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2 (1860) Director - Globus
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Felbiger.

von Schulstein" in den Adclstand erhoben) seinen Bestrebungen bereits vorgearbeitethatte und durch Verbindung von industriellen Beschäftigungen mit der Schule demganzen Unterrichtssystem noch einen neuen praktischen Charakter aufzuprägen versuchte. Jabald zeigte sich der Einfluß der Felbiger'schen Reformen im ganzen katholischen Deutsch-land, wo im Anschluß an seine Richtung und Methodik ein bisher ungekannter Eifer inBeschaffung eines gedeihlichen Volksschulwesens auf den verschiedensten Territorien hervor-trat. (Man vergleiche z. B. die Nachrichten über die Organisationen im geistlichen Reichs-stift Neresheim, s. meine Sammlung der wnrttembergischen Schulgesetze S. 54; in denBisthümern Bamberg und Würzburg s. Franz Ludwig v. Erthal, Fürstbischof von Bam-berg und Würzburg v. Bernhard, svr. Herrmann Reuchlin.j Tübingen 1852; imBisthum Münster vgl. Geschichte v. Fürstcnbergs und Overbergs.)

In Oesterreich selbst war Felbiger's Wirksamkeit nur zu kurz. Schon im Jahre1778, als der bairische Erbfolgekrieg auszubrechen drohte, erhielt Felbiger von Fried-rich II. den Befehl, entweder nach Schlesien zurückzukehren oder auf die Abtei Saganzu verzichten. Felbiger glaubte, um sein begonnenes Lieblingswerk gegen die zahlreichenund einflußreichen Widersacher zu schützen, das Letztere thun zu mäßen, und die Kai-serin Maria Theresia gab ihm zur Entschädigung die Probstei Presburg und eine jähr-liche Pension von 6000 fl. Aber das Merkwürdige und noch nicht gehörig Erklärte

ist, daß Felbiger schon unter Joseph II. (1780 Regierungsantritt) auf die Seite ge-schoben ward und seine mehr stillen Bemühungen vielleicht unter der unruhigen aufaugenblickliche Erfolge dringenden Thätigkeit, welche die neue Regierung bezeichntenicht mehr die alte Unterstützung fanden. Er erhielt den Befehl, sich auf seine Probsteinach Presburg zu begeben und auf die Verbesserung des ungarischen Schulwesens seinAugenmerk zu richten. Hier starb am 17. Mai 1788 der thätigc, vielgeschäftige*) Mann,dessen Persönlichkeit wir in dem Maße schätzen werden, als uns warme, energischeHingabe der vollen Lebenskraft an ein erkanntes und ergriffenes edles Ziel, und ins-besondere an die eben so unendliche als dornenvolle Arbeit für Humanisirung des Volks

in ihrem sittlichen Werth hoch steht. Seine Wirksamkeit selbst aber wird uns um sobedeutender erscheinen, je unbefangener und gerechter wir das vielfach verkannte 18teJahrhundert mit seinen sittlich und intellectuell unsäglich traurigen Zuständen und seinenfrischen Lebenstrieben wie auf andern, so auf dem Pädagogischen Gebiete werden beur-teilen lernen. Leider freilich haben die Früchte derselben durch eine tragische Fügungin das Gegentheil von dem, was der edle Mann erstrebte, sich verkehrt. Während mitdem Tode Joseph's II. (1790) und Leopold's II. (1792) und dem damit zusammenhängen-den Einbrechen kirchlicher Neaction der sittlich befruchtende, humane und intellectuelleHebung erstrebende Geist Felbiger's einem kirchlich exclusiven und verfinsternden GeisteWeichen mußte, wußte der Jesuitismus mit schlauer und kluger Berechnung die vonFelbiger geschaffenen starren Unterrichts- und Schulsormen dazu zu benützen, um daraufjenen drückenden Schul- und Lehrmechanismus zu gründen, welcher das österreichischeSchulwesen bis vor kurzem charakterisirte und hier jeder freien und wahren Bildungeinen beinahe unübersteiglichen Damm entgegensetzte. So kam cs, daß zu gleicher Zeit,während in Norddeutschland, der ursprünglichen Heimat der monströsen Literalmethode,die freie wenn auch langsame Entwicklung des geistigen und pädagogischen Lebensvon selbst über solche verunglückte Versuche Hinaustrieb, das Verkehrte derselben bald inklares Licht stellte (vergl. die Schrift: Freimüthige Beurtheilung der österreichischenNormalschulen 1783. Niemeyer, schon in der ersten Ausgabe seinerGrundsätze fürErziehung und Unterricht" 1786), und für neue tiefgreifende Regungen Raum schaffte(v. Rochow; Gründung seiner Dorfschule 1773. Basedow's Philanthropin, 1774), jene

*) Ein vollständiges Verzeichnis von Felbiger's zahlreichen Schriften (auch aus dem Gebietder populären Naturkunde) s. in Mensel's Lexikon der von 1750 1800 verstorbenen deutschenSchriftsteller III. S. 2S7 ff.