Direktor.
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ist, so blähe er sich nicht auf und stelle sich nicht so, als wenn er für seine Person allesbesser wisse und schäme sich nicht, sich von dem Kundigeren bestimmen zu lassen, da esnicht darauf ankommt, wer entscheidet, sondern nur darauf, daß stets das Rechteund Zweckmäßige geschehe. Es ist allerdings auch die Pflicht des Directors, jederWillkür und Unvernunft einzelner Lehrer mit Festigkeit entgegenzutreten, kleinlichenAeußerungen der Gewinnsucht, Eitelkeit und Anmaßung mit Nachdruck zu begegnen,Vernachlässigungen offen zu rügen, Zwistigkeiten unter ihnen nach Möglichkeit zu schlich-ten. Aber in diesem abwehrenden Verhalten liegt weder die Hauptaufgabe noch dieHauptkraft des Directors dem Collegium gegenüber. *) Vielmehr ist es seine Haupt-aufgabe, den Geist des Collegiums im ganzen zu beleben. Seine Anordnungen wer-den um so mehr Kraft gewinnen und in das Ganze bestimmend eingreifen, je mehr sieals das Resultat einer vernünftigen Gesammtüb erzeugung des ganzen Lehrercollegiumserscheinen.
Dieses führt aus ein anderes sehr wichtiges Verhältnis des Directors zum Lehrer-collegium, nämlich auf seine Stellung zu den Lehrerconferenzen (Lehrerconventen s. d.Art.). Wir verstehen unter den Lehrerconferenzen die regelmäßig wiederkehrenden Ver-sammlungen sämmtlicher Lehrer einer Anstalt, in denen der Director den Vorsitz unddie Leitung der Verhandlungen hat. Wie das Lehrercollegium mit dem Director an derSpitze den Geist der wissenschaftlichen und sittlichen Bildung der Anstalt repräsentirt,der zu einem lebendigen Eigenthum der Schüler gemacht werden soll, so dienen dieLehrerconferenzen dazu, theils im allgemeinen theils in einzelnen besonders wichtigenFällen die pädagogische Weisheit und Einsicht zu ermitteln und zur Geltung zu bringen.Alle allgemeineren und wichtigeren Verhandlungen, die in das ganze Leben der Schuleeingreifen, hat der Director der Verhandlung und Entscheidung der Konferenz zu über-geben, selbst auch in dem Falle, wo er nach seiner amtlichen Instruction nicht dazu ver-pflichtet wäre. Denn erstlich ist cs für den Director selbst gut, daß er möglichst vielesvor die Conferenz bringt, da er seine eigne Auffassung von der Sache abklärt und er-weitert, wenn er die Ueberzeugungen und Erfahrungen kundiger Fachgenossen hört undvergleicht; zweitens aber ist ein solches Verfahren für die Lehrer selbst und demnächstfür die ganze Schule sehr heilsam, weil sich durch die Conferenzverhandlungen eineallgemeine Meinung im Collegio entwickelt, die dann mit ganz anderer Kraft auf dasLeben der Schule einwirkt, als wenn die Entscheidung bloß von dem Director oder derVorgesetzten Behörde getroffen wird.**) Auch ist jeder Mensch und namentlich der Lehrerso gesinnt, daß er für manche Maßregeln schon dadurch gewonnen wird, wenn ihm dasVertrauen erwiesen und auch an seine Meinung appellirt wird. Es kommt bei derErziehung vor allem darauf an, daß der Erzieher alles, was er thut, mit Neigung,mit Willigkeit und Ueberzeugung thut und das bloße Commandiren ist nirgends wenigeran seiner Stelle, als in der Schule.
Es kann bei dieser Gelegenheit auf die Wirksamkeit des Directors Friedrich Jacobhingewiesen werden, der in dieser freien Weise auf seine Amtsgenossen einwirkte und sichdadurch das beste Verhältnis begründete. ***) Das Hauptmittel, wodurch er außer den
*) Gegen unfähige oder unwürdige Mitglieder des Lehrstandcs das richtige Verhalten zubeobachten, zwischen weichlicher Humanität und rücksichtsloser Härte die richtige Mitte zu halten,gehört zu den schwierigsten Aufgaben des Vorsteheramtes. Sittliche Lauterkeit ist allerdings fürkeinerlei Stellung im öffentlichen Dienste gleichgültig, doch möchte die Wirksamkeit eines Beamtennirgends so unmittelbar von ihr bedingt sein, wie bei Kirchen- und Schulämtern; sollte mannicht in Rücksicht darauf den Grundsatz empfehlen, Stellen, deren Versetzung am wenigsten durchgewisse persönliche Eigenschaften bedingt ist, vorzugsweise mit solchen Gliedern der genanntenStände zu besetzen, deren Entfernung wnnschenswerth geworden ist? D. Red.
**) Der preußische Minister Zedliz sagte: der Lehrer, der das „O ja" oder „Wie Sie befeh-len" zum Refrain hat, ist bei weitem nicht der beste (Progr. Liegniz 1840 S. 42). Die Red.
***) Vergl. Friedrich Jacob in seinem Leben und Wirken dargestellt von Claffen. Jena 1855.