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10 (1875) Vocabellernen - Zwingli und Nachtrag
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Waisenhäuser.

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theils dem Spitale zuwies, wo eine Kindcrmutter für sie zu sorgen hatte. In Münchenverpflegte man seit dem 15. Jahrhunderte in einer besonderen Stnbe des heil. Geist-Spitals Findelkinder und arme Waisen. In Augsburg wurde 1471 ein Waisenhauserrichtet (s. von Maurer Geschichte der Städtcverfassung in Deutschland III. 51 f.).Besondere Findclhäuser, die aber wohl auch hülfloscn Waisen nicht verschlossen waren,hatten in Deutschland zuerst Nürnberg (seit 1365), Ulm und Eßlingen, in Italien Paviaund Florenz. Daß auch im östlichen und nördlichen Deutschland Städte wie BreSlau,Lübeck, Hamburg irgendwie für Waisen- und Findelkinder Sorge trugen, läßt sich ohneweiteres voraussetzen. Unter den vielen Wohlthätigkeitsanstaltcn, welche die durch In-dustrie und Handel reichen Städte der Niederlande errichteten, fehlten auch Einrichtungenfür Waisenpflege nicht; Brügge hatte schon 1288 unter seinen Ausgaben eine besondereRubrik für die Waisen.

Und auch am Anfänge der neueren Zeit gieng in dieser Beziehung von den Nieder-landen eine energische Bewegung aus. Nirgends aber wurde in diesen Landschaften fürdie Waisen so trefflich gesorgt, als in Amsterdam. Hier sammelte um d. I. 1520 einereiche Frau, Haasje Klaßin in Paradiese, arme Waisen, Mädchen und Knaben, in kleinenHäusern, und da nun die Bürger der Stadt das gute Werk durch Beisteuern zu fördernsich beeilten, auch der Rath bereits 1523 der Sache sich annahm, hatte das in StilleBegonnene erfreulichen Fortgang. Im I. 1561 wurde ein stattliches Waisenhaus auf-gcführt. Weil aber auch dieses die Menge der Waisenkinder nicht fassen konnte, fügteder Rath der unterdes für das evangelische Bekenntnis gewonnenen Stadt schon im I.1580 die weiten Räume eines aufgehobenen Nonnenklosters, das in der Nähe lag, mitden Einkünften desselben und denen des ebenfalls aufgehobenen Karthäuserklosters hinzu. Imfolgenden Jahrhunderte wurde dieses Waisenhaus das großartigste in Europa. Nachdemman 1634 noch ein neues Gebäude mit vielen zum Theil prächtig ausgestattetcn Räumenhergestellt hatte, konnten an tausend verwaiste Kinder ausgenommen, verpflegt und ge-bildet werden. Da aber in dieser Anstalt nur die Kinder von solchen, welche eine Reihevon Jahren Bürger der Stadt gewesen waren, ausgenommen werden durften, erbautendie Armenversorger für diejenigen Waisenkinder, deren Väter das Bürgerrecht nichterworben hatten, 1656 ein besonderes Haus, in dessen ausgedehnten und stattlichenRäumen etwa 600 Kinder Aufnahme und Pflege fanden. Die französische Gemeindein Amsterdam hatte schon 1630 für ihre Waisen ein besonderes Haus erbaut (PH. vonZesen, Beschreibung der Stadt Amsterdam sAmst. 1664. 4) 198 f., 210 und 285 ff.).

Die Reformation, welche für Erziehung und Unterricht überhaupt so Großes thatund im Geiste des Evangeliums gerade auch des armen Volkes sich erbarmte, hat dochfür Waisenpflege nicht sogleich das Wünschenswerthe in Gang gebracht. Zunächst stattetemau neben den bestehenden Armen- und Krankenhäusern auch die Waisen- und Findel-Häuser aus den eingezogencn Gütern der Stifter und Klöster etwas besser aus, wie diesz. B. bereits 1529 in Straßburg geschah. Seit der Mitte deS Jahrhunderts leitetengroße Drangsale, Hungersnoth und Pestilenz, denen viele Eltern erlagen, zu besonderenMaßregeln für Versorgung der hinterlassenen Kinder. So wurde in Lübeck, als imWinter 154647 die eingetretene HungerSnoth und die ihr folgende Seuche über dieArmen großes Elend gebracht hatte und nun bald Scharen von Vater- und mutterlosenKindern die Straßen der Stadt bettelnd durchzogen, von menschenfreundlichen und be-güterten Bürgern dafür gesorgt, daß den von ihnen gesammelten Waisen die seit 1376bestehende Herberge für Pilgrime cingcräumt und die so gegründete Anstalt, welcher derRath der Stadt 12 Vorsteher gab, für die äußerlichen Bedürfnisse einenGastmeister,"für den Unterricht einen unverheirateten Lehrer erhielt; jenem sollte seine Frau zur Seitestehen. Zehn Jahre später wurden die Waisen in den Michaelisconvent, ein geistlichesSchwesternhaus, das damals leer stand, übergeführt und mit Einrichtungen umgeben,welche länger ats 250 Jahre sich erhalten haben (Heppe, Gesch. des deutschen Volks-schulwcscns V, 363 f.). In Hamburg veranlaßten erst im I. 1597 zwei Niederländer,