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Österreich-Ungarn (Geogr.).
Mähren, Böhmen, Tirol u. Ungarn. Von hervor-ragenderer Bedeutung ist die Schaswollindustrie. DieStreichgarnspinnerei (mit 600,000 Spindeln) wirdvorwiegend in Mähren n. Böhmen, ferner in Schle-sien, weniger in Oberösterreich, Tirol, Galizien undUngarn, die Kammgarnspinnerei (mit 80,000 Spin-deln) in Böhmen und Niederösterreich, weniger sinSchlesien u. Oberösterreich betrieben. Bei der Fa-brikation von Streichgarngeweben (Tuch u. tuchar-tigen Wollzeugen) sind in den Ländern des österreichi-schen Staatsgebietes etwa 30,000 Webstühle (dar-unter 1700 mechanische) inVerwondung, wovon ausMähren 44°/«, Böhmen 27°/« und Schlesien 19°/«kommen. Hauptsitze dieses Industriezweiges sindBrünn, Reichenberg, Bielitz-Biala und Jägerndorf.Die Fabrikation von Kammgarngeweben (Merinos,Tibets, Orleans rc.) u. gemischten Geweben (Fabri-katen aus Schaf-, Baumwolle u. Seide rc.) beschäs-tigtim österr. Staatsgebiete, namentlich in Böhmen,etwa 15,500 Webstühle (darunter über 3100 me-chanische) ; für elftere gibt es in Ungarn nur 1 Fa-brik in Budapest. Möbelstoffe und Shawls werdenin vorzüglicher Qualität in Wien,Teppiche in Wien,Nieder- u. Oberösterreich u. Böhmen fabrizirt. InsämmtlichenBaumwollenspinnereien,welchegrößten-theils nur gröbere Garne liefern, sind (1873) imGanzen 1,560,000 Feinspindeln in Betrieb, vondenen auf Böhmen 45°/«, aus Niederöstcrrcich 30°/«u. aus Vorarlberg 11"/« kommen; außerdem gibt esnoch ziemlich viele Spinnereien in Oberösterreich u.Tirol. Für die Production von Baumwollenzwirnsind Haratitz und Kamnitz in Böhmen die wichtig-sten Productionsorte. Beim mechanischen Betriebeder Baumwollenwebereisind etwa 20,000 Kraftstühlein Thätigkeit, die meisten in Böhmen, dann in Tirolu. Vorarlberg, Niederösterreich, Mähren u. Schle-sien. Hauptsächlich wird Kattun (leinwandartiger,vorzugsweise aber Druckkattun) fabricirt, außerdemBarchent, Percail, Shilling, Pique Croisee rc.; neuer-dings gelangt auch die Musterweberei in Aufnahme.Die Handweberei, die sich größtentheils aus die Er-zeugung einsacher Gewebe beschränkt, zählte 1870 imösterreich. Staatsgebiete 65,000 Webstühle, wovon42,000 auf Böhmen, 8000 ans Mähren, 6200 aufNiederöstcrrcich u. 4000 auf Schlesien entfielen. Diejährliche Gesammtproductiou wird auf ca. 6 Will.StückGewebeimungefähren Werthe von 60 Will. Fl.geschätzt. Bedeutend ist auch in Ö.-U. die Flachs- u.Hausindustrie. FürdiemechanischcSpinnerci, welchegegenwärtig 415,000 Feiuspindeln beschäftigt, istBöhmen, wo aus Len Reichensbcrgcr Handelsbezirkallein 63"/« sämmtlicher Spindeln der Monarchiekommen,das Hauptgebiet; dann wird sie auch in Schle-sien u. dem nördlichen Mähren betrieben. Die Hanf-spinnerei ist nur inTriestvonBedentung. Die Leinen-weberei in Verbindung mit der Herstellung von halb-leinenen Maaren (größtentheils noch Handweberei)liefertZeugeallermüglichenQualitätcn.vondenordi-närsten bis zu den feinsten, von denen große Quanti-täten ausgeführt werden. Fabrikmäßig betriebenwird sie fast nur in Böhmen u. Mähren. Im österr.Staatsgebiete gibt es etwa 500 Kraststühle (meisten-theils in Böhmen) u. ca. 60,000 gewerbsmäßig be-triebene Webestühle, von denen mehr als 50°/« ausLen Reichensberger Handelskammerbezirk in Böh-men und 15°/« aus Mähren kommen. Vorzügliche,
feine Gewebeliefern hauptsächlich das nördliche Böh-men und Mähren, Segeltuch namentlich Mähren.Für Jutespinnerei u. Weberei besteht eine Fabrik inSimmering bei Wien. Leinenzwirne werden Haupt-sächlich in Böhmen und Mähren, Seilerwaareu na-mentlich in Triest u. Fiume fabricirt. Die Druckereiu. Färberei, namentlich von Baumwollengarnen, sindin A.-U. zu einer hohen Vollendung gelangt. DieFärbereien u. Druckfabrikcn für Seide sind fast aus-schließlich in Wien und Umgebung vereinigt, sonstnimmt in der gesammten Druckerei und FärbereiBöhmen die erste Stelle ein. Ferner ist von Bedeut-ung die Garnsärberei, namentlich die Türkischroth-färberei in Vorarlberg, Mähren und Schlesien, dieBanmwollendruckerei in Nieder- und Oberösterreich,Vorarlberg u. Ungarn, die Druckerei und Färbereivon Leinen- und Schafwollwaarcn in Mähren undSchlesien. Die Wirkwaarenindustrie ist nur im nörd-lichen Böhmen von Bedeutung. DieSpitzeuklöppelcibeschäftigt im böhmischen Erzgebirge, wo sie seit 3Jahrhunderten heimisch ist, gegen 15,000 Arbeiter;für Maschinenspitzen gibt es Fabriken zu Wien undLettowitz in Mähren. Die Weißstickerci wird alsHausindustrie im böhm. Erzgebirge, fabrikmäßig inVorarlberg betrieben. In der Posamentierwaaren«Industrie sind Wien und Prag die Hauptsitze. Fürdie Herstellung von Mahlproducten gibt es in derMonarchie ca. 59,500 Mühlen, darunter ca. 850Dampfmühlen. Eine bedeutende Ausdehnung hatin den letzten Jahren die Rübenzuckerfabrikation er-langt; es bestanden 1873/74 im österreich. Staats-gebiete 224 (in Böhmen 159, in Mähren47, in Schle-sien!), in Niederösterreich 5 u. in Galizien 4)u. in Un-garn 20 Rübenznckerfabriken, welche ca. 32,4 Will.Etr. Rübenverarbeiteten. DieProductionvonKaffee-surrogaten wird fabriksmäßig vorwiegend inBöhmen(17 Fabriken), dann auch in Steiermark (7) u. Mäh-ren (6) betrieben. Fabriken für Chocolade gibt esnamentlich in Wien und Nordböhmen, welche Plätzeauch für die Erzeugung von Conditorwaarcn vonWichtigkeit sind.
Die Bierproduction in Ä.-U. nimmt sowohlhinsichtlich der Quantität als auch der Qualität einenhohen Rang ein.Inder Erzeugungsperiode 1874/75gab es in der Monarchie 2543 Bierbrauereien,welchezusammen ca. 21,4 Will. Eimer Bier producirten.An dieser Gesammtproductiou nahmen theil Böh-men mit 40°/«, Niederösterreich mit 23°/«, Mährenmit 8°/«, Oberösterreich mit 7"/«, Steiermark, Ga-lizien u. Ungarn mit je 5°/«, alle übrigen Kronlän-der zusammen mit 7°/«. Die Branntweinbrennereiist sehr umfangreich, wird aber zum größten Theilals landwirthschaftlicheNebenbeschäftigung betrieben.1873/74 gab es in der ganzen Monarchie (ohne Dal-matien) 114,161 Branntweinbrennereien (darunternur 2025 größere), wovon 82,570 auf das Ungar.Staatsgebiet kamen. Die größeren Brennereienbefinden sich hauptsächlich in Galizien u. der Buko-wina, in Böhmen, Mähren und Schlesien. Rosogliound Liqueure werden in größeren Quantitäten na-mentlich in Galizien, dann aber auch in Mähren,Böhmen, Niederösterreich und Kroatien-Slavonien,moussirende Weine in Niederösterreich, Steiermark,Ungarn u. Slavonien producirt. Die Fabrikationvon Tabak unterliegt gleich dem Anbauderselben dem! Staatsmonopol. Es bestehen 37 meist großartige