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Ethik.
gar nicht durch unsre eigne THLtigkeit zu Stande kommen (wie Leben und Gesundheit),wie ferner auch die Formen der Gemeinschaft, (wie Familie, Staat, Kirche) nur dannein Gut für mich sind, wenn ich eine Gabe Gottes in ihnen genieße: so vollends istweder der Staat noch die Kirche noch die Totalität aller sittlichen Thätigkeit und allerihrer Resultate das höchste Gut, sondern dies ist allein Gott; von ihm bekennt derPsalmist: „wenn ich nur dich habe, frage ich nichts nach Himmel und Erden;" ihn be-singt der christliche Dichter (Tersteegen) als das „allgenugsame Wesen, das ich Hab er-lesen mir zum höchsten Gut." (Wie sich dies im christlichen Begriffe der Seligkeitentfaltet, dies ist sorgfältiger als sonstwo von Jäger „Grundbegriffe der christl. Sitten-lehre" S. 103 ff. auseinandergesetzt.) Es ist auch hier klar, wie wichtig die genaueBestimmung der ethischen Principien für die Pädagogik ist. Wo der persönliche Gott,wie er in Christo offenbar geworden, also Gott in Christus nicht als höchstes Gut er-kannt wird, da kann auch die Erziehung kein höheres Ziel sich stecken, als etwa: daßder Zögling dereinst in Staat oder Kirche eine Stellung gewinne, wo er an den dieseGemeinschaften constituirenden Thätigkeiten activen Antheil nehmen kann.
3) Dies führt uns noch auf einen letzten Pnnct. Wie Hegel die wahre, objectiveSittlichkeit im Staat zu finden meinte, so ist es unter den theologischen Ethikern üblichgeworden, die Kirche in der Ethik ganz überwiegend zu betonen; bei Schleiermacher istja das sittliche Handeln, wie es die christliche Ethik zu beschreiben hat, wesentlich nurdas Handeln in der Kirche. So haben auch bei den neueren Ethikern der Staat, dasRechtsgebiet, die Geselligkeit als sittliche Potenzen eine bedeutende Stelle im Systemgefunden. Das sticht sehr ab gegenüber der alten Lehre von den christlichen Lebens-pflichten, dis, wie die Auslegung des Dekalogs, immer nur den Einzelnen als das ver-pflichtete Subject ins Auge gefaßt hat. Die Ethik hat unzweifelhaft daran einen Ge-winn gemacht; nicht nur hat sie von der Kirche zu reden als der Bewahrerin und nn-ermüdeten Verkündigerin des Gotteswortes, das dem Menschen stets das sittliche Urbildvor Augen hält (vgl. Jäger a. a. O. S. 72 f.), sondern unter den christlichen Lebens-Pflichten muß speciell eine Reihe derselben Vorkommen, deren Object die Kirche selbst ist —Kindespflichten, die wir alle gegen sie als unsre geistliche Mutter haben. Ja, wir gebennicht nur zu, daß sich (wie wir in Len angeführten Werken von Chalhbäns und Fichtesehen) unter geschickter Hand die sammtlichen Tugenden an die Gemeinschaftsformen derFamilie, der Kirche, des Staates (denen sich bei Fichte II. 2. Z 162—173 noch ein„Organismus der humanen Gemeinschaft," für Kunst, Wissenschaft, Cultur und Freund-schaft beigesellt) anschließen, sondern daß in den öffentlichen Institutionen überhaupt einereelle Sittlichkeit niedergelegt ist, die sich, unabhängig von der Gesinnungs- und Hand-lungsweise der Einzelnen, darin verkörpert und fixirt hat. Allein über dieser Wahr-nehmung hat man allzusehr vergessen, daß (wie dies Jäger a. a. O. Einleitung Z 1.S. 1 f. richtig hervorhebt) der Hauptgegenstand der Ethik nur das Individuum ist; ganzgenau, wie die Pädagogik nicht ins große arbeitet, sondern den einzelnen Menschenals ihr Object betrachtet, hat die Ethik ihn als dasjenige Wesen zu behandeln, in dessenPersönlichkeit das christliche Leben zur Vollendung kommen und ein Reich Gottes werdensoll. Christus stiftet nicht irgend welche politische oder kirchliche Institute, sondernmacht sich lediglich mit Personen zu schaffen; die Schrift kennt keine Pflichten des Staates,sonvern der Richter, der Obrigkeiten und Ünterthanen; sie kennt nur da sittliche Gebote,wo auch Verantwortung ist, verantworten aber können sich bloß die Individuen; für sieallein ist eine künftige Verklärung verheißen, das Institut der Kirche mit Regiment undGesetzen wird ebensogut ein Ende haben, wie das Institut des Staates, nur die Personenwerden bleiben und die Gemeinschaft der Liebe (1 Kor. 13, 13), eine Gemeinschaft, zuderen künftiger Constituirung, d. h. himmlischer Vollendung die irdischen Organisationen,also namentlich die der Kirche, keineswegs in demselben nothwendigen Verhältnisse stehen,in welchem dazu das sittliche Leben und Wachsthum der Einzelnen steht. Darum sindauch alle jene Gemeinschaftsformen für die Ethik so wenig der wahre Ausdruck des