30
Dramatische Aufführungen.
Dummheit.
fern können sie auch da nicht gehalten werden. Gilbert hat in dem Programm derBender'schen Anstalt zu Weinheim (1848, abgedruckt in der Päd. Revue, 1850, April,S. 136 ff.) dramatische Aufführungen in solchen Kreisen mit warmen und liebens-würdigen Worten vertheidigt und empfohlen. Dort werden dramatisirte Märchen auf-geführt, von den oberen Abtheilungen Scenen aus Schillers Wilhelm Tell, Wallenstein,aus Goethe's Götz, Egmont, aus Uhlands und Grabbes dramatischen Dichtungen. SelbstGutzkows Zopf und Schwert und Laube's Karlsschüler wurden benutzt. Von andernPrivatanstalten ist Aehnliches bekannt. In öffentlichen höheren Schulen begnügt mansich längst mit dem einfachen Redeactus, der neben der Probe einer tüchtigen wissen-schaftlichen Leistung zugleich ein behutsames Mittel ist, die Schüler an öffentliches Auf-treten und Sprechen vor einer größeren Versammlung zu gewöhnen.
Gegen dramatische Aufführungen durch Schüler hat sich mit Ernst und NachdruckPalmer in der evangelischen Pädagogik S. 194 ff. ausgesprochen. Von anderer hierhergehöriger Literatur erwähne ich: K. Hase, das geistliche Schauspiel. Leipzig 1858.Palm, Christian Weise. Breslau 1854. Heiland, über die dramatischen Aufführungenim Gymnasium zu Weimar. Ein Beitrag zur Geschichte der Schulkomödie. Weimar,1858. Zur Geschichte findet sich außerdem ein reiches Material in K. Gödekes Grund-riß zur Geschichte der deutschen Dichtung (Hannover 1855), in Gödekes Nömoldt(Hannover 1855), so wie in den literaturgeschichtlichen Werken von Gervinus undCholevius, in Räumers Geschichte der Pädagogik und E. Devrients Geschichte derSchauspielkunst. Heiland.
Dressiren, s. Abrichten.
Drohung, s. Strafen.
Ductus, s. Schreibunterricht.
Dummheit — (— Dunkelheit im Kopf vergl. Weigand Wörterbuch der deutschenSynonymen bei Albern) ist an sich ein Mangel der Urtheilskraft, entweder von Na-tur als Schwäche der Begabung, oder durch Schuld, da jene Kraft nicht geübt oderfalsch gerichtet wird. — Sie unterscheidet sich von der Unwissenheit dadurch, daßdiese Mangel an Wissensstoff hat, neben welchem jemand doch in seiner Art gescheidtsein kann, sofern er nur nicht dasjenige nicht weiß, das er wissen sollte, in welchemFall er ein Ignorant, oder sofern er nicht was er nicht weiß zu wissen scheinen will,in welchem Falle er ein Geck genannt wird: beidemal moralisch fehlend und also tieferhinein dumm. Weil aber die Urtheilskraft sich an Stoffen des Denkens entwickeln muß,so kann, wer von Natur nicht dumm ist, doch mit der Zeit es werden, wenn er unter-läßt, jener den Stoff zuzuführen und sie dadurch zu reizen, daß sie ihr Berstandeslichtleuchten lasse undausbreite; daher denn aus gescheidten Kindern dumme Menschen werdenkönnen, denn die Dunkelheit, welche über den verstandesmäßig unaufgeklärt gebliebenenGebieten des Geistes liegen bleibt, wirft ihre Schatten zurück und trübt auch das vor-handene Licht, und je mehr Unaufgewecktes in einem Gemüth bleibt, desto größerer An-laß ist auch für das Wachere, endlich einzuschlnmmern. Es mag zugleich den Menschenund ihren Erziehern ein warnendes Symbol sein, daß z. B. junge Lämmer gescheidterin die Welt hinein sehen, als ein altes Schaf. — Ferner unterscheidet sich die Dumm-heit von der Einfältigkeit dadurch, daß diese nur nicht viel, jene aber verkehrt auf-faßt, — während Einfalt als Kraft und Wille, ohne Aufwand von prunkendem Verstandgerade auf das Ziel loszugehen, eine Begleiterin der Weisheit und ihr Schild ist; —>von der Albernheit dadurch, daß diese in einem mit Witz vermengten Mangel anUrtheilskraft, von der Thorheit dadurch, daß letztere in Verderbnis eines möglicher-weise glücklichen Verstandes durch moralische Verkehrtheit besteht, so daß was ein solcherVerstand an Gedanken auferbaut, unter sich präcis und consequent sein kann, aber wegendes lockeren Fundamentes sich verschiebt und baufällig wird; daher die Schrift als derWeisheit Anfang die Furcht Gottes nennt, durch welche auch in Wahrheit die Gründedes Lebens fest und geebnet werden, Thoren aber nennt sie diejenigen, welche in ihrem