Druckschrift 
15 (1891) Polenfrage, Kirchenfriede, Septennat
Entstehung
Seite
248
Einzelbild herunterladen
 

248

Die Landtagssession von 1886.

und der Tragweite unserer Vorlagen gemacht hat, be-schränken. Er stellt sie als wesentlich aggressiv dar, alsob sie zur Ausrottung, wie er sich ausdrückte, des pol-nischen Elements bestimmt wäre. Ich glaube, er hatdie Verhandlungen im anderen Hause nicht mit derwünschenswerten Aufmerksamkeit verfolgt, sonst würdees ihm nicht entgangen sein, daß unsere Vorlagen wesent-lich defensiver Natur sind. Wir wollen nicht das Polen-tum ausrotten, sondern wir wollen das Deutschtumdavor schützen, daß es seinerseits ausgerottet werde. Esliegt die Thatsache vor, daß diese Ausrottung nicht, wieder Herr Vorredner als die einzige Möglichkeit bezeich-nete, durch Feuer und Schwert erfolgt — wie die Wendenihrer Zeit vertilgt wurden —, sondern durch die Mittelder Sanftmut, der Schule, des Gottesdienstes, desreligiösen Unterrichts und durch das Uebergewicht dergesellschaftlichen Stellung des Polonismus. Diese Aus-rottung ist eine langsame, unauffällige, welche aber seitder Beseitigung des Flottwellschen Systems durch denLandtagsabschied von 1842 doch stetig einen fortschreiten-den Weg zurückgelegt hat. Der Herr Vorredner hat zuUnrecht und ohne Grund das traurige Schicksal der pol-nischen Arbeiterbevölkerung geschildert, die nach seinerBehauptung da, wo der Staat Güter erwerben werde,nun keine Verwendung weiter haben würden. Wir habenkeinen Ueberfluß an Arbeitern, namentlich an ländlichen;das zeigt noch immer der starke Zuzug, der aus Russisch-Polen stattfindet. Die Arbeiter polnischer Nationalitätwerden auf den etwa angekauften Gütern reichlich ihreVerwendung finden. Es ist, ich wiederhole es, und esist der einzige Grund, warum ich das Wort nehme,durchaus nicht die Tendenz der Regierung, die polnische