Empfindlichkeit.
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düng an, sondern wie Seele und Muth sich dazu stellen, sie begleiten', reagirend, neu-tralisirend, wie das Aeußere ins innere Leben übersetzt wird.
Diejenige Empfindlichkeit, welche im leiblichen Leben nicht ihren Sitz, sondern nurihre Ausläufer hat, ist ernsthafter anzugreifen, weil in der sinnlichen Weichheit der sitt-lichen Weichlichkeit entgegengetreten werden muß. Man findet sie in allen Ständen, wiejeder^weiß, der mit dem Armenwesen zu thun hatte oder in Schulen. Klagen der Elternüber zu vieles Lernenmüßen gehen nicht vorzugsweise von den wohlhabenden Häusernaus, und die Suppenanstalten haben auch während der bittersten Nothzeit ihre Tagemit geringem Zulauf —- es sind die Tage, da eine minder angenehme Speise auf demKüchenzettel verzeichnet ist. — Die in Kindesliebe verkleidete Eigenliebe der Eltern legtdurch Verzärtelung den Keim zu Ansprüchen und Mißbehagen, so daß jene allererst sichselbst im stillen strafen müßen, wenn sie endlich sich genöthigt sehen, dem weichlichenWesen mit Strenge ein Ende zu macheu. Wo man gewiß ist, keine physischen Ursachender Empfindlichkeit vor sich zu haben, da soll ohne Schonung dagegen gekämpft undneben dem Zwang zur leiblichen Uebnng und zur geistigen Arbeit auch der verdienteSpott angewandt werden, damit nicht Leute heranwachsen, die, weil sie nur an daseigene Wohlsein denken, der allgemeinen Wohlfahrt im Weg stehen und im Amt wiein der Familie hinter ihrer Pflicht Zurückbleiben, und daß von den Zeiten der Noth, desKrieges u. dergl. nicht ein schwammiges, winselndes Geschlecht überfallen werde. Da-gegen aber darf keineswegs ein Uebel durch das andere ausgetrieben werden wollen,indem man in den Knaben etwa neben der Turnfrende einen Turnerstolz und die Eitel-keit auf die leibliche Uebung weckt, wodurch die Uebung in der Gottseligkeit hintangesetztwird; denn der Leib soll ein Diener des Geistes sein und als solcher fähig und willigzum Dienst, nicht aber, daß er seinen Herrn zur Hoffahrt reize, als wodurch in Wahr-heit der Geist wieder unter ihn kommt.
Die Empfindlichkeit von rein psychischer Art kommt gemeiniglich bei solchen vor,welche daheim verhätschelt, mit Loben und Lieben verderbt und zu hohen Ansprüchenverwöhnt worden sind, die es dann bitter fühlen, wenn andere ihnen nicht ebenso vielRücksicht schenken wollen; sowie bei solchen, die sich einer geistigen Schwäche, namentlichdes Urtheilsvermögens, bewußt sind. Dumme Leute sind hierin den Tauben ähnlich —mistrauisch und in Angst, man verhöhne sie; so zeigen auch häufig die Leute auf demLand und die Ungebildeten gegenüber von Städtern und Gelehrten ein Mistrauen, alswollten sie gefoppt werden, und obwohl unter sich zu den derbsten Spässen aufgelegt,nehmen sie von diesen auch wohlgemeinten Scherz gern übel auf, daher ihnen z. B. dieSprache Hebels nicht leicht mundet, und auch sonst manches populär Geschriebensein-wollende keineswegs sich als volksthümlich erweist. Unterricht und Bildung muß solcheEmpfindlichkeit durch Hinwegräumuug ihrer Ursachen zu heben suchen, während gegen-über dem natürlichen Mangel eben der Spruch gilt: wir, die wir stark sind, sollen derSchwachen Gebrechlichkeit tragen.
Empfindlich sind aber nicht bloß die Schwachen; auch begabte, gebildete, wohl-ausgerüstete Menschen können es sein. Namentlich der Ehrtrieb macht sie dazu, daßdann ihre Seele gleichsam immer auf der Wache steht, weithin Feindseliges merkt,jeden Mangel der Anerkennung fühlt, alles auf sich bezieht. So quälen sie sich selbstund werden andern lästig, indem sie viel von ihnen ansprechcn und wenig dagegenleisten; sie tragen gerne nach und im geselligen Umgang sind sie heikel wie ein schaal-loses Ei. Hier liegt der Schaden nimmer an bloßer sittlicher Weichlichkeit, sondern csist die Selbstsucht, die das eigene Ich zum Mittelpunct gemacht hat. Um dem Wachs-thum dieses Uebels zu begegnen, hilft kein Mittel als religiöse Erziehung, d. h. Hin-leitung zum wahrhaftigen Mittelpunct des Lebens. Sich selbst und alles, was manist, thut und leidet, auf Gott beziehen, das giebt feine Fühlsäden und doch kein empfind-liches Wesen dabei, weil das Empfundene abgelenkt wird von dem Ort, da sich Schmerzund Weh ausbrütct, und hingelcnit wird an den Ort, von wo Geduld und Muth