414
Neucnburg — Neuenhaus.
bezüglich seines Verhältnisses zum König von Preu-ßen geschehe, u. es begann sofort die Umgestaltungder öfsentlichen Verhältnisse. Der König von Preu-ßen legte 5. April von Neuem Protest gegen das Ge-schehene ein, entband aber die in N. gefangen ge-haltenen Staatsräthe ihres Eides, damit ihrer Frei-lassung nichts weiter im Wege stehe, weiche dannauch 13. April erfolgte. Ein neu gewählter Verfass-ungsrath entwarf eine neneVerfassnng,die30.Aprilangenommen u.von derTagsatznng garantirt wurde.Ein royalistischer Aufstandsversnch (Jan. 1849) miß-glückte. Als 1850 von Seiten der neuen Negierungzur Veräußerung von fürstlichem Dominial- u. Kir-chengnt geschritten wurde, erklärte das preußischeCabinet unter dem 13. Juli dergleichen ohne könig-liche Bewilligung vorgenommene Veräußerungenfür null und nichtig und die Londoner Conferenz er-kannte 24. Mai 1852 ausdrücklich den Verträgenvon 1815 gemäß das Recht des Königs von Preu-ßen auf N. u. auf Herstellung seiner Autorität da-selbst an. Eine Kundgebung der in Valengin ver-sammelten Royalisten, 6. Juni 1852, für den Königvon Preußen wurde von den zugleich versammeltenzahlreicheren Demokraten durch eine Gegendemon-stration wirkungslos gemacht. Die Royalisten warenübrigens in zwei Parteien gespalten, die eine bethei-ligte sich an den Staatsgeschästen, die andere, diesogen. Abstentionisten, hielten sich fern davon, u. vondiesen ging nun unter Leitung des eben von Berlinzurückgekehrten Grafen Pourtales-Steiger der Ver-such ans, die bestehende Regierung mit den Waffenzu stürzen und die Gewalt des Königs von Preußenals Fürsten von N. wieder zu thatsächlicher Geltungzu bringen. Am 3. Sept. 1856 früh 3 Uhr zog lauteiner im Namen des Königs Unterzeichneten OrdreOberstlieutenant Mcuron mit etwa 300 Mann vonLa Sagnc her nach N., besetzte das Schloß u. pflanztedie Fahne der Hohenzollern wieder auf, währendeine andere Schar sich des Ortes Locie bemächtigteu. dann gegen Chaux de Fonds aufbrach. Pourtalös-Steiger zog mitHilfe heran. Abends langten bereitsaus Bern zwei Abgeordnete der Bundesregierungin N. an u. forderten die Führer der Erhebung zurRäumung des Schlosses auf, wozu diese sich auchbereit erklärten. Inzwischen hatten die DemokratenLocle wiedergenommcn u. das Schloß in N. einge-schlossen, drangen 4. Sept. früh durch die offenenThore hinein und nahmen die Besatzung gefangen.Bald langten noch eidgenössische Truppen an, welcheden Kanton besetzten. Der Proceß der Gefangenenwurde vor ein Bundesgericht gebracht u. die Unter-suchung eingeleitet gegen die auf seine alten Rechtevon Preußen gestützte Forderung auf Sistirung desProcesses u. Freilassung der Gefangenen. Sämmt-liche Großmächte, sowie auch der Deutsche Bund un-terstützten diese Forderung, aber umsonst, so daß derAusbruch des Krieges zwischen Preußen und derSchweiz drohte, bis endlich durch diplomatische Ver-handlungen, in denen Napoleon HI. den Vermittlermachte, zu dem Vergleich führten, in welchem derBundesrath sich zur Niederschlagung des Proceffesu. der Freigebnng der 66 Angeklagten unter der Be-dingung verstand, daß dieselben, bis zum schließlichenAustrag derSache auf einer demnächst in Paris zu-jammenkommenden Conferenz, die Schweiz verlassensollten. Die Verhandlungen der betreffenden, am
S. März 1857 zu Paris zusammentretenden Confe-renz der Bevollmächtigten der europäischen Groß-mächte u. der Schweiz führten zu dem Vertrage vom26. Mai 1857, nach welchem das preußische Königs-Haus auf die ihm nach dem Wiener Vertrag auf N.zustehenden Souveränetätsrechte verzichtet, N. wiebisher einen Kanton der Schweiz bilden, die Schweizalle Kosten übernehmen u. eine vollständige Amnestieallen Betheiligten ertheilen sollte; endlich die Schweizdem Könige von Preußen eine Summe von 1 Will.Francs bezahle und die Einkünfte der im 1.1848mit dem Staate verschmolzenen Kirchengiiter u. dieCapitalien u. Einkünfte der frommen Stiftungen u.gemeinnützigen Privatanstalten nie ihrem Zweck ent-fremdet werden dürften. Die betreffende Urkundewurde 16. Juni von sämmtlichen Vertragsmächtenratificirt. Eine von einem hierzu gewählten Ver-fassungsrath vorgeschlagene Modifikation der Ver-faffung wurde 21. Nov. 1858 durch Stimmenmehr-heit vom Volke angenommen. Seitdem erfreut sichder Kanton N. im Ganzen der tiefsten Ruhe. Die ehe-maligen Royalisten bildeten nun eine conscrvativePartei, die sich jedoch nicht zum Besitze der Gewaltaufzuschwingen vermochte, welcher letztere dagegenzwischen den Radikalen n. der neu entstandenen Mit-telpartei der Independenten streitig blieb. Vgl.Schulze, Die staatsrechtliche Stellung des Fürsten-thnms N., Jena 1854; Ders., N., eine staatsrecht-licheSkizze,3.A.,Berl.1857; Majer, Die Geschichtedes Fürstenthums N., Tüb. 1857. Hcnne-Am Rhyn.'
Neuenbürg, Stadt u. Hauptort in dem 316,,Ullkm (S„5HW) mit (1875) 25,076 Ew. umfassen-den gleichnam. Oberamte des Württemberg. Schwarz-waldkreises, an der Enz, Station der Württemberg.Staatsbahnen; ansehnliches Bergschloß, Baumwol-lenweberei, Fabrikation vonLeder, Holzpapier, Car-tons u. Bijouteriewaaren, berühmte Stahlwaaren-fabrikation (Sensen, Sicheln, Strohmesser rc.), Fa-brikationlandwirthschaftlicher Geräthe, Sägemühlen;Holzhandel, Holzflößerei, Eisensteinbergbau; 1875,2048 Ew, — Geburtsort Eschenmayers.
Ncuenburger See (franz. Imo cks UsuosiLtol,I-ao ck'lverckon, im Mittelalter I-aouo Lburockunm-ois), Landsee in der Schweiz, gehört zu den KantonenNeuenburg, Waadt, Freiburg n. Bern u. wird vondiesen umschlossen, ist der größte Landsee am Fußedes Jura, bis 33 Ion lang, 8 km breit, bis 146 mtief, liegt 435 m ü. d. M. u. ist 237 Usicm (4,g sfM)groß. Er hat imN. reizende, mit Weinbergen, Wald-ungen und Ortschaften geschmückte, im S. wenigerschöne u. belebte, im SW. u. NW. aber auch flacheu. sumpfige Uferstriche, steht durch die Zihl mit demVieler u. durch die Broye mit dem Mnreuer See inVerbindung, nimmt die Thiele (Orbe), Neuse, Men-tne u. den Seyou auf u. friert selten ganz zu. Er istsehr fischreich (bes. Trieschen, Weißfclcheu, Welse,Aale rc.). An seinem OUfer, namentlich bei Esta-vayer und Cortaillod, sind ansehnliche Pfahlbautenaufgefunden worden. H> Berns.
Neu-England (Here-ün^Iauä Ltabss), Collec-tivname für die sechs nordöstlichen Staaten der Nord-amerikanischen Union, s. d. L.
Ncuenhaiu, Dorf im Kreise Obertaunus despreuß. Reabez. Wiesbaden; Erziehungsanstalt fürMädchen, Weinbau, Mineralbrunnen; etwa 800 Ew.
Neuenhaus, Stadt im Kreise Lingen der preuß.