Milzbrand. 51
Gesäßen in immer feinere Zweige spalten u. mit den! Ballen zu dickeren od. dünneren Fäden, verbinden,
! so daß sie als ein festes Gerüst (Stroma), das weicheParenchym (M-pnlpa) durchziehen u. stützen. Ini den Räumen der netzartig sich verbreitenden Balken! ist die weiche Pulpa der M. eingebettet; sie bestehtaus einer weichen röthlichen Masse u. eingestrenten^ 1 mm im Durchmesser haltenden weißen Körn-
i chen. Die röthliche Masse besteht ans Blutgefäßen,
' u. zwar aus den sich büschelförmig theilenden Arte-rien, mehr noch aus den vielfach anastomosirenden,dünnwandigen Benen, u. aus einem zarten Netzwerkvon kernhaltigem Bindegewebe mit zahlreichen da-! zwischen gestreuten Zellen, die den Lymphkörperchen' vollständig gleichen. Die genannten weißen Körn-chen (M-körperchen, M-bläschen, Gorpusoula Llal-Müü) sitzen überall den Arterien an u. haben voll-ständig den Bau der Lymphdrüsenfollikcl (s. Lymph-drüsen). Bei Thieren tritt die M. zuerst bei solchenauf, in denen die Wirbelsäule sich entwickelt hat, alsoin Len Fischen; sie liegt hier hinter dem Magen, vonl der verhältnißmäßig sehr großen Leber ganz bedeckt,ist von hellerer Farbe, als beim Menschen, übrigensder Lage, Größe und Gestalt nach sehr verschieden.
' Dasselbe gilt auch von Amphibien; bei mehrerenliegt sie im Gekröse. Bei Vögeln liegt sie unter demlinken Leberlappen, neben dem Vormagen, ist klein,verschieden gestaltet, doch meist länglich, oval vderherzförmig u. platt gedrückt. In den meisten Ceta-! ceen ist sie im Verhältnis) zu der Leber kleiner, alss bei anderenSäugethieren, ist in mehrere Lappen ge-j theilt, od. zerfällt auch in mehrere M-en. Die mei-s sten Säugethiere haben eine beträchtlich längereM.,als der Mensch; sie umgibt den größten Thcil des! Bogens des Magens; ihr inneres Gewebe ist hiervorzüglich entwickelt u. zeichnet sich durch die gedach-ten weißen Körperchen aus, die hier nicht leicht felplen. Beim menschlichen Embryo ist die M. schon imdritten Monat unterscheidbar; sie bleibt aber chier,wie auch bei Neugebornen, im Verhäliniß zur Le-ber sehr an Größe zurück; doch sind die weißlichenKörper im frühen Kindesalter am deutlichsten. Wasdie Function der M. betrifft, so befinden wir unsnoch bis zu einem gewissen Grade im Dunkeln.Die M. hat keinen Ausführungsgang, liefert alsol auch kein Secret, und deshalb rechnet man sie vonAlters her unter die sogen. Blutdrllsen (s. d.), d. h.solcheDrüsen, von Lenen man mit mehr od. wenigerRecht annahm, daß sie einen gewissen Einfluß ansdie Blutmischung ausüben. In Betreff der M. ste-hen sich zwei Ansichten diametral gegenüber: dieEinen meinen, in der M. erfolge normaliter der Un-tergang der rothen Blutkörperchen; die Anderen, inihr würden weiße Blutkörperchen gebildet, die späterzu rothen werden. Die Elfteren stützen ihre Ansichtdarauf, daß man in der M. nicht selten im Zerfallbegriffene rothe Blutkörperchen findet, ebenso wie diechemischen Products einer regressiven Metamorphosevon Albuminaten; eine Beobachtung, die man aberauch an fast allen anderen Stellen des Körpers, wennauch in verschiedenem Grade machen kann. Die An-deren stützen sich darauf, daß Las M-venenblut un-gleich reicher an weißen Blutkörperchen ist, als dasM-arterienblut. AuchderdenLymphdrüsenungemeinanaloge Ban möchte dafür sprechen. Ob damit dieFunction der M. erschöpft ist, muß dahingestellt blei-
ben. Jedenfalls ist die M. kein für das Leben ab-solut nothwendiges Organ. Sowol Experimente anThieren, als auch Beobachtungen am Krankenbetthaben gezeigt, daß auch ohne M. das Leben, n. zwarrelativ ungestört fortbestehenkann. Fast ausnahms-los beobachtete man aber nach Exstirpation der M.eine compensatorische Vergrößerung der Lyinphdrü-sen, namentlich der Mesenterialdrüsen. Jahn.
Milzbrand (^.ntLrax, Thierheilknnde), eine anihäufigsten beim Rinde sich primär entwickelnde, an-steckende, gewöhnlich epi- oder enzootisch herrschendeKrankheit, die auch wol bei anderen Pflanzenfressern,dem Schweine und selbst dem Geflügel primär ent-stehen kann u. einer Übertragung auf andere Lhier-gattnngen und auf den Menschen fähig ist. Der M.kommt unter günstigen Ortsverhältnissen in allenKlimaten vor, ähnlich dem Wechselfieber. Er ist eineeigentliche Sommcrkrankheit u. tritt überall da en-zootisch auf, wo der Boden viele organische, in Zer-setzung begriffencSloffe enthält; in besonders hohemMaße dann, wenn der an organischen Stoffen reicheBoden in heißer trockener Witterung rasch trocknet u.jene Substanzen dem zersetzenden Einfluß der At-mosphärilien ausgesetzt sind. Er ist vorzugsweise eineWeidekrankheit, doch tritt er auch wol in überfülltenheißen, mit faulen Auswurfsstofsen erfüllten Stall-ungen auf. Während desVerlanfesderKrankheit ent-wickeltsich einContagium. Besonders ist es nachweis-lich im Blute u. sämmtlichen Exsudaten vorhanden.Das Contagium ist außerordentlich resistent; Häute,Haare u. Wolle der kranken Thiere haben oft nochnach langer Zeit Ansteckung bewirkt. Das Kochenselbst vermag die infectiöse Eigenschaft nicht immerzu zerstören, wie dies die traurigen Folgen darge-than haben, die nach dem Genüsse des Fleisches milz-brandkranker Thiere häufig beim Menschen consta-tirt worden sind. Der Ansteckungsstoff soll Monateund Jahre lang an dem Boden haften, in welchemdie Cadaver anthraxkranker Thiere verscharrt wur-den , ja sogar den daselbst wachsenden Pflanzen in-fectiöse Eigenschaften verleihen. Das Contagiumscheint nach Virchow nach Art eines septischen Fer-mentes zu wirken. Bei Menschen entsteht die Krank-heit meist durch unvorsichtige Manipulation mitanthraxkranken Thieren oder ihrem Cadaver, durchden Stich von Jnsecten, welche mit Blut dieserThiere besudelt sind, oder durch den Genuß des Flei-sches, der Milch rc. Das Contagium haftet an jedemTheile des Körpers, um so leichter dann, wenn dieOberfläche der betr. Stelle wund ist. Von da auserfolgt die Jnfection des Blutes mitunter so rasch,daß sie schon nach wenigen Stunden deutlich zu be-merken ist. Das Blut anthraxkranker Thiere ist sehrdunkel, zähflüssig, theerähnlich, gerinnt fast gar nichtu. röthct sich kaum an der Luft. Die Blutkörperchenzerfallen gleich nach dem Tode u. rufen umfangreicheVerfärbungen der Gewebe hervor. In dem Blinefanden zuerst Pollender u. Brauell ungeniein zahl-reiche, sehr zarte stäbchenförmige Körper. Brauellhat auf ihre Übertragbarkeit und außerordentlicheVermehrung u. auf ihren hohen diagnostischen Werl l/ansmerksam gemacht. Davaine hat die stäbchenfö.miqen Körper für Bakterien erklärt. Bollinger, be-sonders aber Koch, haben sich um die Naturgeschichteldieser Gebilde die größten Verdienste crwcrven. In, neuester Zeit gewinnt die Ansicht, daß diese Krank-