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10 (1875) Vocabellernen - Zwingli und Nachtrag
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Lenvphvn.

Daß Lenophon als Sokratiker die philosophische Bedeutung und die wissenschaft-lichen Gedanken des Meisters nur unvollkommen erfaßt hat, bei aller Bewunderung fürdie Größe seines Charakters, ist jetzt wohl allgemein zugestandcn (vgl. Zeller, diePhilosophie der Griechen II. 1, 167). Auf die Frage, ob das in den Memorabilienvon ihm aufgestellte Bild des Sokrates im ganzen zuverlässiger sei als das in denDialogen Plato's gegebene, von welchem Koch ly (Akademische Reden 225) sagt, es habenicht mehr historische Wahrheit als Göthe's Tasso oder Schillers Wallenstein, brauchenwir uns hier nicht einzulassen, wie wir auch im allgemeinen sein Verhältnis zu Plato,das schon den Alten, ohne rechten Grund, als ein feindliches erschienen ist (Losckd,äs Äiuultuto, gunm Vlato oum Xsu. sxsrouisss ksrtur, 1811), für unfern Zweck nichtzu erörtern haben. Es genügt uns, für das Weitere darauf zurückzukommen, daß Xeno-phon durchweg von praktischen Tendenzen bestimmt worden ist, und in dem, was er soangeregt, gelehrt und vollbracht hat, liegt seine Größe. Ueberall erstrebt er, wie keinSchriftsteller vor ihm, praktische Belehrung und unmittelbare Befolgung des Mitgetheilten.Wie er nun für manche Dinge, an deren wissenschaftliche Behandlung früher niemandgedacht hatte, geradezu Lehrbücher abgefaßt hat wir meinen die kleinen Schriften übermilitärische und staatswirthschaftliche Gegenstände, so ist er auch in seinen größerenWerken vielfach darauf bedacht, das im Leben Anwendbare hervorzuheben. Wie sehrdies von den Memorabilien und der Cyropädie gilt, das wird sich aus dem Folgendenergeben; aber auch in der Anabafis und in den fünf letzten Büchern der Hellenika hater es überall, bald ermunternd, bald warnend, auf militärische oder ökonomische oderethische Belehrung abgesehen, ist zumal Agesilaus als eine vorbildliche Persönlichkeit be-handelt. Mögen also auch diese Werke manche und nicht unerhebliche Mängel haben,wir werden doch mit Roscher (Thukydides 177 f.) in ihnen immer wieder eine hohe,echt humane Gesinnung zu bewundern haben,jene schöne wohlgebildcte Harmonie derSeele, die sich in Krieg und Frieden, in der Gesellschaft und im Familienkreise, in Ernstund Scherz, hinter dem Pfluge und auf der Jagd, in Rede und That, kurz in allenVerhältnissen des Lebens klar, männlich und edel bewährt, jene sokratische Tugend, welchedem gemeinsten Soldaten weniger befiehlt, als voranleuchtet, jene Milde, die selbst dasvernunftlose Thier nicht zwingen, sondern erziehen will."

Für eine pädagogische Würdigung Lenophons ist natürlich die Cyropädie von größterWichtigkeit. Dabei kann aber die Frage nach der historischen Glaubwürdigkeit desWerkes, auf welche doch die Alten schon die richtige Antwort gefunden haben (Oie.(juinkum kr. sxx. I. 1, 8) nicht sonderlich in Betracht kommen (vgl. Jsenser, der ge-schichtliche Werth von Leuophons Cyropädie, Schleusingen, 1868, und Loslmauu, äeHistorien Xsnoplrontis in institutions 6xri üäs guiä juäionuäuw viäsntur, I'otsäniu 1870).Gehen wir davon aus, daß der Zweck der ganzen Darstellung nach den einleitendenWorten darin besteht, zu bezeichnen, welche Abstammung, Begabung und Erziehung der-jenige haben müße, welcher die schwierige Aufgabe, über Menschen zu herrschen, lösenwolle, so ist gewiß anzuerkennen, daß dieser Zweck besondere Forschungen nicht not-wendig machte, vielmehr auch bei freierer Behandlung der Sache, welche nur einer fesseln-den Einkleidung bedurfte, recht wohl erreicht werden konnte. Auch findet sich, da dasöfter vorkommende ix'/er-n in Wahrheit nichts beweist, nirgends eine Spur von Beziehungenauf mündliche oder schriftliche Ueberlieferung, die Lenophon wohl auch unter den Anstrengungenund Gefahren der Anabafis kaum erlangen und fixiren konnte. Freilich haben wir esbei der Cyropädie auch nicht bloß mit Erdichtungen zu thun, vielmehr ist anzunehmen, daßLenophon theils persische Einrichtungen, die wohl zu seiner Zeit bestanden, ohne weiteresauf das Zeitalter des großen Cyrus zurückgeführt, theils spartanische Institute, namentlichda, wo es sich um Erziehung handelte, zuweilen in sehr wenig verhüllter Gestalt, den Persernzugeschriebeu habe. Es ist also gewiß sehr mislich, wenn man, wie es doch oft geschehenist, in der Cyropädie sichere Belehrung über altpersische Pädagogik sucht. Selbst Stellen,wie VII. 5, 85 und VIII. 8, 13, sind nur mit Vorsicht zu benutzen. Denn in der