Druckschrift 
Vollständige Anweisung zur deutschen Orthographie : nebst einem kleinen Wörterbuche für die Aussprache , Orthographie, Biegung und Ableitung
Entstehung
Seite
131
Einzelbild herunterladen
 

i. Kapitel. Von den Vocalen und Doppellauten, izi

Es würde mich hier zu weit führen, wenn ich michauf die verschiedenen Acten cinlaffen wollte, wieman sie von der Einführung der Schrift an inDeutschen Handschriften und Urkunden bezeichnete,daher.ich nur bep der gedruckten Schrift stehenbleibe. Bald nach der erfundenen Buchdrucker-kunst gericth man auf den guten Gedanken, fi»durch ä, ö, und Ü zu bezeichnen; denn das y war,wie ich bereits bemerket habe, zu einem andernGebrauche bestimmt. Allein, in der Folge schiendas vermuthlich nicht Römisch genug, daher man

sie mit ä, ö und Ü oder wohl gar u bezeichnete,und diese Pedantcrey so weit trieb, daß man inder größer» oder Versal-Schrift den dort darü-ber geschriebenen Vocal gar darneben setzte: Ae,Me, Ue oder Ul. Es wäre daher zu wünschen,daß die Druckcreyen der Current-Schrift folgten,und sich wieder an die mit Strichen oder Punctenbezeichnete» 6, 0 und u gewöhnten, wie die hie-sige Vreilkopfische Vuchdruckerey, wenigstens ineinigen Schriftarten, bereits gethan hat.

Ob ä, ö und ü Doppellaute sind.

§. 4. Die Sache ist keine Kleinigkeit, denndie obige alberne Bezeichnungsarr hat zu dem Vor-urtheile Gelegenheit gegeben, daß ä, ö und üwahre Doppellaute sind, unter welchem Nahmensie in den meisten Sprachlehren aufgeführet wer-den. Allein ist die Definition richtig, daß die bloßeeinfache Oeffnung des Mundes den Vocal, derin einander schmelzende Uebergang aber von einer

3 2