Erziehungsanstalten.
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richt von 10 Hauptlehrern, die Nebenlehrer ungerechnet, wo nicht die Band I. S. 790Anm. angedeutete Einrichtung getroffen ist; in der Anstalt Stetten konnte, da die unterstenund obersten Elasten wegen geringerer Schülerzahl in Abtheilungen mit mehreren Jahres-cursen — und nicht zu ihrem Schaden — zusammengczog en waren, ein Zögling vom8. bis 18. Lebensjahre mit 6 Hauptlehrern durchkommen.
Auch auf die enge Verbindung weist man hin, in der die Lehrer einer Er-ziehungsanstalt mit den Zöglingen stehen, und die dem scharfen jungen Auge die Aus-spähung ihrer Schwächen leichter ermögliche. — Auch das ist richtig; aber es bedarffür dieses Auge nicht einmal einer so engen Verbindung, wie manche Erfahrung ausöffentlichen Schulen sattsam beweist. Andererseits hat es mit der Erlauschung vonSchwächen am Lehrer und Erzieher keine große Gefahr, wenn nur der Kern desselbenein gediegener und wahrhaft achtungswerther ist. Die Zugend hat bei all ihrem feinenOrgan für die Schwächen ihrer Vorgesetzten doch auch ein feines Sensorium für WahreLiebe zu ihr. Ein persönlich tüchtiger Charakter wird in demselben Maße tiefer,ziehender, nachhaltiger auf seine Zöglinge wirken, als sie ihm auch äußerlich näher stehenund so Zeugen auch seines Lebens außer der Schule sein können. So hat man schonSinn für äußere Ordnung, für das ästhetisch Schöne, für Natur, für fleißige Zeitbe-nütznng, Strenge gegen sich selbst rc. vom erziehenden Lehrer ohne viel Worte bloßdurch Anschauung seines Privatlebens auf die ihm näher verbundenen Knaben oderJünglinge übergehen sehen. Vater und Mutter haben oft auch ihre Schwächen, ihreKinder sind dafür nicht blind, und doch wird wahre Liebe und Achtung dadurch nichtgehindert.
Man weist aber, um verschiedene minder gewichtige Einwürfe zu übergehen, auchans das Personale der Zöglinge hin, auf das Zufällige und Künstliche einer so großenAnstaltsfamilie, die nach jeder Seite hin im Gegensätze zu einer gottgeordneten, natur-wüchsigen Familie stehe. Der Hausvater, sagt man, und die Hausmutter sind denAnstaltskindern von Hans aus fremd, und diese sich selbst untereinander. Sie kommenans verschiedenen Kreisen des bürgerlichen Lebens und sind aus eben so verschiedenengeistigen und sittlichen Atmosphären heraus zusammengewürfelt, dazu in einer Anzahl,welche eine gewisse kasernenartige Vertheilung und Ordnung nöthig macht. Ueberdiesentbehrt diese große Kinderschaar im Erziehungshause absichtlich auch der Mischung derGeschlechter, welche in der natürlichen Familie bei Brüdern und Schwestern so wohl-thätig, bald mildernd bald härtend, wirkt. Die Künstlichkeit steht dieser Anstalts-familie allenthalben angeschrieben! — Allein ein Lebensverhältnis ist darum noch nichtverwerflich, daß es nicht ein natürlich gewachsenes, sondern ein künstliches ist. Einewohlgeordnete Erziehungsanstalt wird sich der Familie möglichst annähern, sie wird ihreZöglinge nach Alter, nach geistigen und sittlichen Bedürfnissen abtheilen und gliedern,sie wird aus dem Haufen leichter überseh-und leitbare Häuflein machen; will sie aber demKinde die Familie wirklich ersetzen, so wird sie immer zu kurz kommen. Begiebt sie sich desAnspruchs, sein zu wollen, was sie nun einmal ihrer Natur nach nicht ist, will sie nichtsanderes sein, als sie sein kann, eine künstliche d. h. dennoch eine nach den Grundsätzenwahrer Jugendbildung geordnete und möglichst zweckgemäß bemessene menschliche Veran-staltung, wie sie ja jede Schule in ihrer Art auch ist, so hat sie dazu nicht nur einRecht, sondern ihrerseits sogar Vortheile in der Hand, welche die natürliche Familiemehr oder weniger entbehrt. In dieser sind die Kinder im Grunde Nebenpersonen;sie mäßen vieles sehen, hören, sich in vieles schicken, was für sie eigentlich nicht paßt,manchmal offenbar nachtheilig wirkt. In der Anstalt sind die Kinder die Hauptpersonen,um deren willen das Haus und alles in demselben vorhanden ist. So wird denn auchalles, Arbeit und Spiel, Geistiges und Leibliches, die ganze Tages- und Nachtordnung rc.auf sie berechnet sein. Dessenungeachtet sorge man nicht, daß es dadurch den Anstalts-kindern zu gut werde und daß ihnen das Salz der Selbstverleugnung, der Demüthigungund Unterordnung unter ein höheres Ganzes, wie das Heimathaus es bietet, fehle.