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Fellenberg.
hat niemals Gleiche neben sich geduldet, er hat sich auch mit der neuen liberalen Re-gierung in Bern nach dem Jahr 1831 als Mitglied des Erziehungsraths nicht stellenkönnen. Er war auch darin ein Herrscher, daß er persönlich imponirte und, wo er esnöthig fand, trotz der Einfachheit seiner Lebensweise und seines Auftretens, zu repräsen-tiren wußte. Er war aber nicht nur ein Herrscher vermöge seines Temperaments, son-dern auch vermöge seines Geistes und insbesondere vermöge seines bedeutenden Organi-sationstalentes und seiner rastlosen geordneten Thätigleit. Man muß die Ordnungund Sauberkeit gesehen haben, welche in Hofwyl in allen Stücken und an allen Ortenherrschte, in den Ställen sowohl wie in dem Salon des „Stifters"; man muß wissen,wie wohlberechnet alles ineinandergrifs, wie die verschiedenen Anstalten einander unter-stützten, wie die verschiedenen Kräfte ausgebeutet wurden, wie die zahlreichen Mitgliederder Fellenberg'schen Familie selbst nach den verschiedensten Richtungen hin den Zweckender Anstalt dienstbar waren, wie dann der „Stifter" selbst über allem waltete, früheauf, überall gegenwärtig, bald zu Fuß, bald zu Pferd, alles überwachend, auf den Gangder Politik eben so aufmerksam, wie auf die kleinen Verhältnisse seiner Schulen oderseines Viehstandes, in zahlreichem brieflichem Verkehr stehend mit den ausgezeichnetstenMännern und von nicht minder zahlreichen Besuchen des In- und Auslandes beehrt.Gewiß, wenn man auch durch manches in Hofwyl erinnert wurde, daß man hier eherin einer im bessern Sinn des Worts als in einer Republik lebe, man
konnte nicht umhin, den Geist des Mannes zu bewundern, der diese Schöpfung insLeben gerufen, organisirt und hernach fast ein halbes Jahrhundert lang mit That-kraft und Einsicht geleitet hat.
Man sollte meinen, Pestalozzi hätte sich sollen in eine solche Natur finden können.Allein bei genauerer Betrachtung der Sache wird man sich vom Gegcntheil überzeugen.Pestalozzi war in Betreff der pädagogischen Befähigung Fellenberg weit überlegen.Fellenberg hat seine mangelhafte Anlage zum praktischen Lehrer, obgleich oder eigentlichweil er Vorträge hielt über Theorie der Landwirthschaft, documentirt. Es fehlte ihmdas für einen erfolgreichen Unterricht nothwendigste Erfordernis, die Fähigkeit aus sichherauszutreten und in die Anschauungen und Vorstellungen anderer eiuzugehen. Es fehlteihm ferner an speciellen und positiven Kenntnissen in den Schulwissenschafteu. Inbeiderlei Hinsicht war ihm Pestalozzi weit überlegen, wie denn die Verbesserung der Methodik,welche gebaut ist einmal auf die Kenntnis des jugendlichen Geistes sodann auf das Ver-ständnis des Lehrstoffs, als ein Hauptverdienst Pestalozzi's bezeichnet werden muß. Fellen-berg's hochstrebendem Geiste schienen diese Dinge klein, Pestalozzi's feinfühlendem Sinneerschienen sie sehr wichtig. Es läßt sich denken, daß auch hierin Fellenberg ordnen undbefehlen wollte, ebenso aber auch, daß Pestalozzi hierin sich nicht uuterorduen konnte. Inanderer Beziehung kehrte sich das Verhältnis um. Pestalozzi war ein Manu, der sich gehenließ, im Aeußern höchst unscheinbar, fast dissolut, in ewiger pecuuiärer Bedrängnis, erwollte sich in keine feste Ordnung fügen, weil ihm dies alles zu kleinlich schien. Fellenbergwar keineswegs karg — er konnte splendid sein und die großartigsten Opfer bringen —aber sparsam, berechnend, streng geordnet, immer bei Kasse, weil ihm die Sorge für dieseDinge wichtig schien. Fellenberg hatte auch für die Zeit ihrer Vereinigung die öko-nomische Leitung zu übernehmen sich verbindlich gemacht. Hierin nun sich unterzuordnenwar Pestalozzi nicht möglich. Wenn es ihm schwer war gegen seine Natur anzukämpfen,so wurde die Schwierigkeit erhöht durch die herben Formen, in welche Fellenberg seineökonomischen Anordnungen kleidete, Formen, deren sich zu eutschlagen FelleubergS Naturebenso sauer eingieng, als der Pestalozzi's, sie zu tragen.*) **)
*) Fellenberg that sich häufig, besonders gegenüber von Angehörigen monarchischer Staatenetwas darauf zu gute, das; er „ein Republikaner" sei. Nichts desto weniger nahm er keinen An-stand, dem Lehrcrconvent einmal zu wissen zu thnn, daß er „keine Landstände" brauche.
**> Fellenberg, von welchem Referent niemals ein bitteres Wort über Pestalozzi gehört, der