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10 (1875) Vocabellernen - Zwingli und Nachtrag
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Zeichnen.

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nicht immer gerecht werden. Indes könnte bei zweckmäßiger Gestaltung des Untcrrichts-plans ein Realgymnasium immerhin für das Zeichnen in 6 Jahren dieselbe Gcsammt-stundenzahl gewinnen wie eine Realanstalt in 4 Jahren.

Wenn oben, bei Anführung der gegen Einzelstunden sprechenden Gründe, einesLocalwechsels Erwähnung geschah, so ist damit schon gesagt, daß das Zeichnen eineigenes Lehrzimmer mit besonderer Einrichtung verlangt. Wo die Schüler auf dengewöhnlichen Subsellien zeichnen müßen, ist nicht viel zu erreichen. Der Zeichensaal mußmit hinreichend breiten Tischen versehen sein, vor denen die Schüler auf einzelnenSiühlchen (nicht auf gemeinschaftlicher Bank) sitzen. Wird frei nach Vorlagen gezeichnetso trägt zur Aufstellung derselben der Tisch am hintern Rande eine etwas schräg ansteigende Lehne. Für eine nach körperlichen Modellen zeichnende Schülerabtheilung könnendie Modelle ans die Tische gesetzt werden, wenn zwischen den Tischen so großer Raumbleibt, daß die Schüler, welche hier nicht auf der Tischfläche sondern auf einer vom Kniegestützten Rahme arbeiten (worüber später), in gehöriger Entfernung vom Modell sitzenkönnen; noch bester ist, einen Abschnitt des Saales frei von Tischen zu lassen und dieModelle auf besondere Ständer zu stellen. Kann dem Freihandzeichen und dem construircn-den Zeichnen je ein besonderer Saal eingeräumt werden (wie cs eigentlich immer der Fallsein sollte), so gewinnt man den Vortheil, daß sich dann in jedem Saale die Ein-richtungen ganz nach den speciellcn Bedürfnissen des einen oder andern Faches treffen lassen?) Unter allen Umständen muß ein Zeichensaal reichliches Licht haben, soll aber keinedirccten Sonnenstrahlen empfangen, also womöglich nach Norden liegen. Auch bei künst-licher Beleuchtung am Abend werden Zeichnungsübungen (in Fortbildungsschulen undAkademien) ohne Beschwerde getrieben, wenn Gaslampen mit zweckmäßigen Schirmen ingenügender Zahl und Stellung angebracht sind. Das construirende Zeichnen erfordertsehr ruhiges Licht und deshalb Argand'schc Brenner mit Zuggläscrn, **) während fürdas Freihandzeichnen das intensivere Licht der freien Gasflamme vorgezogen wird.

Die beiden Hauptrichtungen des Zeichnens sind nun gesondert noch näherer Be-sprechung zu unterziehen.

I. Freihandzeichnen. Man hat früher ziemlich allgemein angenommen, derUnterricht habe mit dem Copiren von Vorlegeblättern nicht bloß zu beginnen, sondern dielängste Zeit dabei zu verweilen, und er dürfe erst spät sich an das Abzeichnen körper-licher Gegenstände wagen. Darin ist ein Umschwung eingetreten. Die Brauchbarkeitund Nützlichkeit guter Vorlagen wird auch heute noch nicht verkannt; aber tüchtige Lehrerlassen ihre Schüler so bald als möglich sich am Zeichnen nach Körpern versuchen. Derneueren Auffassung liegt die Erkenntnis zu Grunde, daß das eigentliche Ziel des Zeich-nens doch die Darstellung des Körperlichen sei und daß man auf dieses Ziel direct los-gehen müße. Wie wenig ein fortgesetztes Nachbilden von Vorlegeblättern zum Ziel führt,darüber hat die Erfahrung längst entschieden. Kommt ein in solchem Nachbilden völliggeübter, aber nie darüber hinausgeführter Schüler zu einem andern Lehrer, der nuneinen wirklichen Gegenstand im Raume vor ihm aufstellt, so ist die Regel, daß das Ab-zeichuen des Gegenstandes sei derselbe auch noch so einfach kläglich misräth, fast ebenso kläglich wie wenn der Schüler zuvor außer einem richtigen Strich noch gar nichts ge-lernt hätte. Augenmaß und Gefühl für lineäre Formen kann freilich durch jenes Copirenerlangt werden, kaum aber das rechte Verständnis der in einer Vorlage angedeutetenplastischen Gestaltung, und auf keinen Fall der scharfe Blick in den Raum. DasAuge des Zeichners hat sich an ein Schauen zu gewöhnen welches vom gewöhnlichen^etrachten der Dinge verschieden ist. Jede Zeichnung nach einem körperlichen Objecttzt eine perspectivische Projcction desselben; ehe die Zeichnung begonnen werden kann,

(Vgl. d. Art. Schulgeräthschaftm Bd. VIII. S. 934 f. D. Red?

Gläser von etwas bläulicher Farbe, wie sic vor einigen Jahren in den Handel gebrachtworden, aber bedauerlicherweise wieder verschwunden sind, eignen sich am besten, weil sie auf dasPapier des Zeichners ein völlig weißes Licht bringen.