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Erzieher.
Vorgänger von Jacotot, behauptete, wer nur die rechte Methode befolge, könne selbstdas lehren, was er selber nicht verstehe; aber diese seine methodischen Künste sind meistvergessen, und wenn seine Principien und die von ihm ausgegangene Bewegung sichnachhaltiger wirksam erwiesen, als die anderer Methodiker, so hatte dies eben darin seinenGrund, daß sie von dem sittlichen und religiösen Pathos einer von demüthiger und hin-gebeuder Liebe erfüllten Persönlichkeit getragen und durchdrungen waren; Pestalozzi selbstbietet also ein Beispiel des Einflusses der Persönlichkeit, für welchen bei Aufstellungseiner Theorie das Auge ihm verschlossen war, und indem er die pädagogischen Bestre-bungen wieder mit dem warmen Hauche der Religiosität erfüllte, von welchem bei denvorhergenanntcn Neuerern wenig zu spüren ist, und auf die Mutter als die erste undeinflußreichste Erzieherin, auf das Haus als die eigentliche Stätte der Erziehung, aufden Zusammenhang der Erziehung mit dem gesammten Volksleben hinwies, trug ermittelbar dazu bei, das Verständnis für die Bedeutung der Persönlichkeit des Erzieherswieder zu wecken.
Sobald nämlich einmal die Religiosität oder, bestimmter gesprochen, die christlicheFrömmigkeit als wesentlichste Grundlage und höchstes Ziel aller Erziehung erkannt ist,und sobald die Schule in ihrem unzerreißbaren Zusammenhänge mit der Familie unddem gesammten Volksleben, der einzelne Zögling in seiner Abhängigkeit von der Gesell-schaft und den in ihr wirkenden heiligenden oder verderblichen Kräften aufgefaßt wird,muß der Aberglaube an die Untrüglichkeit abstracter methodischer Theorieen aufhören.Denn dann ist auch die Einsicht gewonnen, daß an den Fehlern des Zöglings nichtetwa bloß sein Unverstand schuld ist, dem dann lediglich durch Belehrung anfzuhelfenwäre, daß vielmehr auch der selbstsüchtige Wille des Kindes der besseren Einsicht wider-strebt oder träge hinter ihr znrückbleibt und eben darum von der erlösenden und heiligen-den Kraft des Christenthums ergriffen werden muß, und es drängt sich jetzt unabweis-bar die Erfahrung auf, wie viel davon abhängt, ob die heiligende Macht des Evan-geliums dem Zögling von dem Erzieher rein und mit einer ans eigner Erfahrungruhenden Kraft der Ueberzeugung mitgetheiit wird, ob die höheren Gesetze der Gemein-schaft, für welche er erzogen werden soll, von dem Erzieher nicht bloß dargelegt, son-dern auch dargelebt werden. Die Schuld des Mislingens wird jetzt nicht mehr alleinauf die schlechte Methode, noch auch auf die Unfähigkeit oder gar Böswilligkeit derZöglinge geschoben, sondern der Erzieher erinnert sich bescheiden, daß auch er des Ruh-mes mangele, den er in seinem heiligen Berufe vor Gott haben sollte und daß auchihm in ganz besonderem Sinne das Wort oes Herrn gelte: „Was ihr Wollt, daß euchdie Leute thun (hier die Zöglinge), das thut ihr ihnen auch!" Es ist darum charak-teristisch, daß der Pietismus, wie er auf kirchlichem Gebiete der einseitigen Rücksichtauf reine Lehre die Forderung eines thatkräftigen christlichen Lebens entgegenstellte, soauch in der Pädagogik nicht der correcten Methodik allein vertrauen wollte, sondern,entsprechend seiner Lehre von der tlrsoloAm rrrsAenitornm, auch von der Erziehungdurch solche, die selbst nicht im vollen Sinne Erzogene seien, nichts wissen wollte: dertreffliche I. I. Rambach, dessen „Wohlunterrichteter Informator. Züllichau 1742"als normale Darlegung der pädagogischen Grundsätze des alten Pietismus vom bestenSchrot und Korn gelten kann, hält es für der Blühe werth, in den 4 ersten von den8 Capiteln jener Schrift von dem Erzieher zu handeln, erst von seinen Gaben undQualitäten und dann von seinen Pflichten, gegen sich selbst, gegen die Eltern und gegendie Kinder. Und so blieb es auch in der folgenden Periode der Aufklärung religiösangeregten Männern überlassen, gegenüber den pädagogischen Fanatikern der Methodeauf die Bedeutung der Persönlichkeit des Erziehers aufmerksam zu machen. So Ha-mann, welcher dem Erzieher das höchste Ideal vorhält, indem er sagt (I. 158): „Einrechtschaffener Lehrmeister muß bei Gott und sich selbst in die Schule gehen, wenn erdie Weisheit seines Amtes ausüben will; er muß ihn nachahmen sowie er sich in derNatur und in der heiligen Schrift offenbart, und vermöge beider in gleickier Art in