298 Die Frühjahrssession des Reichstages 1884.
am genauesten gewürdigt, und wenn ich mit Ihren Ab-sichten nicht einverstanden bin, so niuß ich doch der Ge-schicklichkeit und der Einsicht, mit der Sie die Sache vomParteistandpunkte aus verfolgen, die vollste Gerechtigkeitwiderfahren lassen, eine so weitgehende Gerechtigkeit, daßich an Ihr Nichtwissen nicht glaube. Meine Pflicht zumSchweigen dehnte sich auch auf meine Beziehungen zudem eigentlichen Pflegevater dieser Vorlage, dem HerrnStaatssekretär Stephan, aus. Ich habe auch diesemHerrn kein Wort von unseren Kolonialabsichten gesagt,weil ich, wo ich die Verpflichtung habe, zu schweigen,diese Verpflichtung sehr ernsthaft nehme auch den Leutengegenüber, deren Verschwiegenheit mir vollkommen sicher ist.
Daß ich der Vorlage früher vor meiner Erklärungeine andere Bedeutung gegeben habe, als jetzt durchmeine Versicherung, daß sie für mich unbedingt in Zu-sammenhang mit der Kolonialfrage steht, kann ich un-möglich zugeben. Ich glaube, Herr Rickert spielt daauf die Erklärung an, die ich in der Kommission zuerstabgegeben habe, nämlich daß es in keiner Weise meineAbsicht sei, die bestehenden Linien und Interessen zu ^ignorieren, sondern daß ich schon vor Wochen, als ich teinmal Gelegenheit hatte, mich über die Sache zu äußern, s
gesagt habe, ich wäre nicht für Regie, sondern für k
Subventionen. Ich habe hinzugefügt, daß ich als Regie !jede durch gouvernementalen Einfluß neugeschafsene Linieansehe. Wie ich dadurch, durch diese meine Erklärungdas Bestehende pflegen und ausbilden zu wollen undnicht durch Konkurrenz zu zerstören, der Sache eine andereFärbung gegeben haben soll, verstehe ich nicht.
Das Vertrauensvotum, welches die Vorlage für denReichskanzler verlangt, ihm die Verfügung über vier