198 Die Frühjahrssession des Reichstages 1884.
Regierungen vertreten, was haben wir denn von derSache, ob es gut oder schlecht geht? Schlechte und ge-fährliche Entwickelungen können wir ebensogut vertragenwie Sie. Wir müssen es aushalten, wenn es über unsergeht, wir sind den sozialen Gefahren nicht mehr aus-gesetzt als Sie — das ist eine allgemeine Sache; undeinen andern Grund als den, daß uns unser Gewissentreibt, unsere staatliche Pflicht, von der wir glauben, daßsie der Regierung obliegt, zu erfüllen, vorauszusetzen, isteine Ungerechtigkeit, — ich will nicht sagen, eine absicht-liche Verdächtigung, aber doch eine objektive Verdäch-tigung. Es ist ein Redeargument, das Kollegen desHerrn Bamberger wohl öfter anwenden, in Bezug auf dieletzten Zwecke der Gesetzgebung. Der Herr AbgeordneteBamberger hat sich früher solcher Suggestionen, solcherAppelle an unser eigenes Gewissen enthalten, und ichmöchte, daß er dabei bliebe. Daß wir zu den Assignatenkommen könnten, ist eine ungeheure Uebertreibung. HerrBamberger überschätzt die Ausgabe, wenn er behauptet,sie wird auf 200 bis 300 Millionen kommen können, undselbst das wäre noch keine Assignatenwirtschaft für dasDeutsche Reich, da bei weitem der größte Teil dieserSumme doch durch Beitragspflicht der leistungsfähigenund zahlbaren Genossenschaften aufgebracht werden würde.Die Summe aber übersteigt um das Vielfache — wenndie Sachverständigen sich darüber äußern, so werden sieden Irrtum besser Nachweisen als ich — sie übersteigtum das Vielfache den wirklichen Betrag.
Der Herr Abgeordnete spricht nachher sein Bedauernaus über die „sozialistische Schrulle". — Es ist docheine harte Aeußerung, wenn man die sorgfältigen, dreiJahre lang erwogenen Entschließungen der verbündeten