q. Kapitel. Abtheilung der Splben. 291
gründet, und diese wird in leichten und den mei-stcn Schreibenden faßlichen Fällen wieder von demBau des Wortes, in schweren und dunkeln Fällenaber von dem Wohlklange bestimmt. Im Deutschenist diese Art, die Wörter zu theilen, so allacmein,daß sie sich in allen Mundarten findet; und ich binversichert, daß jede Sprache nicht anders verfah-ret, und verfahren kann, daher man die DeutscheArt, die Wörter zu theilen, immer für ein Narturgesetz der Sprache halten kann. Zwar hat manim Griechischen und Lateinischen in den spätern Zei-ten künstlichere Theilungsarten cingcführet; alleinman hat Grund zu vermuthen, daß sie nicht inder Natur der Sprache gegründet sind, sondernvon neuern Sprachlehrern herrühren, so wie der-gleichen auch mehr als Einmahl in der DeutschenSprache einzuführen versucht worden.
Begriff einer Sylbe.
§. 2. Eine Sylbe ist ein vernehmlicher Laut,welcher mit einer einzigen Oeffnung des Mun-des ausgesprochen wird. Ein Wort hat folg-lich so viele Sylben, als verschiedene Ocffnungendes Mundes ohne Absatz in demselben., auf einan-der folgen. Es folget hieraus, daß der Begriffeiner Sylbe ganz von der Aussprache abhängt undvon derselben allein bestimmt wird, weil er auf derhörbaren Oeffnung des Mundes beruhet, und daßfolglich jeder andere Beinmmungsgrund irng ist.Wenn man das Wort lieben ausspricbt, so höretman die zwey Ocffnungen lie-ben, und diese be-T 2