Falk.
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Fähigkeiten, s. Anlagen.
Falk, Johann Daniel, als Dichter und Satiriker eine der Größen zweitenRanges im Weimar'schen Kreise, bedeutender durch seine pädagogische Wirksamkeit imSinne eines lebendigen und praktischen Christenthums, als Stifter der ersten deutschenRettungsanstalt und als Begründer der innern Mission auf pädagogischem Gebiete,wurde im Jahre 1768 in der damals reichsfreien Stadt Danzig in einer ehrsamenHandwerkerfamilie geboren und in der reformirten Kirche getauft. Sein Vater warPerükemnacher. Die Mutter stammte aus einer in Danzig einheimisch gewordenenGenfer Familie. Im Hause herrschte eine ernste Religiosität im positiv gläubigenSinne der alten Zeit; die Mutter gehörte der Brüdergemeinde an. Die Eindrücke,welche dem empfänglichen Knaben hiervon zu Theil wurden, waren tief und bleibend.Im übrigen war die Erziehung sehr streng, ja zumal für den angehenden Jünglingwohl etwas hart und allzusehr beschränkend. Talentvoll und geistig belebt wie er war,wurde er schon im lOten Jahre der Volksschule entzogen, um in der Werkstätte desVaters seine Berufsbildung zu empfangen. Dem sehnsüchtig nach höherer Geistesbildungverlangenden wurden alle weltlichen Bücher verboten, wodurch jedoch nicht verhindertwerden konnte, daß er im geheimen, selbst beim Schein der Straßenlaternen, sich einereifrigen begreiflich ungeordneten Lectüre ergab, wozu die Schätze einer Leihbibliothekihm den Stoff boten. Besonders fesselte ihn Wieland's Uebersetzung des Lucian.Der Zwang der häuslichen Erziehung und die Beschränktheit des aufgenöthigten Berufesverleitete ihn sogar zu Fluchtversuchen; er gedachte im unbestimmten Drange der Frei-heit und abenteuerlicher Thatenlust zur See in die weite Welt zu gehen und wäre fastSeelenverkäufern in die Hände gefallen, wenn nicht der Zufall und religiöse Eindrückeihn zurückgehalten hätten. Ebenso wurde er auf dem Wege zu schlechter Gesellschaft,wohin die Verführung ihn ziehen wollte, durch den Eindruck der Kirchenmusik, die auseinem offenstehenden Gotteshause ihm ins Ohr drang, zurückgehalten und gerettet. Ererkannte diese Bewahrungen mit religiösem Dank; und als er auch aus der fast un-vermeidlichen Gefahr des Ertrinkens beim Schlittschuhlaufen auf der Weichsel durchdie treue Hingebung seines jüngern Bruders gerettet worden war, sprach sich in ihmdie Ueberzeugung aus, daß er von Gott, „der sich so viele Mühe um ihn gebe," Wohlnoch zu etwas recht Gutem bestimmt sein möge. Und in dieser Ueberzeugung bestärkteihn nicht wenig das Wort seiner Tante Anna Martens, einer Herrnhuterin: „Johannes,sagte sie, Gott ist abermals mit dir gewesen, er wird dich nicht verlassen noch versäu-men, wenn du ihn nicht verlässest. Denn ich weiß und bin dessen gewiß in meinemGeiste, daß dich der Herr zu seinem Dienste erkoren hat." — Unterdessen war Falk'sVater durch den Einfluß von Verwandten und Freunden dahin gebracht worden, denBildungskreis seines Sohnes in etwas zu erweitern. Zuerst wurde Unterricht in derMusik gewährt, und Falk konnte bald bei den musikalischen Aufführungen in einerkatholischen Kirche Mitwirken. Sein Talent, sowie seine gefühlvolle Hingebung an diereligiöse Musik scheint die besondere Aufmerksamkeit und Theilnahme des Geistlichenauf ihn gelenkt zu haben. Den Antrag desselben, katholisch zu werden, wies er jedochunter einem Thränenerguß mit den Worten: „Usveronckö xatsr, nein, ich bin aufChristum und Calvinum getauft und so gedenke ich auch in diesem Glauben zu sterben,"ein für allemal zurück. Der Musik folgte das Englische (der französischen Sprachewurde er im Kreise der Verwandten mächtig), und endlich gestattete der Vater den Ein-tritt in das Gymnasium zur Vorbereitung für das Studium der Theologie, jedochunter der Bedingung, daß der Sohn auch jetzt bis zu seiner Abreise auf die Universitätimmer noch ein paar Stunden in der Werkstatt arbeite. Der Rath von Danzig unter-stützte den hoffnungsvollen jungen Mitbürger durch Stipendien. Im Jahr 1787 bezogFalk nach einer zweijährigen mit äußerster Anstrengung benützten Gymnasialzeit dieUniversität zu Halle. Der Rath gewährte ihm auch fernerhin seine Unterstützung. DieHerrn entließen ihn mit ernsten und feierlichen Worten. Sie erklärten ihn für ihren