Druckschrift 
10 (1875) Vocabellernen - Zwingli und Nachtrag
Entstehung
Seite
133
Einzelbild herunterladen
 

Volksschullchrcrscininar.

133

den, und daS letzte halbe Jahr ausschließlich auf zusammcnfassendc und abschließendeWiederholung aller beendigten Studien und auf Unterrichtsübungcn verwendet wird.

Die Ferien dürfen zusammen nicht länger als acht Wochen dauern.

Mit Ausnahme des Clavicrs ist jeder Lehrgegcnstand obligat. Die Stunden-zahl beläuft sich auf wöchentlich 45, 42, 45, 44 für die einzelnen Elasten, ist alsozu groß.

Das Seminar hat eine Ucbungsschule. Die Zöglinge der vierten Elaste nehmennach der detailirten Anweisung des Lehrers am Unterrichte derselben thätigcn Anthcil.Ja im letzten Semester besucht nach Neujahr auf Anordnung des Directors undunter seiner Leitung oder unter derjenigen seines Bevollmächtigten die ganze Elasteoder ein Theil derselben nicht nur die Ucbungsschule, sondern auch mehrere Volksschulender Umgebung, bei welcher Gelegenheit der Lehrer die in der dritten Elaste gelehrteMethodik mit praktischen Belegen wiederholt. Diese Ausflüge werden auf Kosten desInstituts gemacht und der sie führende Lehrer erhält Diäten.

Die Sammlungen der Anstalt sind im allgemeinen nicht besonders reich. Am be-deutendsten ist noch die Bibliothek, aber auch diese zählt kaum dreihundert Bände. Merk-würdigerweise werden nur solche Bücher angcschafft, welche von den Zöglingen benützt werdenkönnen, und so sind in der Bibliothek größere, von den Professoren zu benützende wissen-schaftliche Fachwerke kaum zu finden. Die physikalischen und naturwissenschaftlichenSammlungen sind in Küsnacht und in der Schweiz überhaupt äußerst dürftig (Molnära. a. O. S. 278 ff.).

Die Ausstattung des Seminars für musikalische Zwecke ist in Küsnacht ebenfallsdürftig; doch ist dies anderwärts besser, so hat z. B. München-Buchsee allein 14Uebungszellen mit 14 Clavieren. Auffallend ist es, daß eine Winterturnhalle fehlt; da-gegen treffen wir eine Waffcnkammer. Ueber die landwirthschaftlichen Arbeiten theiltMolnur Folgendes mit.

„Die Anstalt besitzt einen 5 Jnchart großen unmittelbar an das Gebäude stoßendenGarten, welcher den 'Zöglingen theils als Zerstreuungsplatz in ihren freien Stundendient, theils aber üben sich in demselben die Zöglinge in den landwirthschaftlichenArbeiten, auch werden schließlich die Gartenproducte im Convictc verwendet. Gegen-wärtig werden zum Gartenbaue 4 Jucharte verwendet, hievon entfallen 2'/« Jucharteans den Gemüse-, Blumen- und Obstgarten, so daß auf dem Gute, welches nach denStatuten zu Hebungen in den landwirthschaftlichen Arbeiten benützt werden sollte, nurWeinbau gelehrt wird, von den eigentlichen Feldarbeiten (Getreidebau) findet sich keineSpur. Das ganze Gut ist unter Leitung des Lehrers der Landwirthschaft von den Zög-lingen zu bearbeiten, und nur im Nothfalle (bei schleunigeren Arbeiten, für welche diefreie Zeit der Zöglinge nicht ausreicht) sind bezahlte Arbeiter zu verwenden. Außerdem gemeinsam zu bearbeitenden Territorium erhält jeder Zögling noch ein kleines, dnrchGesträuch oder Wege abgegrenztes Gärtchen von der Ausdehnung einer welchesderselbe nach eigenem Geschmacke und eigener Auffassung zu bearbeiten, zu bebauen undzu hegen hat. Nach der Aussage des Directors arbeiten die Zöglinge im Frühlinge ge-wöhnlich nnt großer Lust, bei Eintritt der wärmeren Tage läßt aber der Eifer nach, undnur zu dieser Zeit müßcn HülfSarbciter verwendet werden.

Der 2'/« Jucharte große Weingarten liefert mit seinen Alleen jährlich 60—80 öster-reichische Eimer Wein, welche im Convicte gemeinschaftlich getrunken werden, und so erhaltendie Zöglinge nach Maßgabe der Fechsung das ganze Jahr hindurch Wein, gewöhnlichviermal wöchentlich je ein halbes Seite!. Das erzeugte Gemüse wird gleichfalls in derKüche des Convictes verbraucht. Die Baumschule ist kaum einige groß. Da hierjedermann Baumzucht treibt, so kann man auf Absatz der jungen Sprößlinge nichtrechnen, und man zieht die jungen Bäume bloß für den Unterricht im Pfropfen undOcnliren und zum Versetzen im Garten. Ein eigener Obstgarten ist nicht vorhanden.Die meist krüppelhaften Obstbäume stehen an den Wegen und am Saume des Wein-