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10 (1875) Vocabellernen - Zwingli und Nachtrag
Entstehung
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Waisenhäuser.

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Wir wenden uns nach andern Seiten. In Köthen kam cs 1724 zur Stiftungeines Waisenhauses. In den Ländern der Welfen hatte Hannover bereits 1643, Braun-schweig um 1678 für Erbauung von Waisenhäusern gesorgt, die Universitätsstadt Göt-tingen aber sah ein solches erst 1748 entstehen (Pütter, Akad. Gelehrtcngcschichtc vonder Universität zu Göttingcn I. 226 f., II. 243 f.). — In den hessischen Gebieten warzu Kassel 1690 ein Armen- und Waisenhaus eingerichtet worden; die UniversitätsstadtMarburg erhielt 1712 für Oberhessen ein rcformirtes Waisenhaus, das durch die reichenSchenkungen deS Bäckermeisters Naumann und anderer Armenfrcunde rasch zu großemäußerlichem Gedeihen kam, vergebens aber den Lutheranern seine Pforten öffnetel (Heppe I- 314 f.). In Hersfeld hatte schon 1709 Conrad Mel, der eben so frommeals gelehrte Rector des dortigen Gymnasiums, mit Unterstützung der Landgräfin MariaAmalia ein Waisenhaus hergestellt (Vial, vr. Conrad Mel, Hersfeld 1864, Progr.).Noch etwas früher hatte die Grafschaft Waldeck in Wildungen ein Waisenhaus erhalten(1702). — Die großen Handelsstädte Hamburg und Lübeck waren auch in dieser Zeitsür Waiscnpflege besonders eifrig; das Waisenhaus der letztem Stadt kam ganz unterden Einfluß des Pietismus (Heppe V. 239 und 400 f.). Preiswürdig war die Sorgesür die Waisen in Schleswig-Holstein. Hier bekam Altona 1718 ein Waisenhaus(Funk, Gesch. des Waisen-, Schul- und Arbeitshauses in Altona 1803); aber auchKiel, Schleswig und Flensburg waren für solche Anstalten thätig (Heppe V. 220 ff.).— In den Rheinlanden erbaute Wiesbaden 1721 ein Waisenhaus (Unschuldige Nach-richten 1723, 589 f.), Pforzheim 1718, Speyer 1728. Sehr Erfreuliches würde sichaus den Städten Schwabens berichten lassen. Das noch jetzt zu vieler Segen bestehendeWaisenhaus in Stuttgart wurde 1710 gegründet, 1712 bezogen; im I. 1737 wurde einzweites Waisenhaus in Ludwigsburg in Verbindung mit dem Arbeitshause begründet; imI. 1715 bestimmte den berühmten Superintendenten Johann Conrad Feucrlein in Nörd-lingen die Spende eines Unbekannten, in seiner Stadt ebenfalls ein Waisenhaus zugründen (Unschuldige Nachrichten 1733, 242 ff.). Im Frankcnlande erhielt Ansbach durchdie treuen Bemühungen des Predigers Höppel ein Waisenhaus (ebd. 773 ff.); ciu an-deres entstand in Bayreuth (ebd. 1737, 732 f.).

, Von den mehr innerlichen Wirkungen, welche vom Höllischen Waiscnhause ansge-' gangen sind, läßt sich hier nur in kurzen Andeutungen sprechen. Durch alle die »ach! dem großen Vorbilde mehr oder weniger streng eingerichteten Anstalten gieng jener Geist,H der mit Francke bekannte, daß ein Quentchen lebendigen Glaubens höher zu schätzen sei,als ein Centner bloßen historischen Wissens, und ein Tröpflcin wahrer Liebe höher alsein ganzes Meer der Wissenschaft aller Geheimnisse. Daher wurde nun auch der Re-ligionsunterricht als Fundament des gesammten Unterrichts angesehen, und mit Frcyling-hausens „Grundlegung der Theologie" (1703) cröffnete sich eine lange Reihe von Lehr-büchern für diesen Unterricht; daneben aber wurde mit höchstem Ernste durch Andachts-übungen, Predigten und Paränesen dafür gesorgt, daß die Zöglinge in allen DingenGott vor Augen und im Herzen hätten. Im ganzen war nun freilich der Unterricht inden meisten Waisenhäusern viel dürftiger als an den Hallischen Anstalten; aber diePädagogischen Grundsätze, welche in diesen Geltung gewonnen hatten, erlangten dochl weithin Anerkennung, und wo mit der Waisenpflcge ein höher führender Unterricht sich^ verband, wandte man auch, so gut eS gieng, die Francke'sche Pädagogik an: man trenntedie Schüler nach den Ständen, aus denen sie hcrvorgegangcn waren, man zog nach( Verschiedenheit der Bildungszwccke auch verschiedene Bildungsmittel heran, mau regelte) bis in das Einzelne Lehrplan und Methode ec. Allmählich drang freilich auch jenespeinliche und krankhafte Wesen, das in den Francke'schen Stiftungen zur Herrschaft kam,die von dort ans bestimmten Waisenhäuser ein.

^ In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts ermattete der Eifer für Gründungvon Waisenhäusern rasch, und während doch hier und da, besonders nach den Verwüstun-gen des siebenjährigen Krieges, neue entstanden, begann man auch schon an Aufhebung