Dummheit.
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Herzen sprechen: es ist kein Gott. Man muß ordentlich Verstand haben, Wenns in derThorheit ein Stück geben soll. (Vergl. die feinen Bemerkungen in Kants Anthropologie).
Ob ein Zögling dumm sei, fällt in der Regel nicht schwer zu erkennen. Schwie-riger ist die Heilung ooer Verminderung dieses Fehlers, namentlich darum, weil dazuneben richtiger Diagnose viel Geduld und Beharrlichkeit erfordert wird. Fürs erste istzu unterscheiden, ob einer allgemein oder nur in gewissen Fächern, ob im Leben undThun oder nur im Lernen dumm (vernagelt) ist. Allgemeine D. wird in der Regeleinen merkbaren Zusammenhang mit physischen Ursachen haben, seis mit angeborenen undbleibenden (Hirnarmut) seis mit in der körperlichen Entwickelung begründeten und vor-übergehenden, und ist hier mit Gewalt nichts zu erzwingen, in letzterem Fall auch keines-wegs zu verzweifeln, sondern mit Geduld die Urtheilskraft zu üben und derselben möglichstbeizukommen auch ans Nebenwegen — sinnliches Interesse, Bilder u. dgl. Denn esist kein Zweifel, daß auch schwache Gaben gesteigert werden können, gleichwie einemungünstigen Boden doch noch ein Pflanzenwuchs abzugewinnen ist, wobei sich der Humusmit vermehrt. Partielle D. scheint zuweilen fast ein nothwendiges Seitenstück zu außer-ordentlicher partieller Befähigung zu sein, wie bei Mathematikern gefunden wird, daß esihnen an der Urtheilskraft für Geschäfte fehlt; bei näherer Betrachtung aber wird sichhäufig zeigen, daß vielmehr die Urtheilskraft nur schlummert aus Mangel an Interesse,als welches ganz von den Zahlen, wie zuweilen bei Gelehrten von Büchern, absorbirtwird und also jene nicht in Bewegung setzt, ansonst ein solcher Mensch mit völligunterbundener Ader des Urtheils ein Recheusimpel genannt wird. Zuweilen ist jenepartielle D. nur ein Nochnichtaufgeschlossensein der Fassungskraft für ein bestimmtesFach, wie z. B. die Fähigkeit zur Geometrie lange schlummern kann, während die fürSprache rc. schon weit gebildet ist. Ist jedoch ein Schüler im Leben und Thun ge-wandt, im Lernen stumpf, so muß in der Regel auf Trägheit geschlossen werden, dennjenes beweist, daß Urtheilskraft vorhanden, jedoch annoch nur von einem unmittelbarenInteresse in Bewegung gesetzt ist. Indessen spricht sich in der D. oftmals auch nichtsowohl Mangel an Willen als an Muth aus, sei es von Natur oder in Folge einereinschüchternden, liebeleeren Erziehung (vgl. Bormann, Unterrichtskunde S. 4); derSchüler ist schüchtern zum Denken, wagt nicht zu urtheilen, kommt nicht nach, und indieser Hinsicht versündigen sich ungeduldige Lehrer indirect durch rasches Voranmachen mitden Fähigsten an den Mittleren und Wenigfähigen, direct aber durch rauhe und noch mehrdurch verächtliche Behandlung, und geschieht wohl nicht selten, daß sie durch „Dummkopf"-schelten Dummköpfe bilden, und den „Esel" in die Schüler hineinschreien, welchen sieHerausklopfen wollen. Viele Marodeurs sind immer ein Zeichen von schlechter Heer-führung. Weckung des Interesses und Ermuthigung sind, neben der Hebung und nebender Bekämpfung des trägen Willens durch Strafen die auf Heilung der mangelhaftenUrtheilskraft gerichteten Mittel. Und man soll es hierin nicht zu leicht nehmen nochsich etwa damit trösten, daß ja das Kind sonst brav sei; denn im späteren Leben we-nigstens geht D. nicht nngerne mit Bosheit zusammen, die als Zorn und Rache derGeistigschwachen gegen die Ueberlegenen eine Art von Nothwehr üben will.
Es giebt jedoch auch eine Dummheit, welche nicht aus Schwäche und Mangel,sondern eher aus geistigem Ueberfluß entsteht. Nicht jeder hernach berühmt gewordeneMann war ein Wunderkind; man weiß von mehreren, die als Knaben nichts ver-sprachen und für stumpf und müßig oder für träumerisch in den Schulbänken saßen,unter den Kameraden liefen. Da ist, als sammelte sich der Geist im Stillen, ehe ervor der Welt sich zeigen soll; die Fülle des in Keimform Vorhandenen läßt es nichtalsbald zu einer Ordnung und Klarheit kommen, und wenn Verstand und Urtheilskraftdie Münzmcister sind, welche das Metall zum Weltverkehr ausprägen, so ist der Ge-nius ein Bergmann, der erst ungesehen tief unter dem Boden das mit Erde undschlechtem Gestein vermischte Gold ergräbt. Man hat leichter gescheidt sein, wenn manoberflächlich ist; in welchem Gründliches wogt, der braucht Zeit zur Abklärung und