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2 (1860) Director - Globus
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Englische Sprache.

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Lorv äo ^ou äo? sich zu erkennen gibt. ,Wie handelt ihr?' fragt er seinen Freund;,wie geht es?' fragt der flüchtige Franzose und der ruhige Deutsche; ,wie steht es?'fragt der stabile Ultranwntaus. Daß eine solche Sprache einen hohen pädagogischenWerth für unsere Jugend haben muß — wird wohl niemand bezweifeln wollen.

Gehen wir nun zu dem rein geistigen oder literarischen Werth der engl. Spracheüber, so kann ihr auch darin eine hohe Bedeutsamkeit nicht bestritten werden. Dnfindet der Knabe die ergötzlichsten Jugendschriften im reinsten Idiom, theils logisch sichentwickelnde Gespräche über die zunächst liegenden Gegenstände des alltäglichen Lebenstheils moralische oder religiöse Schilderungen aus dem englischen Familienleben, demgastlichsten und patriarchalischsten, das es in Europa giebt, theils zu Thaten spornendeSchilderungen aus dem Leben der englischen Kriegshelden, die durch ihr strengesPflichtgefühl der Jugend reiner vorleuchten als die französischen Ruhmeshelden. Dieenglischen Jugendschriften sind es, welche die deutsche Jugendliteratur hervorgerufenhaben. Von Campe an bis auf Hoffmann und Dielitz, Grube und Gerstäcker hateine Bearbeitung und Nachahmung der engl. Jugendschriftsteller einen heilsamen Ein-fluß auf die deutsche Jugend ausgeübt. In England selbst gilt die Jugendliteratur fürso wichtig, daß die berühmtesten Schriftsteller des Landes es nicht verschmähen, für dieJugend und die Familie zu schreiben. Zeuge: Walter Scott, TÄss ok a dranckkatUer;Charles Lamb, lalos trom Lllalrsspsars; Dickens, Housollolcl IVoräs.

,Das Kind ist der Vater des Mannes' — diesen englischen Grundsatz lernen wirDeutsche aus den englischen Jugendschriften neuerer Zeit werthen und wahrlich zum sicht-baren Frommen unserer Jugend.

Hat schon die engl. Jugendliteratur solche Bedeutung, so steigert sich dieselbe mitjeder weiteren Alters- oder Gesittungsstufe. Der reifere Jüngling findet in den engl.Reisebeschreibungen eine Lectüre, die ihm die deutsche Literatur in solcher Aus-dehnung nicht verschaffen kann. Besonders fühlt er sich durch die englischen Ge-schichtschreiber angezogen, sei es daß sie die politische Geschichte Großbritaniens inihrer constitutionellen Entwicklung darstellen, wie Hume, Mahon, Macaulay, Hallam,Lingard oder daß sie ihre staatsmännischen Erfahrungen, ihren parlamentarischen Maß-stab, ihre praktische Gelehrsamkeit zur Erforschung des Alterthums benützen, wie Mid-leton, Gibbon, Merivale, Arnold, Mitford, Grote oder zur archivalischen Erschließungdes Mittelalters wie Hallam, Sharon Turner, Palgrave oder endlich die Geschichteaußereuropäischer Länder behandeln wie z. B. Malcolm, Geschichte von Persien, MillsOstindien, Davies China und des Amerikaners Prescott, Geschichte von Mexicound Peru.

Selbst Töchtern darf man ohne Besorgnis die Pforten des englischen Literatur-schatzes eröffnen — sie finden daselbst die reinsten, edelsten und dennoch lockendsten Gaben.Statt der Geschichten einer Madame de Genlis, einer Krüdener, die meistens die reue-volle Umkehr berühmter Buhlinnen behandeln, reicht ihnen eine Miß Edgeworth, MißAusten, Mrs. Kennedy eine gesunde Hausmannskost und anstatt die Ll^stsrss cloUarisoder eine George Sand heimlich lesen zu müßen, darf jede Tochter offen vie Romaneeiner Currer Bell, Miß Kavanagh, Lady Fullerton, Mrs. Marsh, Miß Howitt oderMrs. Gore lesen, ja selbst Bulwer, Dickens und Thackeray können im Familienkreisegelesen werden.

Von dem hohenWerthe der englischen Poesie will ich gar nicht reden. Thatsacheist es, daß viele Leute das Englische lernen, nur um Shakespeare in der Ursprachelesen zu können. Freilich concentrirt dieser einzige Geist, dessen durchdachte und durch-fühlte Lectüre eine lange Spanne Zeit erfordert, das Interesse für die engl. Spracheim Ausland fast ganz für sich, zumal jetzt der Byrontaumel sich ernüchtert hat und dieneueren Dichter Rogers, Campbell, Wordsworth, Shelley, Southey, Coleridge, Mrs.Hemans und Tennyson erst in unseren Tagen, hauptsächlich durch die vortrefflichenUebersetzungen Freiligraths bei uns Interesse zu erregen beginnen.