Druckschrift 
15 (1891) Polenfrage, Kirchenfriede, Septennat
Entstehung
Seite
317
Einzelbild herunterladen
 

Wahrer Grund der Auslösung.

317

liberales Wohlwollen für sich gehabt. Sie hat von An-fang an z. B. den Herrn Abgeordneten Rickert für sichgehabt; das ist doch schon etwas wert. (Heiterkeit rechts.)

Der Abgeordnete Rickert hat früher den Generalvon Stosch als Chef der Marine in einer Weise unter-stützt — ja, wenn er den Kriegsminister so unterstützte,so würden wir auch in Bezug auf die Landarmee einanderes Vertrauen zum Reichstag haben können. UnserVertrauen ist überhaupt zum Reichstag vor Jahren größergewesen, es hat allmählich abgenommen. Es hat denschwersten Stoß bekommen, als wir in diesem Reichstageine polnische Majorität gegen deutsche Interessen erlebten.(Oh! oh! links.) Es hat den schwersten Stoß bekommendurch einen Eingriff zu grinsten der polnischen Nationalitätin die Unabhängigkeit der preußischen Verwaltung. Da,meine Herren, habe ich die Hoffnung auf Sie aufgegeben;wir hätten damals auflösen sollen wegen Ihres Polonis-mus, dann wäre der ganze Vulgarismus nachher nichtgekommen. (Heiterkeit.) Ich bin der Sache nur deshalbnicht näher getreten, weil wir den Polonismus noch eineZeit lang aushalten können; aber Wehrlosigkeit könnenwir nicht 10 Minuten aushalten. Werden wir da airdie Wand gedrückt, so werden mir uns wehren mit derganzen Entschlossenheit, die uns das Gefühl einer ge-rechten Sache gibt.

Der Herr Abgeordnete hat gemeint, wir verlangtendurch die Auflösung, daß Männer gewählt werden sollten,die alles unterschrieben, die alles acceptierteu, was derReichskanzler will. Das ist ja eine Uebertreibung, dieich von dem Herrn in seinen Jahren doch kaum nochvermutet hätte. (Heiterkeit rechts.) Uebertreibungeu lassensich bei jugendlichen Leuten rechtfertigen, aber so alt, wie