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Bd. 13 (1879) Metternich - Ostindien
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92 Mithridat

runas (Uranos der Griechen), dem Gott der Lust od.des Himmels, bes. des nächtlichen, vorkommt. BeideGottheiten fahren wie Könige auf herrlichen Wagendaher; beiden wird die Wahrhaftigkeit n. der Schutzgegen die Lüge zugeschrieben, während die Allwissen-heit wie das Amt eines Zeugen u. Richters für alleThaten des Menschen mehr ein Attribut deSVarunaallein ist. In der Zeudreligion erscheint M. als dasvon Ahura geschaffene, Alles durchdringende u. be-lebende Licht, und zwar in seinem Unterschied vonSonne, Mond u. Gestirnen aufgefaßt; er hat seinenWohnsitz auf dem hohen Berge, Hara Berezaiti,ist mit zehntausend Augen und gleichviel Ohren be-gabt, allwissend, unbeirrt, weise, schlaflos und wach-sam, daher Zeuge aller Gedanken, Worte u. Werkeu. somit auch Repräsentant der Wahrheit, Gerechtig-keit u. Treue. Als personificirte Wahrheit u. Treuemuß M. zwischen den verschiedenen Ständen, Men-schen u. Ländern bestehen, ist Schützer alles Verkehrsunter den Menschen, wird daher auch von allen, na-mentlich den Armen u. Unterdrückten, aber auch denin die Irre geführten Rindern, um Hilfe angernsen,u. läßt seinen furchtbaren Grimm Alle empfinden,welche ihn verletzen. Er erscheint als König, Beherr-scher und Beauffichtiger der ganzen Welt, wird alsein Krieger dargestellt, welcher, mit allenWaffen aus-gerüstet, auf himmlische Weise dahin fährt, mit vierleuchtenden weißen Rossen vor seinem Wagen, vorander Siegeszott Verethraghna, und nicht eher rastet,bis er die Feinde vollständig zu Boden geschlagenhat. Als Repräsentant des Lichtes u. der Wahrheitfft er vorzugsweise der Vernichter der Dämonen undderen Einflüsse auf die Natur und den Menschen.Nach den Parsenschriften ist M. auch einer der Tod-tenrichter, indem er mit Sragha und Rashnu dasRichteramt an der Scheidungsbrücke Cinvat ausübt.Bei den Persern war der Cnltus des Mithra sehrheilig u. feierlich. Er wurde nicht nur zu einer be-stimmten Tageszeit angerufen, sondern es war ihmauch jeder 16 . Monatstag, sowie ein eigener Monat,der siebente, geheiligt; das größte Fest, gen. Mihra-gan, fiel auf den 16. Tag des Monats M. n. wurdein röm. Zeit 25. Dec. gefeiert. Außer in Baktrien,der Heimath des Zoroastrismus, wurde M. auch inMedien u. Persien allgemein verehrt. Während derHerrschaft der Perser hatte sich sein Cnltus fast überganz Vorder-Asien verbreitet, mag aber hier schonviel fremde Beimischung erfahren haben. In nochviel höherem Grade war dies der Fall, als sich derM-dienst seit etwa 70 v. Ehr. über den ganzen Oc-cident verbreitete; namentlich wird er in nachchrist-licher Zeit von Schriftstellern sowol, wie auch aufzahlreichen Monumenten, welche in allen Theilendes Römischen Reiches zum Vorschein gekommen sind,mit dem Sonnengott ideutificirt, daher die stehendeFormel: vso soll invieto LUiLras. Die M - My -sterien, mit denen auch Menschenopfer verbundengewesen sein sollen, waren um 70 v.Chr. ins Abend-land gedrungen u. fanden hier bei der herrschendenLeidenschaft für das Exotische u. Geheimnißvolle diewillkommenste Aufnahme. Sie wurden bei den Rö-mern im Frühlings-Aquinoctinm in ZoroastrischenGrotten gefeiert. Man sah im Innern derselben Em-bleme in Bezug auf die Constellationen der Gestirne ,n. die verschiedenen Zonen, die Sinnbilder der Fix-sterne und der Planeten, der 12 Zeichen des Thier- >

- Mithridates.

kreises, der Elemente, sowie die Stnfenbahn mit 8! Pforten von verschiedenem Metall, mit Bezug aufSonne, Mond u. Planeten u. auf den Gang der See-len durch dieselben. In diese Mysterien konnte aberNiemand eingeweiht werden, ohne gewissePrüsunzenstufenweise bestanden u. sich heilig u. leidenschaftslosbewiesen zu haben; daher eine Stufenfolge vonPrüf-ungen, welche immer harter wurden u. bis zur Le-bcnsgefährdung stiegen. Nach diesen kam die Ein-weihung, wobei Brod n. ein Wasserbecher aufgesetztund einige passende Reden gehalten wurden. Außerjenen Prüfungen od. vielleicht in ihnen scheinen ver-schiedene Grade der Mysterien bestanden zu haben,die nach Thieren bezeichnet wurden. Daher die aufmithrischen Inschriften befindlichen Benennungen:Version, Uslinon, Or^piiii, pater st iüsroonrax u.saora kisroooraoioa. Unstreitig sind diese Myste-rien aus dem Hanptfeste des M., dem Mihragan,und aus dem während des Jahres regelmäßigenOpferdienste dieses Gottes entsprungen, dennWasseru. Wassergefäße sind ein Hauptbestandtheil des zara-thustrischen Cnltus, und das Brod, welches in denMysterien geopfert wird, sind die Darun (s. d.),oder die kleinen Brode, genannt Oraono. Ausführ-liches über den Gott M. u. die M-Mysterien siehe inWindischmann, Mithra, ein Beitrag zur Mythenge-schichte des Orients, Lpz. 1857, u. Lajard, Rsoiisr-ollss snr Is onits pndlio et Iss mz-stsrss äs ülitllrasir Orient st sn Oooiäsnt, Par. 1853 f., 2 Bde. »-

Mithridat (LIsotnarnin Mtiiriäatis Oamo-oratis), eine angeblich von Mithridates, König vonPontus, erfundene, früher fast als Universalmittelin Ruf stehende, fast 50, meist erhitzende Ingredien-zien, u. a. Opium enthaltende Latwerge. Der M.wurde sonst unter obrigkeitlicher Aufsicht bereitet;an seine Stelle ist in neuerer Zeit der von Andro-machus zusammengesetzte Theriak (s. d.) getreten.

Mithridates (Mithradates), Name mehrererKönige von Parthien, Armenien u. im Bosporani-schen Reiche; bes. berühmt sind die Könige von Pon-tos: 1) M. (I.), persischer Statthalter in Pontosunter Artaxerxes Mnemon, welcher sich selbständigzu machen versuchte, aber wieder unterworfen wurde,daher er mit Unrecht als Gründer des PolitischenReiches angesehen wird. Als solcher gilt Ariobarza-nes (363 337) u. sein Sohn 2) M. (II.) I. Kri-sle s, der sich erst Alexander d. Gr. unterwarf, abernach dessen Tode selbständiger Herr des PolitischenReiches wurde. 3) M. (VI.) V. der Große oderEupator, wurde in der Einsamkeit erzogen unddurch Jagdübungen abgehärtet, u. bestieg fast nochals Knabe den Thron nach der Ermordung seinesVaters, M. Euergetes; er schuf sich eine Flotte undein tüchtiges Heer, besiegte zuerst 112110 v.Chr.die Skythen, unterwarf u. verband sich Völker vomSchwarzen Meere bis zum Tanrischen Chersones,machte dann 110108 eine Reise durch Kleinasien,verband sich mit dem Könige Tigranes von Arme-nien, dem er seine Tochter zur Ehe gab u. erobertePaphlagonien, Kappadokienu.Bithynien(92). Nuntrat er mit seiner lang gehegten Feindschaft gegen dieRömer hervor, von deren Herrschaft er Asien be-'reien wollte. Der Kampf (Erster MithridatischerKrieg) begann 89 damit, daß er die römischen Feld-herren, welche die von ihm vertriebenen Königevon Kappadokien u. Bithynien wieder in ihre Reiche