1!>6 Die Frühjahrssession des Reichstages 1884.
trachtet*). Die in der Eröffnungsrede vom 6. März 1884 an-gekündigte Vorlage, welche eine fernere Verlängerung bis zum80. September 1886 in Aussicht nahm, gelangte in der 9. und10. Sitzung, am 20. und 21. März 1884, zur ersten Lesung. Aufeine in ihrer Art glänzende Rede des Abgeordneten Bebel gegendie Vorlage erwiderte am ersten Tage der Debatte der preußischeMinister des Inneren v. Puttkamer als Kommissar des Bundes-rats, indem er die revolutionären Ziele der Sozialdemokratie haupt-sächlich durch Anführungen aus dem Buche eben dieses Parteihauptesüber „die Frau der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft" grellbeleuchtete. Nach ihm sprach der Abgeordnete Windt Horst fürseinen Antrag, die Vorlage, über deren Zweckmäßigkeit er sich nurzweifelnd und unbestimmt äußerte, zur Vorberatung einer Kom-mission zu überweisen. Er bestritt dis Tragweite theoretischer Dar-legungen, wie sie in jenem Bebelschen Buche enthalten seien, klagteden Staat selber einer gewissen Hinneigung zu sozialdemokratischenForderungen an — Fürst Bismarck habe neulich (in seiner Redefür das Unfallversicherungsgesstz) sogar von einer durch dasSozialistengesetz verhinderten „Selbstverteidigung" der Sozial-demokraten gesprochen — und versäumte nicht, in bekannter Weisedie kirchliche Gesetzgebung in Preußen als ein Haupthindernisbesserer Zustände anzugreifen. Hierauf nahm der Reichskanzlerdas Wort:
Meine Herren, es lag nicht in meiner Absicht, nachdem erschöpfenden Vortrage, den mein Kollege zur Rechtenüber die Sachs gehalten hat, überhaupt das Wort zunehmen; ich bin nur dazu veranlaßt durch einige Be-merkungen, in denen meine Thätigkeit und meine Aeuße-rungen berührt morden sind, und namentlich durch denAppell, den der verehrte Herr Vorredner in diesem Augen-blick an mich gerichtet hat in Bezug auf den Vorschub,den seiner Meinung nach die preußische Gesetzgebung derSozialdemokratie so, wie sie Herr von Puttkamer Ihnengeschildert hat, leistet. Ich möchte ihm da die Frage
*) Vgl. oben S. 167.