Kapitel. Bon Len Tonsonanten. i»r
lern und obern Deutschen gewesen; daher sie auchden erstem nicht allein nach allen den Graden ha-ben, welcher er seiner Natur nach fähig ist, son,dem selbige auch sorgfältig zu bezeichnen suchen,welches desto leichter war, da sie in den Figurendes kleinern Lateinischen Alphabetes bereits alleMittel dazu vor sich fanden. Im Hochdeutschenunterscheidet man vier verschiedene Grade befiel-den, den gelindesten s, Muse, Nul'u, den ein-fach scharfen ß, Muße, orium, den verdop-pelt scharfen s und ss. nach geschärften Vocalen,cs, müssen, und den harten z, Miez. Die bey-dcn ersten können ihrer Natur noch nur nach ge-dehnten, der doppelt geschärfte nur nach geschärftenVocalen stehen, aber das Z verträgt beyde. Manche,besonders Oberdeutsche Provinzen täugnen das ein-fach geschärfte s oder das ß, und schreiben dafürallemahl ein einfaches ß Wenn sie harthörig ge-nug sind, diesen Unterschied nicht zu empfinden, soist weiter nicht mit ihnen zu streiten; aber sie müssenalsdann auch auf Hochdeutsche Feinheit und Ge-nauigkeit Verzicht leisten. Indessen habe ich dochim mündlichen Umgänge mit Oberdeutschen undselbst Schweizern bemerket, daß sie Buße, fließen,süß, Muße, orium, eben so aussprcchen, alsächte Hochdeutsche; daher es mehr ein Fehler desGehöres, als der Aussprache ist, daß sie den Un-terschied unter dem s und ß nicht empfinden. Vonden Schlesiern hingegen ist bekannt, daß sie dieHochdeutschen gedehnten Vocale so gern schärfen)und daher auch anstatt des ß immer ff hören lassen:üsse, Füsse, flisscn, schissen, Busse, Spässe,