wolle, wenigstens den kleinern Gelegenheit zum Fort-lernen gegeben werde, so hat man doch eigentlich dem Lehrer ein freieres Aufathmenversagen wollen. Andererseits ist es gewiß auch widersinnig, wenn Schüler höhererAnstalten mit Ferien arbeiten überladen werden (vgl. d. Art. Aufgaben S. 288).Man kann es zwar gelten lassen, ja man wird es für zweckmäßig halten mäßen, daßdie jüngeren Schüler durch Aufgaben namentlich zu Wiederholungen angehalten werden,und gereiftere Schüler Veranlassung bekommen, eine zusammenhängende Lectüre mit Aus-zügen vorzunehmen, manche Nebengebiete der Wissenschaft sich bekannt zu machen, infreierer Production sich zu versuchen (vgl. Wyttenbach Urasl. zur 1. Ausg. derLvlsota xrinoixum bist. XXIX. und Beneke Erziehnngs- und Unterrichtslehre II. 726 f.);aber man darf die Schüler doch nicht mit Aufgaben in die Ferien entlassen, welcheihnen für diese alle Harmlosigkeit rauben und sie an die Rückkehr zur Schule nur mitAngst denken lassen.*) Wenn das Haus öfter, als es zu geschehen pflegt, mit der
*1 Zu der Ausgleichung zwischen Berufsarbeit und Muße, welche der Art. Erholung S. 163 ff.fordert, gehört insbesondere auch das, daß die Ferien zu jener freien Thätigkeit, die aus derindividuellen Neigung und freien Wahl hervorgeht, genügenden Raum lassen; die Liebhabereien