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Wagner.
(wo?) Irdische Lust und unreine Gesinnung macht den Menschen verdau,mlich (§. 238).3) Tu sollst deinen Nächsten lieben als dich selbst (§. 239). 4) Wenn ihr thut denWillen meines Vaters im Himmel, so wird das Himmelreich unter euch Menschen selbstPlatz nehmen. — Sehr eindringlich verbreitet sich nun Wagner über die Heiligung dernatürlichen Verhältnisse der Familie, der Dienstboten, der Nachbarn, der Vaterlands- undder Zeitgenossen durch das Christcnthum. Wenn ferner der Mensch sich als Sünderfühle, werde nur der tiefe Schmerz, welcher Folge der Sünde ist, ihn wieder reinigenund zu neuer GottcSlicbc erheben können. Lobt aber diese Liebe in ihm neu, so ist ihmseine Sünde vergeben.*) Man vergleiche übrigens s. Schrift: Religion, Wissenschaft,Kunst und Staat in ihrem gegenseitigen Verhältnis.
Das vierte Capitel, die Wisscuschaftsschulc oder Universität, gehört freilich gar nichtmehr in den Gesichtskreis der Encyklopädic. Gerade dieses Capitel aber hat am meistenpraktischen Boden, und der Anhang: Von der äußern Organisation der Universitäten, istvon cigcnthümlichcm Interesse.
So kehren wir denn hicmit zu der Höhe von WagncrS akademischer Laufbahnzurück, auf der wir ihn verlassen haben. Mit dem 1830 erschienenen Organon hatte erseine Rechnung abgeschlossen. Obgleich er damals noch 96 Zuhörer iu der Philosophiezählte, isolirte er sich doch mehr und mehr in seinem Hause, nud machte davon nur eineAusnahme, als seines Freundes Adam einziger Sohn in Würzburg studirtc, den'dasEhepaar mit elterlicher Liebe empsieng. Derselbe ist beiden auch später ein Trost ihreskinderlosen Alters gewesen, und nach des leiblichen VaterS Heimgang (1836) von beidenihr eigener Sohn genannt und gleichsam adoptirt worden. Mittlerweile war für Wagner1834 eine bedeutende Veränderung in seinen äußeren LebcnSvcrhättnisscn cingetreten; erwurde gleichzeitig mit einer Anzahl anderer Mitglieder der philosophischen und theo-logischen Facultät quicscirt. Zunehmende Kränklichkeit, Gichtlcidcn, ließen ihn erkennen,daß mit dieser Maßregel zugleich eine Last von ihm genommen war. Literarisch blieber noch thätig: sein System der Privatökonomie erschien 1836, seine merkwürdige Dichter-schulc 1839. In Würzbnrg aber fand sich das alternde Paar mehr und mehr verein-samt; da entschloß sich Wagner, in die Nähe des Schülers nach Ncuulm überzusicdcln.Hier, in einem eigenen, reizenden Bcsitzthnm, weilte nun der Greis, fortwährend, obwohlvon körperlichen Leiden heimgcsucht, doch geistig thätig und namentlich durch jeden Schimmervon Anerkennung aufgcrichtct, von wenigen gekannt, von noch wenigeren erkannt, bis cm22. November 1841 ein sanfter Tod ihn abricf. Ein einfaches Denkmal im PfarrdorsPfuhl, zu dessen Diöccse damals NeuulmS evangelische Gemeinde gehörte, schmückt scimund seiner Gattin Ruhestätte.
Der Verstorbene hat zuweilen mit Wchmuth empfunden, daß er dem großenPublicum im ganzen unbekannt und fremd geblieben ist; ja er hat bis an sein Entezuweilen offen darüber geklagt und wohl auch vorausgesagt, daß ihm sein Recht nochwerden müße. „Die Zeit drängt überall nach meiner Sache, aber mich will sie nicht.Am Ende wird sic mich doch noch haben mäßen" (vgl. auch Brief 115 S. 287). Werein Leben hindurch in warmer Begeisterung gearbeitet hat wie er, und der Welt diiidealen Errungenschaften bietet, an die er sein Leben setzte, der muß nun eben erwarten,ob die Welt die Fähigkeit und das Bedürfnis hat, ihn zu hören, gleich jetzt oder spät«.Was er in Wahrheit gefunden hat, ist nicht verloren, wenn auch sein Leben dahiu-schwindct, che sein Fund Gemeingut wird. Wagner hat für seine Wissenschaft gearbeitetwie ein Herr, nicht wie ein Knecht. Tie Ehre eines Herren bleibt ihm.
') Von den letzten Dingen kommt in dieser Religionölchre nichts vor. Denn von cimrpersönlichen Unsterblichkeit weiß Wagner nichts (s. NabuS, Wagners Leben, Lehre und Bedeu-tung, S. 98). Die Seele ist ihm nur vorübergehende Jndividualisirung des universalen LebcuS,das wie Kronos seine Kinder verschlingt. Es muß daher auffalle», daß er dem Individuumüberhaupt sittliche Freiheit vindicirt (Organon §.404); ein Widerspruch, welchen RabuS a. a. O.in ausgezeichneter Weise hcrvorhebt und begründet.