42 Militärheilkunde —
Länder rc., Lpz. 1851; Utiesenovic, Die M. n. derenVerfassung, Wien 1861; Hostinek, Die M. u. ihreVerwaltung, ebd. 1861,2 Bde. Echo Lagai.
Militärhcilkunde, s. Sanitätswesen.
Militärhoheit ist das Recht des Staatsober-hauptes als Kriegsherr. Die deutschen Fürsten ha-ben sich dieses Rechtes nahezu vollständig begeben,so daß der deutsche Kaiser die M. über das deutscheHeer hat. Schon vor Aufrichtung des deutschenReiches hatten einzelne Fürsten (Koburg - Gothamachte den Ansang) durch sogen. Militärconven-tionen einen Theil ihrer M. an Preußen abgetreten.
Militarismus, VorherrschendesMilitärwesensu. Bevorzugung desselben im staatlichen Leben.
Militärisches Anfnehmen (vgl. Aufnehmenund Feldmeßkuust) heißt irgend einen Terraintheilbezüglich der auf demselben vorhandenen Terrain-gegenstände und bezüglich der Gestaltung vermessenund dann durch eine im verjüngten Maßstabe ans-gesührte Zeichnung so darstellcn, daß diese Zeichnungein möglichst genaues Bild der Gegend gibt undnamentlich alle sür die militärische Benutzung desTerrains wichtigen Gegenstände enthält. Hierzugehören vorzugsweise die Erhöhungen und Vertief-ungen, also die Gebirge, Höhenzüge, die Thäler undWasserläufe, ferner alle Communicationsmittel, diebewohnten Orte, die Anpflanzungen rc. Es ist nichtnur wichtig, die Entfernungen und die gegenseitigenLagen der einzelnen Terraingegenstände von einanderfestzustellen, sondern es müssen auch die Höhenver-hältnisse, die Steilheit der Böschungen, die Passir-barkeit des Terrains, die verschiedenen Culturan-lagen rc. zum Ausdruck gelangen. Derartige Pläneod. topographische Karten, auch Generalstabskartengenannt, können nur mit Hilfe von Meßinstrumen-ten (Meßtisch, Bonssole, Theodolith) ausgenommenund daher im Kriege selbst nur in seltenen Fällenausgesührt werden. Die topographische Aufnahmeeines Landes erfolgt daher meist im Frieden u. zwarunter Leitung von Offizieren des Generalstabes; siekann sich natürlich nur aus das eigene Gebiet ans-dehnen , Karten fremder Länder müssen ans andereWeise beschafft werden, ihre Vervielfältigung u. Be-reithaltung für den Fall eines Krieges wird durchden Gencralstab u. zwar meist durch eine besondereAbtheilung desselben besorgt. So wichtig der Besitzguter Generalstabskarten für die Kriegführung ist,so können diese allein doch nicht für alle Fälle ge-nügen, einmal, weil im Laufe der Zeit das Terrain,hauptsächlich bezüglich der Communicationen undCulturanlagen Veränderungen erfahren wird, unddann, weil die Karten nicht in so großem Maßstabegezeichnet werden, daß alle Details berücksichtigt seinkönnen. Es sind daher für specielle Kriegszwecke oftnoch Aufnahmen erforderlich, denen die Generalstabs-karten zur Grundlage dienen u. die sich ans die Ver-vollständigung der letzteren, oder auf eine genauereDarstellung einzelner bes. wichtiger Tcrraintheilebeziehen. Diese Aufnahmen werden meist ohne In-strumente nach dem Augenmaß ausgeführt und ineinem flüchtig gezeichneten Plane, Croquis genannt,eingetragen, wozu in der Regel ein in QuadrateeingctheiltesPapier, aus welchem dieHauptorientir-ungspunkte von der Karte übertragen sind, benutztwird. Entfernungen werden entweder abgeschritten,od. abgeritten, od. auch nur geschätzt. Ost werden
Militärorganisation.
auch schon Recognoscirnngen des Terrains den nö-thigen Aufschluß geben können. Die gebräuchlichsteMethode des M-n A-s ist die mitMeßtisch u. Kipp-regel. Bezüglich der Darstellung des Terrains durchdie Zeichnung kommt es vor Allem ans eine klare,durch den Anblick der Karte leicht u. rasch verständ-liche Wiedergabe derHöhenverhältnisse an. Je grö-ßer der Maßstab ist, in welchem die Karten ausge-führt werden, um so mehr können sie an Deutlichkeitgewinnen, um so kleiner wird aber der Umfang desTerrains, das auf einem Blatte dargestellt werdenkann. Für den militärischen Gebrauch dürfen dieeinzelnen Blätter nicht zu groß sein u. müssen docheineübersicht über eine nicht zu kleine Terrainstreckegestatten; hierdurch wird der Maßstab für die Gene-ralstabskarten bestimmt, die inden größeren Staatenmeist im Verhältniß 1:75,000 bis 1:100,000, inden kleineren Staaten theilweise im Verhältniß1:25,000 ausgesührt sind, welch letzteres für größeremilitärische Pläne gewöhnlich angewendet wird. DieGröße des Maßstabes bedingt meist auch die Art derAusführung der Karten, namentlich die Höhendar-stellung, sür welchebei kleinerem Maßstabe gewöhnlichdie Schraffir- oder Bergstrichmanier, bei größeremMaßstabe dieMethode deräquidistantenHorizontalengewählt wird. S. u. Planzeichnen u. vgl. Koßmann,Terrainlehre, Terraindarstellung u. M. A., Potsd.1876; Plehwe, Leitfaden sür den Unterricht im Plan-zeichnen und militärischen Aufnehmen, Berk. 1875;Wedell, Das militärische Aufnehmen, Berl. 1860. z-
Militärmusik, die bei Truppen übliche Musik. !In den frühesten Zeiten bestand die M. nur ans ^Trommeln, welchen die alten Culturvölker noch Blech-blasinstrnmenteznfüglen. DieHebräerkannten schonHörner, Trompeten u. Posaunen; nach der Verfas-sung des Servius Tullius hatte das römische Heerzwei Lsnturias eornieuinm n.tubielnum; doch dien-ten diese Instrumente nur zu Signalen im Kriege,bei Festen rc. und haben sich diese einfachen Instru-mente durch alle Zeiten erhalten, in verbesserterConstruction auch jetzt noch zur Abgabe von Sig-nalen und zur Angabe des Tactes beim Marschirenverwendet. Wirkliche Selbständigkeit erlangte dieM. erst mit der freieren Entfaltung der Instrumen-talmusik (17. Jahrh.), wo sich feststehende Formen(z. B. der Marsch) herausbildeten. Von wesentlichemEinflüsse auf die M. wurde der Dreißigjährige Krieg,indem die Deutschen allgemein anfingen, unter denKlängen der Musik reihenweise zu marschiren und indie Schlacht zu ziehen. Dies führte zu einer Ver-mehrung der bisher gebräuchlichen Blas- u. Schlag-instrumente; von besonderer Wichtigkeit wurde derHinzutritt der melodieführendenHoboen (deren her-vorragende Stellung zu der bei der Jnfanteriemusikheute noch gebräuchlichen Bezeichnung Hoboisten-oder Hautboistencorps führte) und der Fagots undClarinetten. Von Wichtigkeit sür dieM. wurde bes.die Erfindung der Ventilinstrumente. Während dieM. bei den Infanterie-Regimentern aus Holz- undBlechinstrumenten rc. besteht, haben die kleinerenMusikcorps der berittenen Waffen, der Jäger rc. nurBlechinstrumente und bestehen meist aus den auchzum Signalblasen bestimmten Trompetern. Sicbmroa.
Militärökonomie, s. Militärverwaltung.
Militärorde», s. Militärverdienstorden.
Militärorganisation, so v.w.Wehrverfassung.