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Waisenhäuser.
ob bei diesen Gründungen Francke's Geist und Vorbild ganz unmittelbar oder nurmittelbar maßgebend gewesen sei. Da haben wir nun aus den zunächst liegenden sächsisch- jthüringischen Gebieten zuerst das endlich doch in Gotha 1702 von Herzog Friedrich II.gegründete Waisenhaus, daneben aber gleich die 1726 in Friedrichswerth ausgeführteFamilienstiftung zu nennen. Schon 1703 hatte in Meiningen der fromme Herzog Bern-hard I. eine solche Anstalt geschaffen; Waisenhäuser erhielten aber auch Weimar (1727)und Eisenach. In Langeirdorf bei Weißcufels kam eS zu einer solchen Gründung 1711durch den gewesenen Fuhrmann Christoph Buch. In der Oberlausitz, in deren Städtendas strenge Lutherthum alles pietistische Wesen fern hielt, entstand durch Martin Grün-wald, einen Freund Löschers, 1698 ein Waisenhaus in Bautzen und schon 1700 einzweites in Zittau, wohin der treffliche Mann als erster Katechet berufen worden war(s. meine vier Programme über M. Gr. Zittau 1859 und 61); in Lauban gelangteman 1717, in Görlitz 1731 zu gleichen Instituten. Aber die Waisenanstalt im Katha-rinenhofe zu Großhennersdorf (1721 errichtet) stellte sich ganz unter den Einfluß deseben damals sich aufbauenden Herrnhut; sie konnte sich indes nur zwanzig Jahre be-haupten, und erst 1838 ist sie als Landcswaiscnhaus unter wesentlich veränderten Ver- 1hältnisscn wiedercrstanden. Auch das von dem religiös erweckten Grafen von Promnih m lThommendorf begründete Waisenhaus hat sich nicht lange behaupten können. Die Nieder- ilausih sah 1718 für Sorau ein Waisenhaus ganz nach dem Muster des Hallischen erbauen.
— Großen Schwierigkeiten begegneten die auf Gründung von Waisenhäusern gerichteten !Bestrebungen in Schlesien, dessen evangelische Bevölkerung auch nach dem AltraustadterFrieden durch den KatholiciSmus noch vielfach bedrängt war. Das Waisenhaus zuGlauchau im Fürstenthum Oels, 1719 von dem Prediger Mitschke mit Anstrengung znStande gebracht, wurde 1727 durch ein kaiserliches Decret wieder aufgehoben (Unschul-dige Nachrichten 1727, 1205 ff. und Menzel, Neuere Geschichte der Deutschen V.177 ff.). Ebenso mußte 1730 das Waisenhaus in Teschen, an welchem der nachmalsberühmte Steinmetz gewirkt hatte, geschlossen werden (Unschuldige Nachrichten 1730,827 ff.). Man scheute diese Waisenhäuser als Pflegcstättcn des Pietismus, in welchemein neuer Fanatismus zu gefährlicher Herrschaft aufzustrebcn schien. — In den branden-burgisch-preußischcn Staaten hatte schon die Gemahlin des großen Kurfürsten ein Waisen-haus zu Oranienburg gegründet. Durch König Friedrich Wilhelm I. erhielt Potsdamdas große Militär-Waisenhaus (Zarnack, Gesch. des kgl. Potsdamischen Militär-Waisenhauses 1824); in der Hauptstadt Berlin gewährte bald das große FriedrichS-Hospital zahlreichen Waisenkindern beiderlei Geschlechts eine Zufluchtsstätte, und für dirfranzösische Colonie Berlins kam 1729 ein besonderes Waisenhaus zu Stande. DaS1734 begründete Schindlcrsche Waisenhaus in Schöneiche (drei Meilen von Berlin),zunächst nur für 12 arme Waisen lutherischer Konfession bestimmt, ist späterhin nachBerlin verlegt worden (Heppe III. 92 ff.). Zu besonderem Ruhme ist das von einemschlichten BürgerSmanne, Siegmund Steinbart in Züllichau, errichtete Waisenhaus ge-kommen, auch ein Abbild des Hallischen und noch immer unter sehr veränderten Ver-hältnissen bestehend (Hanow, Ueber die äußeren Verhältnisse der Steinbartschen Er-ziehungs- und Unterrichtsanstalten 1852, 4). In Pommern gewann Stettin seit demJahr 1732 durch den Prediger Johann Christoph Schienmeyer ein sehr stattlichesWaisenhaus, das ebenfalls nach dem in Halle ausgestellten Muster organisirt wurde undan Friedrich Wilhelm I. einen hochherzigen Förderer hatte (Heppe III. 10 ff.); diealte Hauptstadt Hinterpommcrns, Stargard an der Jhna, war schon im I. 1700 durchden Prediger Zierold zu einem Waiscnhause gekommen. In Königsberg hatte um die-selbe Zeit Friedrich I. ein Waisenhaus errichtet, das wie das ebendaselbst von ihm ge-gründete OoIIsFium lbriäkridnnnm ganz im Geiste Francke's geleitet wurde, wie jaübcrhaupt damals die preußische Regierung von dem Gedanken stärker ergriffen wurde,daß die Obrigkeit um Gottes willen des armen Volkes sich annehmen und zum Mittel-puncte der Volkserziehung das Christenthum machen müsse.