Kapitel. Befolgung der besten Aussprache. 47
Wie sie beschaffen seyn muß.
§. 2. Ob sicb gleich den idcalischcn Vollkom-menheiten immer viel Willkürliches mit ein-schleicht, so läßt sich doch schon überhaupt beftim.men, wie eine solche Aussprache beschaffen seynmuß. Sie muß nehmlich jeden einzelnen Laut be-stimmt, rein undunvermischtvortraaen, den Vo-kalen folglich keinen falschen Laut unterschicben,nochsic in fehlerhafte Doppellaute auflösen, auch dieverwandten Laute gehörig unterscheiden. Sie mußferner weder nolhwendigeLaute unterdrücken, nochüberflüssige anhängen, sondern der erweislichen Ab-stammung jedes Wortes und jeder Sylbe getreubleiben. Laute, welche durch dis llebertrcibungwiderwärtig werden, muß sie vor dieser Uebertrei-dung bewahren: z. B. das sch, wenn es mit derOberdeutschen Fülle des Mundes ausgesprochenwird, ist ein sehr unangenehmer Laut, aber nicht,wenn er mit der Feinheit eines Italieners oderFranzosen vocgetragen wird. Es ist weder noth-we, big noch möglich, daß in diesen und andern ähn-lichen Erfordernissen eine ab blute Vollkommenheitbeobachtet werde, welche, ausser den wesentlichenSchranken aller endlichen Dinge, der schnelle münd«liche Ausdruck noch weniger »erstattet; sondern wennnur eine Aussprache unter mehrern vorhandenendiesen Erfordernissen am nächsten kommt, so ver-dient sie mit allem Rechte den Nahmen der bestenAussprache. Sie verdienet ihn selbst noch als-dann, wenn so gar gewisse erweisliche Mängel inihr allgemein und herrschend fevn sollten, wenn nurdiese Mängel das Gute in derselben nicht übertref-